Sonne, Sand und Sonden beim Seepraktikum 2021 …


Alle Mann an Bord …

Vor einigen Wochen war das Forschungsschiff „Ludwig Prandtl“ in den Gewässern um Amrum auf Tour (Amrum News berichtete).
Nun erreichte Amrum News ein Artikel der Studierenden des 6.Semesters (Bachelor of Science) Ozeanographie* der Uni Hamburg in den Sie Ihre Erfahrungen niedergeschrieben haben.
Quelle: https://www.ifm.uni-hamburg.de/blog/seepraktikum.html
* Das Seepraktikum ist Teil des Bachelorstudiums Geophysik/Ozeanographie. Die Studierenden lernen dabei, eine Messreise wissenschaftlich und logistisch vorzubereiten, ozeanographische Messungen durchzuführen, die gewonnenen Daten auszuwerten und die Ergebnisse in Vorträgen und in einem Bericht zu kommunizieren.

Das Seepraktikum ist für viele Studierende der Ozeanographie das interessanteste Modul im Bachelor. Da es wegen der Pandemie letztes Jahr abgesagt wurde, war die Vorfreude von den Studierenden des 6. Semesters umso größer, als fest stand, dass es Anfang Juni nach Amrum gehen sollte. In der Woche davor waren schon Studierende des 4. Semesters und des Masters dort gewesen, die von Kälte und Sturm berichteten. Die Studierenden des 6.Semesters hatten sich für den Campingplatz als Unterkunft entschieden und wurden etwas unruhig, aber als sie mit ihren Fahrrädern von der Fähre rollten, war von dem schlechten Wetter nichts mehr übrig.
Am nächsten Morgen begann dann das Seepraktikum. An Bord der „Ludwig Prandtl“ erwarteten sie ihre Dozenten, sowie die Crew am Anleger Steenodde, der im Osten der Insel liegt. Um das offene Wasser zu erreichen, muss eine Sandbank überquert werden, was nur bei einem hohen Wasserstand möglich ist. Daher war es notwendig, früh abzulegen. Am ersten Tag führte jedoch starker Nebel dazu, dass das Zeitfenster verpasst wurde und erst mit einer Verspätung von sieben Stunden losgefahren werden konnte.

In der Planung waren drei Routen rund um Amrum festgelegt, an denen die zeitlichen und räumlichen Veränderungen durch die Gezeiten untersucht werden sollten. Also fuhr man in den fünf Tagen des Praktikums in das Hörnumtief, das Schmaltief und das Rütergat. Ziel war es, in diesen Gebieten Temperatur, Salzgehalt und Strömungsgeschwindigkeit zu messen. Dazu gibt es unterschiedliche Instrumente, traditionell wie modern. Die Spanne reichte von der Pütz – einen Eimer, mit dem Wasser an Bord geholt wird – bis zur ADCP, das mit Schall die Strömungsgeschwindigkeiten unter dem Schiff misst. Das wichtigste Instrument war die CTD-Sonde, die bis zum Boden herunter gelassen werden kann und dabei Salzgehalt, Temperatur und Druck messen kann.
Zusätzlich waren Verankerungen an unterschiedlichen Positionen ausgebracht worden, die über die gesamten zwei Wochen des Seepraktikums Daten sammelten. Beim Herausholen dieser Verankerungen glänzten zwei der Studierenden mit filmreifen Würfen mit dem Enterhaken, zur Unterhaltung der versammelten Mannschaft. Auch sonst war die Atmosphäre an Bord sehr locker, wozu interessante Gespräche, sonnige Mittagspausen und Robben-Sichtungen ihren Teil beitrugen.
Dennoch war an Bord immer etwas zu tun. Neben den Messungen wurde Protokoll geschrieben, der Kurs korrigiert und erste Daten ausgewertet. Da das Schiff zu klein für 8 Studierende war, gab es immer auch eine Land-Crew, die die gemessenen Daten auswertete und die Fahrt für den nächsten Tag plante. Darüber hinaus war sie auch für das leibliche Wohl am Abend verantwortlich, wenn die hungrigen Seefahrer zurückkehrten. Ansonsten war Zeit zum Baden, zur Erkundung der Insel und vor allem zum genießen des Wetters, das sich mit Regen zurück hielt, bis sie am Sonntag braun gebrannt und voller Sand mit der Fähre in Richtung Festland fuhren.

Die Redaktion der Amrum News bedankt sich bei den Studenten und Dr. Martin Gade für diesen Artikel und die praxisnahen Fotos.

 

Fotos (Text=Dateiname):
Alle Mann an Bord. Laura Bogner
David beim Bergen einer Verankerung. Quentin Rauschenbach
Loana und Silvano an der Niskin-Flasche. Simon Schäfers
Ludwig Prandtl vor Wittdün. Gerd Arnold
Quentin und Viktoria bei der Windmessung. Simon Schäfers
Sebastian und Dustin beim Pützen. Martin Gade
Simon an der CTD-Sonde. Viktoria Nikolaus

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Über Gerd Arnold

Gerd Arnold ist ein „echter“ Nordfriese, 1957 in Nebel auf Amrum geboren und der friesischen Sprache (öömrang) mächtig. Nach dem Schulabschluss erlernte er in Wittdün den Beruf des Elektroinstallateurs. 1976 zog es ihn nach “Deutschland”, Wohnorte waren u.a. Wuppertal, Owschlag, Koblenz und Pinneberg. 33 Jahre war er bei der Bundeswehr, u.a. als Flugzeugelektriker und Ladungsmeister auf der Transall C-160. Ende Oktober 2010 – ging es altersbedingt – in den Ruhestand. Als Hobby ist da zum einen das Angeln, seit 40 Jahren ist er im Amrumer Angelverein aktives Mitglied und zum anderen der Handball, da allerdings nur passiv bei den Damen der HG Owschlag-Kropp-Tetenhusen als Hallensprecher in der 3.Liga Nord. Von 1980-1995 und seit 2005 ist Gerd in Owschlag beheimatet, sein zuhause ist aber immer Amrum geblieben. Gerne würde er dauerhaft auf die Insel zurück, es fehlt bisher aber noch ein passendes Wohnungsangebot.

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