Seenotretter 2019 für fast 3.400 Menschen auf Nord- und Ostsee im Einsatz …


Bo(o)tschafter-Wechsel im #TeamSeenotretter: Windsurf-Profi Bernd Flessner übergibt an Bord der HERMANN MARWEDE das Steuerruder symbolisch an seine Nachfolgerin Anke Harnack. Die beliebte Reporterin und Moderatorin übernimmt das Ehrenamt für das Jahr 2020. Foto: Die Seenotretter – DGzRS/Jörg Sarbach

Neue DGzRS-Bo(o)tschafterin ist Moderatorin und Reporterin Anke Harnack
Seenotrettungskreuzer HAMBURG wird 2020 vor Elbphilharmonie getauft

Auf Nord- und Ostsee sind die Seenotretter im Jahr 2019 insgesamt 2.140 Mal im Einsatz gewesen. Die Besatzungen der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) haben dabei fast 3.400 Menschen Hilfe geleistet. Allein mehr als 350 von ihnen wurden aus Seenot gerettet oder Gefahr befreit. Seit Gründung der DGzRS vor 155 Jahren zählt die Statistik der Seenotretter mehr als 85.000 Gerettete. Die Modernisierung der Rettungsflotte schreitet voran. 2020 wird nach 35 Jahren wieder ein Seenotrettungskreuzer auf den Namen HAMBURG getauft. Er ist für die Station Borkum vorgesehen. 

Neue Seenotretter-Bo(o)tschafterin ist die Frau, die Ende März 2019 die künftige HAMBURG auf Kiel gelegt hat: die beliebte Moderatorin und Reporterin Anke Harnack. Die Rüganerin ist einem breiten Publikum aus dem NDR-Hörfunk und -Fernsehen bekannt. „In Hamburg fühle ich mich sehr wohl. Jetzt kann ich aktiv mithelfen, dass eine neue Rettungseinheit den Namen der Stadt tragen wird. Das ist eine tolle Aufgabe, an der sich Hamburger und Hamburg-Freunde sicher sehr gern beteiligen. Ich freue mich sehr, dass ich in dem Jahr, in dem die HAMBURG getauft wird, DGzRS-Bo(o)tschafterin sein darf.“

Harnack übernahm das „Ruder“ am Dienstag, 14. Januar 2020, auf der Nordsee an Bord der HERMANN MARWEDE, des größten Seenotrettungskreuzers der DGzRS, von ihrem Vorgänger, dem Surfprofi Bernd Flessner. Der 16-fache Deutsche Meister im Windsurfen unterstützte das #TeamSeenotretter im vergangenen Jahr bei vielen öffentlichen Terminen. „Ich weiß, wie es ist, bei Sturm zu surfen. Aber mit einem Seenotrettungskreuzer bei jedem Wetter, bei Nacht oder im Nebel auszulaufen, um andere zu retten, ist eine ganz andere Nummer. Vor diesem freiwilligen Einsatz habe ich größten Respekt“, sagt Flessner.

An Bord der HERMANN MARWEDE gab die neue Bot(o)tschafterin Anke Harnack die Einsatzzahlen für das Jahr 2019 bekannt. Die rund 60 Seenotrettungskreuzer und -boote sind auf Nord- und Ostsee 2.140 Mal im Einsatz gewesen. Dabei haben sie 3.396 Menschen Hilfe geleistet. Allein 81 Menschen wurden aus Seenot gerettet und 270 weitere aus Gefahr befreit.

Anke Harnack ist bereits die 21. Prominente, die das Bo(o)tschafter-Ehrenamt der Seenotretter übernimmt. Die Reihe begann im Jahr 2000 mit Liedermacher Reinhard Mey.

 

Der Amrumer Rettungskreuzer Ernst Meier Hedde ist das Typschiff der 28 Meter Klasse. ©Oelers

Taufen und Indienststellungen 

Durchschnittlich 30 Jahre sind die Rettungseinheiten der DGzRS im harten Einsatz auf Nord- und Ostsee. Rein rechnerisch ergibt sich daraus der Bedarf, jährlich durchschnittlich zwei neue in Dienst zu stellen. Nach der Wiedervereinigung 1990 standen die Seenotretter vor einer historischen Aufgabe: Es galt, die veraltete Technik in Mecklenburg-Vorpommern schnell zu modernisieren. Dies gelang innerhalb von nur vier Jahren, nicht zuletzt dank großartiger Unterstützung der treuen Förderer der Seenotretter.

