Die Europäische Stechpalme und Weihnachten …


Der Stechpalmenstrauch

Stechpalmen („Ilex“) gibt es weltweit und in allen Klimazonen, wobei in Mitteleuropa nur die Europäische Stechpalme (Ilex aquifolinum) heimisch ist. Man findet sie auch auf der Insel Amrum, im Wald und in einigen Gärten, z.T. als pyramidenartige Großsträucher. Die Zweige mit den roten Früchten werden v.a. in Großbritannien, Frankreich und Nordamerika als Weihnachtsdekoration verwendet.

Von 1960 bis 1965 habe ich mit meinen Eltern in Frankreich gelebt, mein Vater war als Berufssoldat im damaligen NATO-Hauptquartier im Schloss von Fontainebleau (60 km südlich von Paris) stationiert. Anfangs wohnten wir nur rund 100 m hinter der Mauer des Schlossparks, in dem viele Ilex-Pflanzen wuchsen. Zu Weihnachten wurden schöne Zweige mit den roten Beeren geschnitten und als Weihnachtsdekoration verwendet. Ich kann mich gut daran erinnern, dass meine Mutter und ich vor dem Heiligen Abend dann die stacheligen Blätter golden bemalt haben und die Zweige zusammen mit Tannengrün in eine Vase gestellt haben. Das Zusammenspiel von Grün und Gold mit den roten Früchten war immer sehr schön anzusehen, und das Bemalen der Blätter hat mir die Wartezeit bis zur Bescherung verkürzt.

Ilex aquifolium

Bereits im Mittelalter sollen sich die Menschen die Stechpalme als Zeichen des ewigen Lebens ins Haus geholt haben. Die immergrüne Pflanze mit dem sattgrünen Laub und den kräftig roten Beeren erleuchtet den ganzen Winter über die dunkle Jahreszeit und verkörpert die Farben von Hoffnung und Liebe. Im Christentum stehen die Farben Grün und Rot für Leben und Blut.

Es gibt zur Stechpalme sogar eine rührende Weihnachtslegende:

Als die Hirten sich auf den Weg zum Jesuskind machten, folgte ihnen ein kleines, schwaches und krankes Lämmchen. Es lief hinter dem Hirtenjungen her, der es gepflegt hatte. Dabei stolperte es ein ums andere Mal über die Steine, die auf dem Weg lagen, und die Stechpalmen zerkratzten es. Als sie den Stall erreichten, hob der Hirtenjunge das Lamm auf, streichelte und wärmte es. Maria, die das sah, sagte: „Auch mein Sohn wird gut zu den Hilflosen sein“. Zur Erinnerung an den barmherzigen Hirtenjungen trägt „Ilex aquifolium“ seitdem rote Früchte.

Zwar werden die Blätter und die roten Früchte als schwach giftig eingestuft, sie sind aber für Vögel und Wild ungefährlich. Die Ilex-Pflanze weist in der Pflanzenwelt eine Besonderheit auf: Die Blätter sind am unterem Stamm mit spitzen, stacheligen Ausziehungen versehen, damit sie vom Wild nicht abgefressen werden. Am oberen Stammende, wo das Wild sie nicht mehr erreichen kann, sind sie hingegen glattrandig. Auf Grund dieser Tatsache wird die Stechpalme auch als Symbol der weisen Voraussicht angesehen.

Der Weihnachts-Ilex

Die Europäische Stechpalme machte die Weihnachtsfarben Rot und Grün salonfähig. Und um dem Ganzen auch noch einen besonders festlichen Eindruck zu geben wurden in unserer Familie die Blätter „vergoldet“. Das war übrigens gar nicht so einfach. Gold-Spraydosen gab es damals, zumindest in Frankreich, noch nicht, und so musste jedes Blatt mit einem Pinsel aus dem Schul-Malkasten bemalt werden. Mein Vater, der Pilot war, und ich haben zu dieser Zeit gerne Flugzeug-Modelle gebaut, und es gab kleine Modellbau-Farbdöschen (die Firmen „Revell“ und “Airfix“ gibt es heute noch), auch goldene, die dafür herhalten mussten.

Über die Jahrhunderte hinweg wurden in Mitteleuropa die ehemals an Ilex reichen Waldgebiete regelrecht geplündert, war doch das harte und gleichmäßige Holz der Stechpalme insbesondere bei Tischlern und Drechslern beliebt. Es wurde u.a. für Dachsparren, Peitschenstiele und Spazierstöcke verwendet und eben auch als Weihnachtsdekoration. In Deutschland wurde bereits 1935 per Gesetz jede gewerbliche Nutzung untersagt, und auch heute noch steht die Pflanze unter Naturschutz. Es ist nicht erlaubt den wilden Ilex als weihnachtlichen Schmuck zu verwenden. Wenn man jedoch Ilex als Zierpflanze in seinem eigenen Garten hat, spricht nichts dagegen sich hiervon einen Zweig in das Wohnzimmer zu stellen. Und damals, Anfang der 1960iger Jahre in Frankreich, war Naturschutz noch kein Thema. Zumindest nicht in meinem kindlichen Empfinden.

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Über Peter Totzauer

Dr. med. Peter Totzauer, Facharzt für Allgemeinmedizin, Facharzt für Anästhesie, Notfallmedizin, Spezielle Schmerztherapie, geb. 1954 in Fürth/Bay.,hat, bedingt durch den Beruf des Vaters, als Kind u.a. 4 ½ Jahre in Frankreich gelebt. Abitur 1974 in Köln, Studium der Humanmedizin an der Universität Bonn. Seit 1982 ärztlich tätig, davon viele Jahre als Oberarzt in der Anästhesie und als Leitender Notarzt in Euskirchen. War 2007 für ein halbes Jahr im Rahmen einer „Auszeit“ vom Klinikalltag bei seiner Lebensgefährtin Claudia auf Amrum. Dies hat ihm so gut gefallen, dass er seit Ende 2008 seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt ganz auf die Insel verlegt hat und hier seit 2010 mit in der „Praxis an der Mühle“ arbeitet. Er hat zwei erwachsene Kinder, sein Sohn ist niedergelassener Physiotherapeut in Neuss, seine Tochter ist Lehrerin an der Öömrang Skuul.

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