Wattwandern in den Sonnenaufgang …


Sonnenaufgang über Föhr und den Amrumer Salzwiesen

Es ist sicherlich nicht jedermanns Sache, im Urlaub oder an einem freien Tag morgens um 5 Uhr -oder noch früher- aufzustehen, um anschließend stundenlang zur Nachbarinsel Föhr zu wandern.

Es ist aber ein unvergessliches Erlebnis, an einer geführten Wattwanderung in den Sonnenaufgang teilzunehmen! Wie bei jeder anderen Wanderung auch, erfährt man viel über das Leben im und am Wattenmeer, seine Flora und Fauna, seine Bewohner, die Gezeiten. Und jeder Wattführer hat viele und verschiedene Geschichten aus der Vergangenheit und der Gegenwart zu erzählen. Bei Dunkelheit loszugehen und Richtung Osten in den Sonnenaufgang hineinzulaufen ist jedoch eine Besonderheit, die nur dem Frühaufsteher gegönnt ist. Es gibt nur wenige Tage im Jahr, an denen dies machbar ist. Wetter, Gezeiten und sicher auch das Engagement des Wattführers müssen übereinstimmen, um den Wanderern dieses außergewöhnliche Erlebnis zu ermöglichen.

Ab ins Watt

Schnell ist die Müdigkeit verflogen, wenn die ersten Sonnenstrahlen den Sandschlickboden erhellen und man auch die Muscheln und Austern sehen kann, auf die man besser nicht treten sollte, um nicht das vom Wattführer immer im Gepäck befindliche Verbandsmaterial nutzen zu müssen. Das Morgenlicht lässt ganz andere Aussichten zu als z.B. die pralle Mittagssonne, das weiß jeder Fotograf. Und Wolken sind kein Hindernis, die einmalige Landschaft genießen zu können, sorgen sie doch zumeist für kontrastreiche Stimmungsbilder. Nach ca. einer halben Stunde werden zwei Priele durchwatet, von denen der eine auch mal für nasse Unterhosen sorgen kann. Weiter unterwegs werden vom Wattführer immer wieder kurze Pausen eingelegt, in denen den Wanderern v.a. die spannende Tierwelt im Schlick erläutert wird. Immerhin ist das Wattenmeer mit seinen Milliarden von kleinen und kleinsten Lebewesen eines der artenreichsten Gegenden der Welt, in der  eben nicht nur der berühmte Wattwurm sein Dasein fristet. Gegen Ende der Wanderung kommt man dann auch noch an den Resten eines Schiffswracks vorbei. Um den Untergang der „City of Bedford“, die im Februar 1825 mit Salpeter beladen zwischen der Amrumer Odde und Föhr strandete, ranken sich viele Gerüchte und Geschichten, die von den Wattführern lebhaft und durchaus auch unterschiedlich dargestellt werden.

Dark Blome auf der Suche nach dem Wattwurm

Nach etwa 4 Stunden erreicht man dann Föhr bei der Ortschaft Dunsum, von dort aus geht es mit dem Bus, inklusive Informationen zur Insel, nach Wyk. Dort kann man dann endlich frühstücken oder bummeln gehen, um dann mit einer der Fähren wieder zurück nach Amrum zu fahren.

Das Wattwandern ist eine sehr beliebte Möglichkeit, das für viele Menschen doch fremde UNESCO Weltnaturerbe Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer kennenzulernen. Und wenn man einmal die Möglichkeit bekommt, an der doch ganz besonderen Führung „in den Sonnenaufgang“ teilzunehmen, sollte man das unbedingt wahrnehmen!

Abschließend sei noch ein wichtiger Hinweis gestattet:

Für jede Art der Wattwanderung sind entscheidende Regeln zu beachten: Niemals ohne Wattführer losgehen, niemals sich seinen Anweisungen und Ratschlägen widersetzen! Die Unkenntnis über die Gezeiten, Priele, sich durch den ständigen Wechsel von Ebbe und Flut verändernde Untiefen und Muschelbänke, plötzliche Wetterumschwünge v.a. mit Auftreten von Seenebel und die Unkenntnis über den kurvenreichen Verlauf des Wattwanderweges können einem leichtsinnigen Wanderer schnell zum Verhängnis werden.

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Über Peter Totzauer

Dr. med. Peter Totzauer, Facharzt für Allgemeinmedizin, Facharzt für Anästhesie, Notfallmedizin, Spezielle Schmerztherapie, geb. 1954 in Fürth/Bay.,hat, bedingt durch den Beruf des Vaters, als Kind u.a. 4 ½ Jahre in Frankreich gelebt. Abitur 1974 in Köln, Studium der Humanmedizin an der Universität Bonn. Seit 1982 ärztlich tätig, davon viele Jahre als Oberarzt in der Anästhesie und als Leitender Notarzt in Euskirchen. War 2007 für ein halbes Jahr im Rahmen einer „Auszeit“ vom Klinikalltag bei seiner Lebensgefährtin Claudia auf Amrum. Dies hat ihm so gut gefallen, dass er seit Ende 2008 seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt ganz auf die Insel verlegt hat und hier seit 2010 mit in der „Praxis an der Mühle“ arbeitet. Er hat zwei erwachsene Kinder, sein Sohn ist niedergelassener Physiotherapeut in Neuss, seine Tochter ist Lehrerin an der Öömrang Skuul.

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