„Zweckgebundene Erbschaften haben uns in die Lage versetzt, für einige dieser Boote schon jetzt moderne Nachfolger zu bauen. Viele tragen die Namen ihrer Spender“, erläutert DGzRS-Geschäftsführer Nicolaus Stadeler.

2019 sind folgende Rettungseinheiten für Freiwilligen-Stationen getauft und in Dienst gestellt worden:

  • Seenotrettungsboot GERHARD ELSNER/Station Schilksee (10,1 Meter),
  • Seenotrettungsboot PETER HABIG/Station Wilhelmshaven (10,1 Meter),
  • Seenotrettungsboot MANFRED HESSDÖRFER/Station Breege (8,9 Meter),
  • Seenotrettungsboot WOLFGANG PAUL LORENZ/Station Horumersiel (10,1 Meter).

2020 erhalten die Freiwilligen-Stationen Puttgarden, Norddeich und Travemünde weitere neue 10,1-Meter-Seenotrettungsboote in bewährter Aluminium-Bauweise. Mehr als 30 Einheiten dieser Klasse sind dann im Einsatz. Die dritte Einheit einer neuen 8,9-Meter-Klasse soll 2020 auf der östlichsten DGzRS-Station Ueckermünde in Dienst gestellt werden. Das aus sehr robustem Polyethylen bestehende Vollkunststoffboot ist sehr flachgehend und bis zu 38 Knoten (ca. 70 km/h) schnell.

Auf Kiel gelegt hat die DGzRS Mitte Dezember 2019 erstmals ein eigenes Trainingsschiff. Das 22 Meter lange Schiff, das 2021 seinen Dienst aufnehmen soll, wird ausdrücklich keine Rettungseinheit, sondern ein konventioneller Verdränger mit Stahlrumpf. Mit ihm trainieren die Seenotretter künftig dezentral auf den Stationen an Nord- und Ostseeküste. Davon werden vor allem die mehr als 800 Freiwilligen der DGzRS profitieren, aber auch neue Kollegen unter den rund 180 Festangestellten sollen mit dieser Einheit für ihre Aufgaben qualifiziert werden.

 

Neuer Seenotrettungskreuzer HAMBURG – Wettbewerb um Namen des Tochterbootes 

Im Bau ist neben der HAMBURG ferner ein weiterer 28-Meter-Seenotrettungskreuzer mit Tochterboot, der zum Jahreswechsel 2020/2021 auf der Station Grömitz in Dienst gestellt werden soll. Eine dritte Einheit dieser Klasse – das dann insgesamt sechste Schiff der 2015 begonnenen Serie – ist in Auftrag gegeben.

Die für die westlichste DGzRS-Station bestimmte HAMBURG wird am 19. April 2020 im Traditionsschiffhafen an der Elbphilharmonie getauft. Damit würdigt die DGzRS die langjährige Verbundenheit der Hamburger mit den Seenotrettern. Rund 20.000 Hamburger unterstützen die DGzRS mit regelmäßigen Spenden, und knapp 900 Sammelschiffchen haben ihren „Liegeplatz“ in der Hansestadt an der Elbe.

„Viele Schiffe, die von und nach Hamburg unterwegs sind, kommen vor unserer Insel Borkum vorbei, einige werden auch auf unsere Hilfe angewiesen sein. Wir freuen uns auf unseren neuen Seenotrettungskreuzer mit dem besonderen Namen HAMBURG“, sagt Michael Haack, 2. Vormann der Station Borkum.

Bewusst macht die DGzRS eine Ausnahme von ihrer traditionellen Regel, den Namen nicht vor der Taufe zu verraten: Alle Einwohner, aber auch alle Liebhaber Hamburgs sind dazu aufgerufen, sich am „Spendemanöver: HAMBURG wird Seenotretter!“ zu beteiligen. Das geht am einfachsten über die Aktionswebsite spendemanöver.de. Auf dieser Seite können sich voraussichtlich ab Ende Februar auch alle Freunde und Förderer der Seenotretter registrieren, um mitzubestimmen, wie das Tochterboot der HAMBURG heißen wird. Sein Name soll in einem Wettbewerb unter den Hamburger Stadtteilen ermittelt werden.

