Ein neues Hühnerhotel auf dem Hof Martinen in Süddorf …


Das neue Hotel …

Ja wirklich, ein Hotel – mit frischem, fließenden Wasser, einem täglich gut portioniertem Selbstbedienungsbuffett, regelmäßiger Reinigung sowie Zimmerservice und Strom gibt`s natürlich auch! Landwirt Oke Martinen überließ hier nichts dem Zufall, denn er hat die Anschaffung des neuen Hühnerhotels der Firma Steiner aus Österreich, welches richtig natürlich Hühnermobil heißt, gut geplant und durchdacht. Bei einer Ortsbegehung hat Amrum-News dem jungen Landwirt aus Süddorf auf Amrum viele Fragen rund um das neue Mobil gestellt.

A-N: 
Das alte Hühnermobil war erst zwei Jahre bei Euch im Betrieb. Warum gab es jetzt ein soviel größeres und neues Mobil?  
Oke Martinen: 
Die Idee ist entstanden, weil wir einfach mehr Eier brauchten, denn die vorhandene Menge war morgens im Hofladen immer zu schnell ausverkauft. Wir überlegten anfangs ein zweites Mobil dazuzukaufen. Da hätten wir aber die doppelte Arbeit gehabt, und so haben wir uns für ein Größeres mit der gleichen Arbeit, aber für mehr Hühner entschieden. Im Vergleich hatten wir vorher 240 Tiere im kleinen Mobil, welches nun nach Bayern gezogen ist. Das neue Mobil ist stolze 16,5 Meter lang, 3,20 Meter im Innenmaß breit, 3,65 Meter hoch und bietet nun Platz für 650 Hühner, es ist also eine dreifache Steigerung.
A-N: 
Wieviel Eier legt denn Huhn eigentlich pro Woche?
Oke Martinen:  
Man kann sagen, dass ein Huhn gut 5 Eier die Woche legt. Zur Zeit bauen die Hühner jetzt keine Nester, weil sie noch keine Einstreu bekommen, in denen sie ihre Nester bauen können. Der Boden bleibt somit erstmal blank, das ist für die Hühner ungemütlich dort Eier zu legen. Wenn sie in zwei Wochen alle begriffen haben wo die Nester sind, und da dann auch vernünftig reingehen, dann wird angefangen einzustreuen.
A-N:
Jedes Huhn hat also später seinen festen Platz, und das weiß es auch?
Oke Martinen:  
Die Nester finden die Hühner dadurch, dass das ganze Mobil hell ist, aber die Nester dunkel bleiben. So locken wir sie da hin, und die Hühner gehen tatsächlich, das haben wir im alten Mobil immer gesehen, jeden Morgen in dasselbe Nest. Man erkannte es daran, dass in dem einen Nest kontinuierlich die Eieranzahl höher war als in einem anderen.
A-N:
Dürfen die Hühner denn auch in zwei Wochen nach draußen, wenn sie wissen wo ihre Nester sind?
Oke Martinen: 
Nach draußen dürfen sie jetzt noch nicht. Aber sie haben auf dem Fußboden vom Mobil wird dann Stroh verteilt, wo sie spielen können und Körner suchen, und das beginnt in zwei Wochen. Sobald sie hinaus dürfen, lassen wir sie natürlich auch raus. Das hängt davon ab, wann offiziell die Erlaubnis dafür gegeben wird, wegen der Vogelgrippe.

