“Ekke Nekkepenn” seit 1967 auf Amrum und vor 50 Jahren unter dramatischen Umständen abgebrannt …


Es hätte viel schlimmer kommen können …
1925 vernichtete ein Großbrand in Norddorf zehn Häuser. Es war der Nachmittag des 17. August als das reetgedeckte Ambronenhaus, infolge von Unachtsamkeit des Küchenpersonals, am westlichen Ortsrand von Norddorf in Flammen stand. Ein kräftiger Wind aus Westen ließ einen Funkenflug über den historischen Ortskern niedergehen. Die damalige Feuerwehr war zu dieser Zeit – im Vergleich zu heute – karg ausgerüstet und es mangelte an Löschwasser. Viele Häuser in der Nachbarschaft des Ambronenhauses waren ebenfalls mit Reet eingedeckt und 10 Häuser fielen dem Großbrand zum Opfer. Die Häuser wurden, leider nicht alle mit Reet, wieder aufgebaut, sie waren alle gut versichert.
Vom Promi-Restaurant blieben nur Schutt und Asche
Ekke Nekkepenn – Wohnhaus Anno dazumal

Ein schmuckes altes Reetdachhaus stand einst am Waasterstigh in Nebel, in diesem Haus befand sich das Restaurant “Ekke Nekkepenn”. Eigentümer und Betreiber waren Thea und Heinrich „Heinz“ Andresen.

Oma „Retje“ Henriette Henningsen hatte das Haus ihrer Enkelin Thea überlassen. Der Vertrag wurde am 14. November 1947 mit angereistem Notar in Quedens Gasthof unterzeichnet. Fast zwei Jahrzehnte wurde es als Wohnhaus genutzt, dann im Oktober 1966 wurde angebaut und zum Sommer 1967 eröffnete das Restaurant “Ekke Nekkepenn”.
Ein Restaurant indem die Inselprominenz verkehren sollte, so stellte es sich jedenfalls Heinrich „Hein Neck“ vor. Kehrten doch bereits die „Wahlamrumer“ und guten Freunde bei Ihnen ein, dass waren unter anderem Schauspieler Peer Schmidt, Opernsänger Hermann Prey, (beide hatten in den 1950ern ein altes Friesenhaus in Nebel erworben) und Schauspieler Hansjörg Felmy und auch der Maler Professor Hans Jaenisch (beide bauten Anfang der 70er Jahre ein Haus unter Reet in Nebel), zählten zu den Freunden des Hauses Andresen.
Prominent war auch der Besuch am Unglücksabend, die Thea und Heinz Andresen spielten mit Hermann und Barbara Prey zusammen Skat, als sie Brandgeruch und Rauch bemerkten. Zu spät, es stand bereits alles in Flammen und so konnten sie nur noch auf die alarmierte Feuerwehr warten.
In geselliger Runde… v.l. Heinz Andresen, Hans Jaenisch, Hansjörg Felmy , Peer Schmidt mit Damen.

In der Nacht zum 31. März 1971, heulten schon wieder die Alarmsirenen auf der gesamten Insel. Erst vor gut zehn Wochen hatte es auf der Insel ein Großfeuer gegeben, das Hotel „Bellevue“ in Wittdün war bis auf die Grundmauern niedergebrannt (wir berichteten). Hier war es ein Blitzeinschlag mit Folgeschäden, so Angehörige der damaligen Betreiber.

Inmitten des historischen Ortskern von Nebel stand nun eines der ältesten historischen Friesenhäuser, aus dem Jahre 1735, in Flammen. Schnell verbreitete sich die Meldung: “Ekke Nekkepenn” brennt. Umgeben von alten reetgedeckten Friesenhäusern – allerhöchste Brandgefahr für den Ort!
Alle Inselwehren waren im Einsatz und gaben alles zur Rettung der umliegenden Häuser, immerhin gab es da schon ein Tanklöschfahrzeug auf Amrum. An diesen Abend kam der Wind aus östlicher Richtung – welch ein Glück. Die Funken flogen über ein leeres Feld, allerdings in Richtung des reetgedeckten neuen Pastorates im Prästerstigh. Das Haus wurde mit Planen abgedeckt und so vor dem Funkenflug geschützt.
Ekke Nekkepenn am 31.03.1971

Auch das direkt nördlich sehr nah angrenzende Reetdachhaus, das heutige Restaurant „Preesters Hüs“, musste besonders geschützt werden. Ein Übergreifen auf weitere nahestehende Reetdachhäuser konnte verhindert werden.