 

Anflugübung vor Wittdün ©Oelers

Sicher auf See

Der beste Einsatz ist der, den die Seenotretter erst gar nicht zu fahren brauchen. Unter dem Präventionsmotto „Sicher auf See“ wendet sich die DGzRS verstärkt an Wassersportler – Segler, Motorbootfahrer, aber auch Trendsportler gleichermaßen. Die kostenlose Sicherheits-App SafeTrx der Seenotretter wurde seit ihrer Einführung vor drei Jahren insgesamt mehr als 20.000 Mal aus dem Apple AppStore und dem Google PlayStore heruntergeladen.

SafeTrx zeichnet über das Mobiltelefon die Route des Wassersportlers auf und ermöglicht der SEENOTLEITUNG BREMEN der DGzRS im Notfall den direkten Zugriff auf den aktuellen Standort. Mit Hilfe der App konnten bereits aufwendige Rettungsaktionen vermieden werden.

Alle Präventionsinformationen haben die Seenotretter auf ihrer speziellen Internetseite sicher-auf-see.de zusammengestellt.

 

Tag der Seenotretter

Spendern, Freunden und allen Interessierten bieten die Seenotretter auch 2020 wieder die Gelegenheit, sich vor Ort ein Bild von der Einsatzbereitschaft der Besatzungen und der Leistungsfähigkeit der Rettungseinheiten zu machen.

Der von der DGzRS ins Leben gerufene Tag der Seenotretter findet in diesem Jahr am Sonntag, 26. Juli 2020, auf vielen Stationen an Nord- und Ostsee statt.

 

Einsatzzahlen im Detail

 

Im Jahr 2019 haben die Besatzungen der rund 60 Seenotrettungskreuzer und -boote auf Nord- und Ostsee bei insgesamt 2.140 Einsätzen (2018: 2.156 Einsätze) 3.396 Menschen Hilfe geleistet. Im Einzelnen haben sie

 

  • 81 (38) Menschen aus Seenot gerettet,
    270 (318) Menschen aus drohender Gefahr befreit,
    373 (369) Mal erkrankte oder verletzte Menschen von Seeschiffen, Inseln oder Halligen
    zum Festland transportiert,
    54 (56) Schiffe und Boote vor dem Totalverlust bewahrt,
    1.014 (1.012) Hilfeleistungen für Wasserfahrzeuge aller Art erbracht sowie
    606 (613) Einsatzanläufe und Sicherungsfahrten absolviert.

 

In vielen Fällen griffen die Seenotretter frühzeitig ein und begrenzten so Schäden bereits im Vorfeld. Zudem sind sie 2.712 Mal in ihren Revieren zwischen Borkum im Westen und Ueckermünde im Osten auf Kontrollfahrt gegangen. Darüber hinaus war die SEENOTLEITUNG BREMEN (Maritime Rescue Co-ordination Centre, MRCC BREMEN) in 209 Seenotfällen international im Interesse der deutschen Schifffahrt unterstützend oder initiativ tätig.

Seit ihrer Gründung am 29. Mai 1865 hat die DGzRS bis Ende 2019 insgesamt 85.234 Menschen aus Seenot gerettet oder Gefahrensituationen auf See befreit.

 

Die Einsatzzahlen verteilen sich auf die einzelnen Küsten wie folgt:

Niedersächsische Nordseeküste
Die Besatzungen der an der niedersächsischen Küste stationierten Seenotrettungskreuzer und -boote haben bei 649 (629) Einsätzen 893 Menschen geholfen. Davon wurden 26 (7) Menschen aus Seenot gerettet und 76 (46) weitere aus Gefahrensituationen befreit.

Schleswig-Holsteinische Nordseeküste
Die Seenotretter der Stationen an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste waren 212 (227) Mal im Einsatz und halfen 320 Menschen. Davon wurden 3 (9) Menschen aus Seenot gerettet und 33 (9) weitere aus Gefahrensituationen befreit.

Schleswig-Holsteinische Ostseeküste
An der Ostseeküste Schleswig-Holsteins waren die Seenotretter 756 (749) Mal im Einsatz für 1.118 Menschen. Sie retteten 29 (18) Menschen aus Seenot und befreiten weitere 59 (123) aus Gefahrensituationen.

Mecklenburg-Vorpommersche Ostseeküste
In Mecklenburg-Vorpommern waren die Seenotretter zu 523 (551) Einsatzfahrten für 1.065 Menschen unterwegs. Sie retteten 23 (4) Menschen aus Seenot und befreiten weitere 102 (140) aus Gefahrensituationen.

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