 

A-N:
Da freuen sich ja alle Hühner auf hoffentlich baldigen Freilauf auf der ganzen Weide?
Oke Martinen: 
Ja, die Hühner werden eingezäunt und jedes bekommt 4qm². Dann wird das Mobil, deswegen haben wir mehrere Stationen mit Strom und Wasser installiert, immer wieder umgesetzt. Da die Hühner ja nun mal alles vollkoten und ziemlich viel Erdboden umreißen ist der Boden fast schwarz, wenn sie eine Woche darauf waren. Deswegen wandert das Mobil immer weiter. Es ist ein Kreislauf, so dass sich der Weideboden immer wieder erholen kann, fast wie bei einer Drei-Felder-Wirtschaft.
A-N:
Wenn die Hühner nach draußen dürfen, wie kann ich mir den Ablauf als Laie vorstellen? Lernen sie tatsächlich, wann sie hinaus können, bzw. wann sie wieder abends hinein müssen?
Oke Martinen: 
Ja, das macht alles das Mobil. Punkt 10 Uhr morgens gehen die Klappen auf. Das ist auch gesetzlich vorgeschrieben, dass die Tiere ab 10 Uhr Weidegang haben müssen, damit das Ei auch “Freilandei” heißen darf. Eine Stunde nach Sonnenuntergang fahren die Klappen wieder zu, da kommt die Lichtgeschichte ins Spiel. Im Mobil geht automatisch gesteuert abends das Licht an, die Hühner laufen wegen dem Licht ins Mobil und wenn es draußen dunkel ist dann hält sich da keines mehr auf der Weide auf. Eine Stunde später fährt die Klappe zu, dann sind alle Hühner zu Hause und keines wird draußen vergessen!
Durch die Beleuchtung steuert man den Tag/Nachtrhythmus. Im Mobil kann man jetzt zum Beispiel einen Sonnenauf- oder untergang simulieren und die Helligkeit per Dimmer einstellen. Wichtig ist, dass das Huhn morgens zu einer bestimmten Zeit anfängt zu arbeiten, denn Hühner legen ja morgens ihre Eier. Desto früher wir den Termin ziehen, desto früher können wir die Eier aus dem Mobil holen. Wichtig ist aber auch das der Tag nicht zu lang wird, denn wenn die Tiere nachher einen 19 Stundentag hätten kommen sie nicht zur Ruhe. Erholungspausen sind enorm wichtig. Bei uns fängt der Tag um 6.30 Uhr an und endet um 19.00 Uhr. Das wird nachher auf 5.30 Uhr vorgelegt. Wenn die Hühner größer und älter sind dann endet der Tag normal, weil sie dann mit der Dämmerung reingehen.
A-N: 
Es sind ja auch einige Hähne im Mobil, aus welchem Grund?
Oke Martinen: 
In der der Biolandhaltung sind Hähne im Hühnermobil zur Haltung vorgeschrieben, bei uns jetzt rein theoretisch nicht. Wir machen das, weil es für das Sozialverhalten gut sein soll. Insgesamt sind sieben Hähne im Hühnermobil mit untergebracht.
A-N: 
650 Hühner in einem Hühnermobil – fällt das nicht unter Massentierhaltung?
Oke Martinen:  
Jeder hält eine Masse. Jeder, der zwei Meerschweinchen hat, hält eine Masse an Tieren. Zwei Meerschweinchen kannst du im Käfig halten, für 200 brauchst du eine Garage und wenn du 2000 Meerschweinchen haben willst, brauchst du einen ganzen Stall. Und so ist das mit den Hühnern nichts anderes. Das Mobil ist jetzt dreimal so groß wie das vorherige, und deswegen passen auch dreifach soviel Hühner hinein.
A-N: 
Eine Frage zur “Zimmerreinigung”- der Hühnermist wird auch automatisch entsorgt?
Oke Martinen:  
Richtig. Es laufen Kotbänder durch das ganze Mobil. Die Tiere koten sozusagen auf ein Förderband, und dieses kann ich dann elektrisch herausfahren. So brauche ich nur mit dem Trecker darunter fahren, fange den Kot dann auf und fahre ihn ab.
A-N: 
Die Hühner legen ja ihre Eier in den Nestern ab – wie sammelt Ihr denn aber täglich hunderte von Eiern ein? 
Oke Martinen:  
Die Nester sind ebenfalls mit Automatik ausgestattet. Sie haben einen leicht schrägen Fußboden, so dass die Eier nach unten wegrollen. Der Clou an der Geschichte: wir brauchen dann nur noch auf einen Knopf drücken und die Eier kommen auf einem Förderband herausgefahren. Das ist eine große Arbeitserleichterung, denn nun müssen wir sie nur noch auf den Eierpappen verteilen.
