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Amrum – Insel der Wildgänse

Fast 10.000 Ringelgänse, Nonnengänse und Graugänse bevölkern die Marschenwiesen bei Norddorf und Wittdün, dass Annland und die Feldmark der Inselgeest. Ringelgänse und Nonnengänse halten sich dort in mehreren Scharen von jeweils einigen hundert Vögeln auf.
Beide Arten haben ihre Brutplätze auf arktischen Inseln, Spitzbergen, Grönland und sibirischen Eismeerküsten bis hin zur Taimir-Halbinsel. Diese Brutgebiete sind tausende Kilometer entfernt und deshalb müssen sich die Gänse durch konzentriertes Äsen Fettreserven anfressen, damit sie diese Flugstrecken bewältigen.

Die Norddorfer Marsch von Wildgänsen übersät

Die schwarzen Ringelgänse
Die dunklen, fast schwarzen Ringelgänse waren in den 1960/70er Jahren fast ausgestorben, haben sich aber wie die anderen Wildgansarten dann wieder kräftig vermehrt. Ein Grund dafür soll die Auflösung der russischen Sträflingslager an der Eismeerküste sein. Denn seitdem haben die dort brütenden Wildgänse nicht mehr unter dem Eiersammeln und der Bejagung durch die Strafgefangenen zu leiden.
Alle Wildgänse leben in lebenslang dauernder Einehe mit sehr treuem Zusammenhalt. Wird im Winterquartier an der heimischen Nordseeküste einer der Partner flugbehindert, verzichtet der andere auf den Flug ins Brutgebiet. Die hier verbleibenden Ringelgans-Paare sind aber bislang nicht als Brutvögel notiert worden – ganz anders aber die ebenfalls hocharktischen Nonnengänse.

Häufiges Geschnatter kennzeichnen die Nonnengans

Massenvermehrung der Nonnengänse (Weißwangengans)
Jahrzehntelang gehörten Ringelgänse als arktische Wintergäste zwischen Oktober bis Mai zur Amrumer Vogelwelt. Andere Wildgänse, z.B. Saat- und Blessgänse waren nur vereinzelt und kurzzeitig vertreten. Auch die Nonnengans kam bis vor weinigen Jahren eher selten vor. Aber dann steigerte sich die Menge dieser Art seit 2014 bis heute auf Tausende und ist gegenwärtig dabei, die Ringelgans zu überflügeln. 2016 überwinterte erstmalig eine Schar von über 1000 Nonnengänsen in der Norddorfer Marsch und auch 2017/18 bevölkerten sie die Feldmark und die Marschen bis sie dann Mitte Mai zu ihren hochnordischen Brutplätzen fliegen. Wenn überhaupt! Denn Nonnengänse verzichten zunehmend auf den bis zu 5000 Kilometer langen Flug in ihre Brutgebiete. Sie haben gemerkt, dass die Winterquartiere frei von raublustigen Polarfüchsen und Eismöwen sind. Und auffällig ist, dass Nonnengänse sich nicht um die Klimaerwärmung kümmern. Träfe dieses Faktum zu, dann müssten die Nonnengänse statt nach Süden ihr Brutgebiet um hunderte Kilometer nach Norden verlagern.
Sogar von Sylt werden, ungeachtet der Fuchsgefahr, im Archsum-Morsumer Marschenland und an der Eidumer Vogelkoje Nonnengans-Bruten gemeldet, bevorzugt in vorherigen Graugansnestern.
Besondere Beachtung aber verdient das „Vogelparadies“ am Laglum-Siel nördlich von Wyk auf Föhr. Hier wurden 2017 rund 50 Nonnengans Brutpaare gezählt, die auf den Flug ins traditionelle Brutgebiet verzichtet hatten. Eine unglaubliche Umstellung ihrer bisherigen Biologie und eine ornithologische Sensation. Es dürfte nicht lange dauern, bis die Nonnengans als Brutvogel auch auf Amrum heimisch wird.

Die einheimische Graugans
Die Mengen der Ringel- und Nonnengänse als Wintergäste wird auf Amrum ergänzt durch die einheimischen Graugänse, die inzwischen fast alle Insellandschaften besiedeln und mit ihren Jungen seit Ende April die Insel bevölkern.
Und das ungeachtet der Tatsache, dass allein im Jagdrevier Norddorf über 2000 Eier auf Empfehlung der zuständigen Behörden abgesammelt wurden. Diese Menge entspricht den Gelegen von etwa 50 Brutpaaren. Da Graugänse kein Nachgelege machen, sieht man viele nichtbrütende Grauganspaare in der Landschaft. Trotz des Absammelns der Eier wurden Mitte Mai etwa 130 Paare mit einigen hundert Jungen gezählt. Für Inselgäste und Naturfreunde eine Freude, für die hiesigen Landwirte eine Katastrophe, da die Gänse Wiesen und Saaten wegfressen.
Georg Quedens

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