Das Amrum-Zebra – eine neue Tierart auf der Insel?


Zebras im Nationalpark Masai Mara in Kenia – nicht auf Amrum

Schon seit längerem trifft man auf unserer Insel immer wieder auf eine besondere Erscheinung. Verwundert reibt sich manch einer die Augen: Gibt es Zebras auf Amrum?

Zu Zebras hier ein Auszug aus „Brehms Thierleben“ (Erstausgabe ab 1883):

Das Zebra oder Bergpferd (Equus Zebra, Hippotigris Zebra und antiquorum) ist am ganzen Leibe gestreift und hierdurch leicht von dem Dauw zu unterscheiden. Bei genauerer Untersuchung ergeben sich übrigens noch andere Kennzeichen. Es hat in seinem Leibesbau weniger Ähnlichkeit mit dem Pferde als vielmehr mit dem Esel, und zwar vorzugsweise mit dem Dschiggetai. Der auf schlanken, gut gebauten Beinen ruhende Leib ist voll und kräftig, der Hals gebogen, der Kopf kurz, die Schnauze wulstig, der Schwanz mittellang, seiner größten Länge nach kurz und nur gegen das Ende hin langbehaart, also dem Eselschwanze ähnlich, die Mähne dicht, aber sehr kurz.

Bei genauerer Betrachtung lässt sich aber schnell herausfinden, dass es sich hier nicht um “echte“ Zebras handelt, die ja ausschließlich in Afrika vorkommen, sondern um heimische Pferde, die quasi eine besondere Schutzkleidung tragen.

Das Amrum Zebra

Es gibt Pferde die unter einem Sommerekzem leiden und zum Schutz vor Juckreiz und Aufkratzen eine Fliegendecke und eine Kopfbedeckung tragen müssen. Auslöser des Sommerekzems, auch Pferde-Neurodermitis genannt, sind Kriebelmücken, wobei das Pferd allergisch auf den Speichel der Mücke reagiert. Dieser Speichel enthält ein Sekret, das die Blutgerinnung hemmt und der Mücke so das Saugen erleichtert. Von einem Sommerekzem wird gesprochen, da die Kriebelmücken überwiegend in der warmen Jahreszeit zwischen Mai und August vorkommen.

Grundsätzlich kann bei jeder Pferdeart diese Erbkrankheit auftreten, insbesondere werden aber Islandpferde befallen, wobei es bemerkenswert ist, dass auf Island selbst die Erkrankung nicht vorkommt. Der Grund hierfür ist es, dass es auf Island keine Kriebelmücken gibt.

Dass die Fliegendecke ein Zebramuster hat kommt nicht von ungefähr. Zebras nutzen das auffällig verwirrende Muster als natürlichen Schutz vor Mosquito-Befall. Offensichtlich sind die Stechmücken durch die Unregelmäßigkeit der Zebrastreifen orientierungslos und finden keine Stelle zum Stechen. Die Natur hat schon geniale Einfälle! Und natürlich hilft die „Schutzbekleidung“, hier insbesondere die Maske über den Augen, auch vor den lästigen „normalen“ Fliegen.

Von Pferdebesitzern auf Amrum wird berichtet, dass es vorgekommen ist, dass Passanten, die auf die „Amrum-Zebras“ aufmerksam geworden sind, die Fliegendecken und Kopfbedeckungen abgenommen haben. Vermutlich haben sie die Schutzbekleidung als Tierquälerei angesehen und so die Pferde „befreit“. Es ergeht hier an alle Pferdeliebhaber sowie Ahnungslose die eindringliche Bitte sich nicht in die Pflege der Tiere einzumischen. Die Zebradecken und die Kopfbedeckungen, durch die die Tiere sogar sehen können, schützen die Pferde, sie quälen sie nicht! Gleiches gilt übrigens auch für gutgemeintes Füttern der Pferde: Bitte nicht füttern, auch wenn es schwerfällt. Durch Überfütterung oder falscher Nahrung besteht Kolikgefahr mit potentiell tödlichem Ausgang!

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Über Peter Totzauer

Dr. med. Peter Totzauer, Facharzt für Allgemeinmedizin, Facharzt für Anästhesie, Notfallmedizin, Spezielle Schmerztherapie, geb. 1954 in Fürth/Bay.,hat, bedingt durch den Beruf des Vaters, als Kind u.a. 4 ½ Jahre in Frankreich gelebt. Abitur 1974 in Köln, Studium der Humanmedizin an der Universität Bonn. Seit 1982 ärztlich tätig, davon viele Jahre als Oberarzt in der Anästhesie und als Leitender Notarzt in Euskirchen. War 2007 für ein halbes Jahr im Rahmen einer „Auszeit“ vom Klinikalltag bei seiner Lebensgefährtin Claudia auf Amrum. Dies hat ihm so gut gefallen, dass er seit Ende 2008 seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt ganz auf die Insel verlegt hat und hier seit 2010 mit in der „Praxis an der Mühle“ arbeitet. Er hat zwei erwachsene Kinder, sein Sohn ist niedergelassener Physiotherapeut in Neuss, seine Tochter ist Lehrerin an der Öömrang Skuul.

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