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Wenn Ärzte im Hochsommer die Schulbank drücken – Summer School auf Amrum …

Ärztlicher Direktor Dr. med. Christian Falkenberg der Fachklinik Satteldüne und Professor Karl Paul-Buck

Professor Karl Paul-Buck rief die Summer School “Pädiatrische Pneumologie” bereits 2004 ins Leben. Paul-Buck, der nicht nur selbst eine Zeit lang ärztlicher Direktor der Fachklinik Satteldüne war, sondern auch den alljährlichen Mukoviszidose-Lauf zeitgleich initiierte, freute sich zusammen mit dem jetzigen ärztlichen Direktor Dr. med. Christian Falkenberg der Fachklinik Satteldüne und Vertreter für die DRV-Nord, den diesjährigen Ärztekongress zum 12. Mal zu eröffnen.

Für vier Tage reisten 37 Kinderlungenärzte aus Deutschland, der Schweiz und Österreich zur “Summerschool Pädiatrische Pneumologie” an und waren von 9.00 Uhr morgens bis zum späten Nachmittag um 17.30 Uhr “Auge und Ohr”- galt es doch viel Neues zu erfahren, sich auszutauschen und zu lernen. Die Themen dieser, in Deutschland in diesem Rahmen einzigartigen Form der ärztlichen Fortbildung, sind sehr vielschichtig und werden, wie bereits auch in den vorangegangenen Jahren von der Ärztekammer Schleswig-Holstein mit sensationellen 40 Fortbildungspunkten honoriert.

Das Programm der 12. Summer School erforderte einen eng und straff gestrickten Zeitplan und war gefüllt mit vielen Themen. Dennoch lebt diese Tagung jenseits ihres engen zeitlichen Korsetts von der intensiven Diskussion, dem Austausch und der Reflektion. Viele der Teilnehmer stellten selbst Fälle vor, und berichteten von ihren Erfahrungen. Die Referenten waren prominente Mitglieder der Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie wie Prof. Dr. Matthias Kopp vom Universitätsklinikum Lübeck und gegenwärtiger Vorsitzende der Gesellschaft “Pädiatrische Pneumologie”, Prof. Dr. Phillipp Latzin der Universitäts-Kinderklinik Inselspital in Bern, ferner die Oberärzte renommierter Universitätskliniken wie Dr. Nicolas Schwerk der Pädiatrischen Pneumologie der MH Hannover, und Dr. Andreas Jung vom Universitäts- Kinderspital in Zürich, sowie die Ärztlichen Leiter wichtiger Rehakliniken: Dr. Thomas Spindler der Hochgebirgsklinik in Davos, Dr. Benjamin Grolle der das Beatmungszentrum „Lufthafen“ der Altonaer Kinderklinik in Hamburg führt und Frau Prof. Dr. Christine S. Falk, die ein großes immunologisches Institut an der Universität Hannover leitet.

Schwerpunkte dieser Intensiv-Fortbildung lagen diesmal besonders auf Themen, die 2018 stark in den Focus gerückt sind, und bisher nicht die ihnen zustehende Beachtung erfahren haben. Dies betrifft unter anderem die Frage von vorgetäuschten Lungenerkrankungen, wie beispielsweise dem Morbus- Muenchhausen. Hier geht es um das Erkennen und Kennen der Definition, das Einordnen von Anzeichen und Hinweisen um sinnvolle diagnostische Schritte und Interventionen einzuleiten, sowie das Kennen der Rechtsgrundlagen und deren praktische Umsetzung.

Gruppenbild am Dünenrand …

Desweiteren wurde das Thema der geschlechtsspezifischen Unterschiede von kindlichen Lungenerkrankungen behandelt. Beispielsweise die Frage, warum Jungen unter 10 Jahren doppelt so häufig an Asthma erkranken wie Mädchen. Thematisiert wurden außerdem Fragen wie die außerklinische Beatmung, genetische Grundlagen seltener Lungenerkrankungen sowie die Rolle der Feinstaubemissionen für die kindliche Lunge und neue immunologische Methoden zur Diagnostik von Lungenerkrankungen. All diese Themen sind eine Mischung aus Hochleistungsmedizin und versorgungsrelevanten Fragen. Der ärztliche Direktor Dr. med. Christian Falkenberg referierte über die familienzentrierte Reha in der Fachklinik Satteldüne, und erklärte den Teilnehmern diese Form der Rehamaßnahme. “Im letzten Jahr von Juni 2017 bis Juli 2018 hatten wir insgesamt 36 FOR-Maßnahmen in der Fachklinik Satteldüne. Wir kamen mit CF-Patienten, den Begleitpersonen und Begleitkindern auf über 400 Personen im CF-Bereich für diesen Zeitraum. Familienorientierte Rehabilitation ermöglicht eine interdisziplinäre Schulung für die gesamte Familie, um diese im Umgang mit der Erkrankung Mukoviszidose optimal zu stützen. Dies geschieht mit einem eigens dafür entwickeltem Konzept auf der Grundlage der Salutogenese (Gesundheitsentstehung). Unser Team stärkt im Rehaprozess die Ressourcen der Patienten aber auch der Familie mit dem Ziel einer bestmöglichen Gesundheit”, berichtete Dr. med. Falkenberg den Teilnehmern. “Mittels eines Fragebogens konnten erste Einschätzungen über Verständnis, Umgang und Motivation zum Thema Mukoviszidose bei den Patienten und den Eltern erhoben werden. Eine weitere Untersuchung soll nunmehr Rehaeffekte aufzeigen. Für die Fachklinik Satteldüne bedeutet das FOR-Konzept ebenso wie das neue Konzept für multiresistente Keime, dass wir mit einer Historie seit 1983 nunmehr das komplette Spektrum der CF-Rehabilitation abbilden”, so Falkenberg abschließend.