Das “Ekke Nekkepenn” war allerdings nicht mehr zu retten und so ließ es die Feuerwehr „kontrolliert“ niederbrennen. Brandgeruch lag bei Tagesanbruch noch in der Luft, das schöne Haus lag in Schutt und Asche, die Schornsteine ragten einsam Empor. Viel konnte aus dem Haus nicht gerettet werden.
Richtfest 1971

Nebel hatte Glück, weil zum einen der Wind nicht zu stark blies und aus der richtigen Richtung kam und weil die freiwilligen Feuerwehren alles Menschenmögliche taten um ein Großfeuer zu verhindern .

Eine große deutsche Tageszeitung titelte (etwas voreilig): „Jetzt zittert man auf Amrum vor dem Sylter Feuerteufel“. Im Artikel – der 10 Tage nach dem Brand erschien – stand, das Brandermittler festgestellt hätten, dass hier wieder ein Brandstifter am Werk war. Auch Heinz Andresen wurde darin zitiert: „Der Feuerteufel hat auf unserer Nachbarinsel offenbar Angst bekommen und sucht sich jetzt auf Amrum seine Objekte aus.“
Ekke Nekkepenn 2021

Als Brandursache des “Ekke Nekkepenn” wurde nach Abschluss der Untersuchungen ein Kabelbrand in der alten Verkabelung festgestellt. Die Brandkasse übernahm den Schaden und nun konnte zügig mit den Planungen eines Neubeginns und dem Wiederaufbau begonnen werden, bereits im Spätsommer 1971 fand das Richtfest statt. Damit war für die Familie Heinz Andresen die Zeit der „Notunterkunft“ im Hause ihres Freundes, Schauspieler Peer Schmidt, abzusehen.

Anstelle des schmucken reetgedeckten Friesenhauses steht jetzt dort ein großer Neubau mit Schieferdach. Ein Reetdach wurde vom Kreisbauamt wegen der nahen Nachbarschaft zu den umliegenden Reetdachhäusern nicht genehmigt.
Thea und Heinrich führten das zu Weihnachten 1971 neu eröffnete Restaurant “Ekke Nekkepenn” bis 1976. Dann erfolgte die Übergabe an Tochter Annegret und Schwiegersohn Gerd Lutz, sie führten das Restaurant bis Ende 1989 weiter. Von 1990 bis 1998 war das Restaurant verpachtet und da die Pächter sich übernommen hatten musste die Familie Lutz das “Ekke Nekkepenn” wieder übernehmen. Sie bauten es dann zum Hotel garni um. Nach dem frühen Tod von Annegret im Jahre 2005 stand das “Ekke Nekkepenn” zum Verkauf. 2007 erfolgte dann der Besitzerwechsel, seither werden die Gäste im Frühstückshotel “Ekke Nekkepenn” in Nebel auf Amrum von Christina Breuer und Dirk Dümmel persönlich verwöhnt.
Handschriftlich korrigierte Speisekarte aus alten Zeiten …

Für die Unterstützung zu diesem Artikes herzlichen Dank an die Familie Lutz.

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Über Gerd Arnold

Gerd Arnold ist ein „echter“ Nordfriese, 1957 in Nebel auf Amrum geboren und der friesischen Sprache (öömrang) mächtig. Nach dem Schulabschluss erlernte er in Wittdün den Beruf des Elektroinstallateurs. 1976 zog es ihn nach “Deutschland”, Wohnorte waren u.a. Wuppertal, Owschlag, Koblenz und Pinneberg. 33 Jahre war er bei der Bundeswehr, u.a. als Flugzeugelektriker und Ladungsmeister auf der Transall C-160. Ende Oktober 2010 – ging es altersbedingt – in den Ruhestand. Als Hobby ist da zum einen das Angeln, seit 40 Jahren ist er im Amrumer Angelverein aktives Mitglied und zum anderen der Handball, da allerdings nur passiv bei den Damen der HG Owschlag-Kropp-Tetenhusen als Hallensprecher in der 3.Liga Nord. Von 1980-1995 und seit 2005 ist Gerd in Owschlag beheimatet, sein zuhause ist aber immer Amrum geblieben. Gerne würde er dauerhaft auf die Insel zurück, es fehlt bisher aber noch ein passendes Wohnungsangebot.

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