A-N: 
Wie läuft es mit der Wasser und Futterversorgung – werden auch diese durch die hochmoderne Technik des Mobils gesteuert?
Oke Martinen:  
Wasser ist für die Hühner permanent vorhanden, dafür haben wir feste Stationen mit Strom- und Wasseranschluss gebaut. Es gibt diese Stationen auch in autark mit Solarplatten und Wassertank, aber mit dem Tank hatten wir etwas Angst wegen eventueller Bildung von Kolibakterien, weil der Tank sich ja in der Sonne aufheizt. Fließend Wasser ist einfach schöner, und deswegen haben wir dann auch gleich Strom mit hingelegt, um die Solaranlage zu sparen. Das Futter muss einmal pro Woche nachgefüllt werden wie bei dem alten Mobil auch, nur dass das nun auch elektrisch funktioniert und nicht mehr mit Eimern geschleppt werden muss. Über den Futterturm wird es in die Futterketten geleitet, die beginnen dann zu laufen und transportieren das Futter komplett in der Runde, so dass alle Hühner gleichzeitig überall fressen können.
A-N:
Das ganze Technikwunderwerk ist durch eine App mit deinem Telefon und Dir verbunden. Das heißt es kann sein, das Du nachts schon mal “Feuerwehr” spielen musst für deine Hühner?
Oke Martinen: 
Richtig. Wenn im Mobil z.B die Temperatur fällt, oder wenn eine Futterkette nicht läuft, wenn die Nester nicht aufgehen oder Sonstiges, dann bekomme ich eine Nachricht auf mein Handy und dann muss ich hinfahren und das regeln.
A-N: 
Werden die Eier auch außerhalb des Hofladens verkauft?
Oke Martinen: 
Ja, wir verkaufen sie über die EDEKA- Märkte in Nebel und in Wittdün, natürlich nur wenn wir genügend haben. Einen Teil verarbeiten wir auch selbst zu Nudeln und unserem Hennenschnack-Likör, beide Produkte kann man in unserem Hofladen kaufen.
A-N:
Der Transport des Hühnermobils nach Amrum war eine logistische Herausforderung auf der Fähre? 
Oke Martinen: 
Ja, es hat mal eben so gerade gepasst auf dem Autodeck, aber Gott sei Dank ging alles gut. Ansonsten lief die gesamte Überführung von Österreich nach Amrum glatt. Auch der NDR war mit von der Partie, der uns in diesem Jahr hindurch auch wieder für eine größere Reportage über unseren Hof begleiten wird. Das Wetter war allerdings richtig mies an dem Tag. Wir haben später die Achsen umgebaut weil noch andere Transportachsen drauf waren. Nachdem alle weiteren Vorbereitungen für den Start abgeschlossen waren, stand schon am nächsten Tag der Transporter mit den Hühnern vor der Tür. Das ging Schlag auf Schlag. Wir hatten zwar sehr wenig Schlaf aber alles lief durchgetaktet und gut.
A-N: 
Eine große Investition- wie fällt Dein bisheriges Resümee aus?
Oke Martinen: 
Ja, es hat ne Stange Geld gekostet, aber das ist nun mal die Sache – hätten wir ein zweites, kleineres Mobil dazugenommen, dann hätten wir jemanden Geld für die Arbeitskraft geben müssen. So können wir das selber bewerkstelligen. Das ist natürlich auch schöner in der Tierhaltung, denn mein Vater und ich wir sind gelernte Landwirte und sind selber dicht am Tier dran. Sobald man so ein Mobil aus der Hand gibt oder diese Arbeit aus der Hand gibt, gibt man auch das Tier aus der Hand. Und da ist es natürlich wichtig, dass man die Arbeitsabläufe ein bisschen automatisiert. Das Eier abnehmen und das Füttern können ruhig Maschinen machen, aber man selbst kann sich auf das Tier fokussieren. Das ist das Wichtigste daran und das ist das Geld dann halt wert, dass man das Tier gut unter Kontrolle hat.
Alles in allem bin ich mit dem neuen Hühnermobil unheimlich zufrieden sowie auch mit der Firma. Ein super Service, ich fühl mich echt gut aufgehoben und beraten. Mein Fazit: Ich find`s gut, die Hühner finden`s gut – zwar hoch verschuldet aber total glücklich.

