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Ohne Schirm, aber mit Charme und Hut – das Künstlerfest der Rotarier 2018 …

Künstler Felix Karweick hatte das schönste Hemd. Amrums Rotary-Präsident Mario Bruns den schönsten Hut. Und Musiker und Maler Georg Dittmar einen schönen Gedanken: „Das Grandiose an der Kunst ist, dass sie völlig zweckfrei ist und man sich einfach an ihr freuen kann.“ Das Künstlerfest des Rotary Clubs Amrum im Norddorfer Gemeindehaus und seinem Garten war – wieder einmal – ein Treffpunkt für viel Schönes. Und wie hinterher zu erfahren war, ist Karweicks Hemd sein über alles geliebtes Künstlerfest-Hemd.

Während manche Besucher auf der Suche nach einem kleinen, ersten nicht so teuren Kunststückchen waren, stand anderen gemeinsam mit ihrem Vorsteherhund der Schweiß im Gesicht bei der Überlegung, welche Kunst für welches ihrer Häuser wohl am Gelungensten wäre. „Notfalls müssten Sie noch ein Bild malen. Ich bräuchte das Format zweimal.“ Nun denn – dem Zweck der Veranstaltung käme auch das zugute, denn schließlich haben die Rotarier bei ihrem Künstlerfest immer Jugendprojekte im Hinterkopf, die sie hernach unterstützen. Und zwar „aus den Spenden, die wir von den Künstlern für ihre verkauften Werke bekommen“, sagte Michael Langenhan, der den Rotary-Club Amrum 2008 mit gründete. Der derzeitige Präsident Mario Bruns und der rotarische Sonderbeauftragte für Verkaufserfolg, Freddie Flor, flanierten nie ohne Tun durch die Reihen der Künstler. Hier ein Verkauft-Button ans Bild, dort ein Gespräch, hier ein kleiner Kauf für das eigene Heim, dort eine feine Stulle mit Pfifferlings-Leberkäse von den Rotary-Kollegen, die am Rande der Veranstaltung kreative Leckereien auf dem Grill hatten.

Die Föhrerin Petra Kleibömer mit ihren „verschobenen“ Bilden (fersköwen biljen) war das erste Mal dabei. „Ich war erstaunt über die vielen interessierten Gespräche und habe mich riesig über meine Freunde von Föhr gefreut, die neugierig auf das Künstlerfest waren, das ich so angepriesen hatte.“ Wie vielen anderen gefiel ihr sehr die Hintergrundmusik von Manuel Pabst am Klavier, der mit „Fineness“ eine eigene CD mit 14 komponierten Liedern mitbrachte, die er samt Notenbuch verkaufte. „Es sind leichte Stücke, denn du willst ja nichts spielen, wobei du dir die Finger brichst“, sagte der studierte Pianist, der vormals als Lehrer auf Amrum arbeitete. Seinen Platz auf der Empore teilte er sich mit Felix Karweick, der Bildhauerin Ria Bredemeyer und Otfried (Panscho) Schwarz. Die drei bilden anlässlich dieses Festes auch eine Künstler-WG in Panchos Haus in Nebel.

Zwischen viel Kunst auch etwas Kitsch. Und manchmal ein Flächenbrand aus Öl und Acryl, wenn die satten Farbwerke sich in ihrer Aneinanderreihung bedrohlich verdichteten. Was schade war, denn manches hätte lichter betrachtet bestimmt gefangen genommen. Was den Kitsch betrifft, so ist auch er subjektiv, und warf dennoch eine verwegene Idee auf: Hätte man hieru nd da eine dieser Schneekugeln dazugestellt, mit Delphin oder in diesem norddeutschen Fall vielleicht mit Leuchtturm und Robbe; sie hätte sich nahtlos eingefügt – und vielleicht sogar ihre Fans gefunden?! „Ach, so was machen Sie auch?“

Vorne im Saal brachte Anna Susanne Jahn mit Engelsgeduld bei ständig um sie herumfragenden Gästen ihr Aquarell-Stillleben mit Maus und Nektarine zu Ende. „Reden, konzentrieren, malen – das ist Teil des Spiels“, sagte sie lachend. Man sei froh, eine reproduzierende Künstlerin dabei zu haben, hieß es aus dem Kreis der Rotarier. Auch Karin Theisingers wunderschöne Fische und verschleierte Wattlandschaften waren ein Hingucker, nicht nur ihres ungewöhnlich schmalen Formats wegen. Die Kölnerin Ann Schiffer hatte Arbeiten nach japanischem Holzschnitt mitgebracht und feine Linolschnitte mit Strukturen aus der Natur.