Zusätzlich wurden auf der Tagung Neuheiten auf dem Gebieten Asthma bronchiale, der Lungenfunktion, der inhalativen Antibiotikatherapie, der Allergologie, die spezifische Immuntherapie bei allergischen Lungenerkrankungen und Diagnostik bei bakteriellen Bronchitiden, sowie der Therapie der zystischen Fibrose diskutiert.

Am Ende der viertägigen Intensivfortbildung gab es trotz des wieder sehr positiven Verlaufes dennoch einen Wermutstropfen. Paul-Buck teilte den Tagungsteilnehmern und Kollegen abschließend mit, dass er als Tagungsleiter und Organisator in Zukunft nicht mehr für die Summer School zur Verfügung stehen wird. “Es wird eine Schwerpunktverlagerung in meiner Arbeit in Berlin und meiner Familie geben, die diese Entscheidung notwendig macht”, so Paul-Buck. “Es ist immer ein hoher und sehr intensiver Zeitaufwand, die Summer School vorzubereiten. Trotz der vielen Arbeit ist es eine ehrenamtliche Aufgabe, die mir immer sehr viel Spaß und Freude gemacht hat. Und nach der Summer School hieß auch immer vor der Summer School. Die Planungen begannen für die nächste sofort im Anschluss”, so Paul-Buck weiter, dem die Summer School sehr am Herzen liegt und der sich sehr wünscht, dass diese auch in Zukunft in diesem Rahmen ihre Fortsetzung finden könnte. Das langjährige Team bestehend aus den Referenten Fr. Dr. Brinkmann, Prof. Dr. Latzin, Dr. Jung, Dr. Schwerk und dem Nachfolger als Tagungsleiter Prof. Kopp stehe in den Startlöchern für die Planung Summer School 2020.

Unterstützt wurde die Tagung wieder von zahlreichen Sponsoren, dem Förderverein Freunde der Pädiatrischen Pneumologie sowie den Praxen Paul-Buck in Berlin und Potsdam.
Die Planung und Durchführung der 12. Summer School durch die Fachklinik Satteldüne, besonders durch die Unterstützung durch Frau Marcia Schlichting war, wie in den vorherigen Jahren auch, mit einem reibungslosen Ablauf bestens organisiert.
“Ohne die Fachklinik Satteldüne der DRV Nord auf der Insel Amrum hätte die Tagung nie den inspirierenden Ort, die ehemalige Tuberkuloseliegehalle und jetzige Klinikschule gefunden”, so Paul-Buck in seinen Abschiedsworten an die Teilnehmer. “Diese haben übrigens in der Evaluation die Tagung mit der Bestnote beurteilt”, verriet Paul-Buck lächelnd am Ende unseres Gespräches. Auch der ärztliche Direktor der Fachklinik Satteldüne Dr. med. Falkenberg zeigte sich sichtlich zufrieden. “Die Summer School ist bundesweit eine der führenden Fortbildungen für die Pädiatrische Pneumologie. Sie ermöglicht Teilnehmern anders als bei vielen anderen Fortbildungen wechselnde hochaktuelle Themen in sehr langen, detaillierten und komplexen Vorträgen von Spezialisten sehr umfassend bis komplett nach aktuellem Stand der Wissenschaft bzw. Leitlinien präsentiert zu bekommen und zu diskutieren” resümierte Falkenberg.

Nach vier intensiven Tagen verabschiedeten sich alle Teilnehmer voneinander, und hoffen auf ein gemeinsames Wiedersehen und eine Fortsetzung der Summer School 2020 auf Amrum.

 

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Über Susanne Jensen

Susanne Jensen wurde 1965 in Hamburg geboren. In Appen bei Pinneberg aufgewachsen, kam sie nach der Erzieherausbildung 1985 auf die Nordseeinsel. Die Mutter von zwei heut erwachsenen Söhnen arbeitete anfangs einige Jahre in der Fachklinik Satteldüne und war dann von1992 bis 2016 als Erzieherin in den Kindergärten Wittdün und Nebel beschäftigt. Nun ist Susanne wieder tätig als Erzieherin in der Fachklinik Satteldüne.
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