Amrum-News sagt vielen Dank für das tolle Gespräch, Oke! 🙂

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Über Susanne Jensen

Susanne Jensen wurde 1965 in Hamburg geboren. In Appen bei Pinneberg aufgewachsen, kam sie nach der Erzieherausbildung 1985 auf die Nordseeinsel. Die Mutter von zwei heut erwachsenen Söhnen arbeitete anfangs einige Jahre in der Fachklinik Satteldüne und war dann von1992 bis 2016 als Erzieherin in den Kindergärten Wittdün und Nebel beschäftigt. Nun ist Susanne wieder tätig als Erzieherin in der Fachklinik Satteldüne.

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2 comments

  1. Na, die Innenaufnahme überzeugt mich aber nicht. So viele Tiere so eng, selbst wenn es nur für die Nacht ist, finde ich wenig tierfreundlich.
    Udo Lahm

  2. Sehe ich genauso, und für mich versucht Oke Martinen hier ganz klar, etwas, was nicht schön ist, schön zu reden. 650 Tiere sind klar Massentierhaltung, und es mit der Haltung von zwei Meerschweinchen zu vergleichen ist albern, aber das weiß er ja selbst. Aber auch viel Unrichtiges: “Hühner legen ihre Eier morgens”… Wir haben schon viele Jahre Hühner, und die legen höchst unterschiedlich, einige morgens, andere am Nachmittag. Wahr ist, dass Hühner legen, wenn sie einige Zeit umhergegangen sind und gefressen haben. Wenn man sie nun nicht rauslässt, um halb sechs das Licht anknipst und früh füttert, kann man es sicher so steuern, dass sie morgens legen, vor allem auch weil die Tiere sich langweilen und sonst nix zu tun haben, mit der Natur des Huhns hat das aber nichts zu tun. Auch dass eine große Anlage “besser” sei als zwei kleine ist ein Schönreden, sie ist nur lukrativer, zumindest solange alles gut läuft. Zum einen ist es bei Krankheiten (Zugvögel!) sicher günstiger zwei Populationen zu haben. Zum anderen ist auch die Argumentation Quatsch, dass jemand “fremdes” eingestellt werden müsste und so sei es besser, denn so seien Vater und Sohn “eng am Tier”. Der Ausdruck ist doch der reine Hohn, wenn im nächsten Satz beschrieben wird, dass alles automatisch geregelt ist… Aber es spart Personalkosten. Ich bin nicht der Meinung, dass auf Amrum alles immer “idyllisch” sein müsse und rede keiner unrealistischen Romantik das Wort, wenn ich-weiß-nicht-wie-viele Feriengäste ihr Frühstücksei erwarten. Aber es schön zu reden ist ein schlechter Anfang! Und wenn Vogelgrippe oder sonstwas auf die große Zahl der Tiere zukommt, gibt es ein Massenkeulen. Es ist “Masse” und die Anlage stellt eine Art der “Industrialisierung” der Geflügelhaltung dar. Das klingt nicht gut, entspricht aber der Sachlage.

    Bettina Sattler-Holzky

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