Mit Kinka Tadsen und Sven Sturm standen sich Bauch und Kopf der Amrumer Fotokunst gegenüber. Sie, die sich von Menschen, Land und Himmel intuitiv begeistern lässt und ihre Sujets gern spontan in den Moment bannt und er, der Mimikry-Kästen für seine Kamera austüftelt, womit dann faszinierende Aufnahmen von Austernfischern face to face gelingen. So, wie sich beide daran erfreuten, den neugierigen Fragen nach dem Befinden der Tiere, dem Zug der Wolken, der Belichtung und Perspektive nachzugehen, so waren es auch bei den anderen Künstlern wieder einmal die Geschichten hinter dem Gezeigten, die dieses Fest so besonders machen. Es wird viel geredet. Miteinander. Spontan. Neugierig.

Ein Highlight waren Raimund Behrends fantastische Deichlandschaften in Ölpastellkreide. „Ich gehe bei uns hinter Oldensworth auf den Deich und fange die Stimmung ein.“ Bis er diese malerisch übersetzt hat, können drei Monate verstrichen sein, erzählt er. Die Kunst des 84-Jährigen war eine Bereicherung dieser Ausstellung.

Die Amrumer Künstler, die bei der Erstveranstaltung vor zehn Jahren das Fest noch allein bestritten, sind eine feste Größe. Amrum in all seinen Facetten spiegelte sich in der Aquarellmalerei von Birgitt Sokollek, Hilla Randow und Andrea Hölscher und auch in Kai Quedens’ Eitempera-Gemälden. Musiker und Maler Georg Dittmar präsentierte neben seinen Landschaften auch die limitierte Auflage eines Linolschnittes, mit dessen Verkauf er die Produktion seiner neuen Crazy-Horst-CD unterstützen wollte (erscheint Mitte August).

Natascha Rahel Reichel, die von Amrum stammt und in Pforzheim eine Schmuck-Galerie führt, in der sie auch abstrakte Ölmalerei zeigt, war gezielt auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen und wurde unter anderem bei Nick Jungclaus fündig. Der Amrumer, der in Hamburg ein Büro für visuelle Kommunikation betreibt, hat sich auf Acrylmalerei und Linoldruck spezialisiert. Sein düster-raues Gewitter-Bild war ein sehr beliebter Fotohintergrund der Ausstellung.

Nachdem 2017 eine schöne Künstlerauswahl gelungen war, sah man sich dieses Jahr mit einigen Absagen konfrontiert, die mit Amrum sicherlich nichts zu tun hatten, aber die kleine Kunstgemeinde in Norddorf dennoch etwas schwächten. Obacht solle bei der Auswahl ein Gebot bleiben, war aus dem Kreis der Flaneure zu hören. Denn der Blick auf ein feines Kleinod an der Wand, schärft sich eher durch andere Kleinode als durch – sagen wir – Schneekugeln. Man kann diesem großartigen Fest im kleinen Rahmen gar nicht genug Feines wünschen. Ein paar interessante Vormerkungen fürs nächste Jahr gibt es schon.

Die Gelassenheit im Gäste- und Künstler-Miteinander griff zum Abschluss Torge Peters auf, der bei einsetzender Dunkelheit den Video-DJ gab und eine Lichterschau auf Front und Dach des Gemeindehauses projizierte, die wie eine ausflutende Lavalampe wirkte, der Quallen und Luftblasen entstiegen. Der Sohn von Seekiste-Wirt Wellem Peters ist eigentlich Grafikdesigner in Berlin, hat aber auch schon auf der Biennale in Havanna seine Lichtbilder zur Musik tanzen lassen. Eine Kunst, die aus der Clubszene der 90er Jahre rührt. Als sich seine Bubbles langsam hinter dem Dachfirst auflösten, gingen auch die Menschen schlafen.

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Über Undine Bischoff

Journalistin und Texterin. Fuhr mit drei Jahren zum ersten Mal über den Kniep – in einer Schubkarre. Weil ihr Vater da draußen eine Holzhütte baute, zwanzig Feriensommerjahre lang. Betextet Webseiten und Kataloge, schreibt für verschiedene Medien und natürlich für Amrum News.
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