100 Jahre Norddorf: Ein Dorf feiert seine Eigenständigkeit …

Vor einem Jahrhundert wurde Norddorf eine eigene Gemeinde.
Mit Festakt, Musik und Erinnerungen blickte das Dorf nun auf 100 bewegte Jahre zurück.
Doch die Geschichte der Selbstständigkeit begann in schwierigen Zeiten.

100 Jahre Gemeinde Norddorf (Bild Mathias Hölck)

Ein Fest für alle – Norddorf feiert gemeinsam

Es war am 22. September 1925, als sich die Gemeindevertretung Amrum mit der Verselbstständigung der Ortschaft Norddorf einverstanden erklärte. Seitdem ist Norddorf eine der drei autarken Gemeinden auf Amrum.

Nun jährte sich dieses Ereignis zum 100. Mal – Grund genug, das gebührend zu feiern. Die Jubiläumsfeier „100 Jahre Gemeinde Norddorf“ fand vor vielen Besuchern rund um und im Gemeindehaus Norddorf statt. Nicht nur Norddorfer, auch viele Bürgerinnen und Bürger der anderen Amrumer Gemeinden sowie zahlreiche Gäste der Insel erlebten ein buntes Programm.

Vollbesetzter Saal bei der 100 Jahrfeier (Bild Mathias Hölck)

Musik, Tanz und Erinnerungen im Gemeindehaus und eine großzügige Spende

Nach einer Ansprache und Begrüßung durch Bürgermeister Christoph Decker erfreute die Amrumer Blaskapelle die Gäste. Auch die Tänze der Amrumer Trachtengruppe fanden großen Anklang. Der Erlös der Spendenaktion kam der Norddorfer Feuerwehr zugute, die vor dem Gemeindehaus mit Getränken und Bratwurst für Stärkung sorgte. Für die jüngsten Teilnehmer gab es eine Hüpfburg, die Amrum Touristik lockte mit Kinderprogramm, und auch der Öömrang Ferian war mit einem Infostand vertreten.

Im Saal wurden alte, überwiegend in Privatbesitz befindliche Filme aus Norddorf gezeigt. Interviews mit jüngeren Norddorfern sowie den ehemaligen Bürgermeistern Volkert Peters und Peter Koßmann rundeten das Programm ab. Mit dem aktuellen Bürgermeister haben in den letzten 100 Jahren insgesamt 14 Bürgermeister die Geschicke der Gemeinde gelenkt.

Die Kuchenfrauen Netti Boyens, Andrea Reinartz , Maren Gerrets-Blome, Valérie Quedens, Anke Quedens-Herber, Sibylle Franz (Bild Mathias Hölck)

Alle Besucher und Organisatoren zeigten sich begeistert. Ein großes Lob erhielten die Servicedamen am reichhaltigen Kuchen- und Snackbuffet: Sie erwirtschafteten mit Kaffee, Tee und vielen Leckereien stolze 1200 Euro. Der Betrag wurde an den Förderverein zur Unterstützung der Altenpflege auf Amrum gespendet – hierzu ein herzliches Dankeschön im Namen aller pflegebedürftigen Amrumerinnen und Amrumern.

1925: Ein ereignisreiches Jahr für Norddorf

Das Jahr 1925 war ein äußerst turbulentes Jahr für Norddorf. Nur einen Monat vor der Verselbstständigung vernichtete ein Großbrand, ausgelöst durch das brennende Reetdach des „Ambronenhauses“ der Seehospize, elf Gebäude – fast die Hälfte des Dorfes.

Scheckübergabe an den Förderverein v.l.: Sibylle Franz, Chris Johannsen, Maren Gerrets-Blome, Nicole Hesse (Bild Peter Totzauer)

Wie wichtig eine gute Dorfgemeinschaft ist, zeigte sich damals eindrucksvoll: Mit Spendenaktionen, Versicherungsleistungen, Staatshilfe und vor allem Dank der Eigenhilfe der Bevölkerung gelang es bereits zur Saison 1926 neue Gebäude, die den Charakter des Friesendorfes bewahrten, zu errichten. Sicher können auch heute noch Veranstaltungen wie diese 100-Jahrfeier zur Festigung einer funktionieren Dorf- und Inselgemeinschaft beitragen.

Die Hauptgründe für Norddorfs Drang nach Selbstständigkeit waren wirtschaftlicher Natur. Bis zum Ende der Zugehörigkeit zum Königreich Dänemark im Jahr 1864 war Norddorf bereits eine selbstständige Gemeinde, während die südliche Hälfte der Insel mit Süddorf und Steenodde zu Nebel gehörte. Ab 1890 entstanden in Wittdün, damals als „Kolonie“ bezeichnet, die ersten Badehotels, gleichzeitig gründete Pastor Friedrich von Bodelschwingh in Norddorf die Seehospize. Rasch entwickelte sich im Süden wie im Norden der Insel eine florierende Bäderkultur, die beiden Orten hohe Einnahmen bescherte. Mit ihrer wachsenden Steuerkraft wollten sich dann Wittdün und Norddorf nicht länger vom „Bauerndorf“ Nebel regieren lassen und strebten in die Selbstständigkeit. Wittdün erreichte diese bereits 1912 – Norddorf folgte 1925.

Über Peter Totzauer

Dr. med. Peter Totzauer, Facharzt für Allgemeinmedizin, Facharzt für Anästhesie, Notfallmedizin, Spezielle Schmerztherapie, geb. 1954 in Fürth/Bay., hat, bedingt durch den Beruf des Vaters, als Kind u.a. 4 ½ Jahre in Frankreich gelebt. Abitur 1974 in Köln, Studium der Humanmedizin an der Universität Bonn. War seit 1982 ärztlich tätig, davon viele Jahre als Oberarzt in der Anästhesie und als Leitender Notarzt in Euskirchen. War 2007 für ein halbes Jahr im Rahmen einer „Auszeit“ vom Klinikalltag bei seiner Lebensgefährtin und mittlerweile Ehefrau Claudia auf Amrum. Dies hat ihm so gut gefallen, dass er seit Ende 2008 seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt ganz auf die Insel verlegt hat und hier seit 2010 mit in der „Praxis an der Mühle“ gearbeitet hat. In 2024 ist er endgültig in den ärztlichen Ruhestand getreten. Er hat zwei erwachsene Kinder, sein Sohn ist niedergelassener Physiotherapeut in Neuss, seine Tochter ist Lehrerin an der Öömrang Skuul.

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