Nähen im Zeichen der Tradition


… mit der Maschine am Schultertuch.

Für eine Woche kam die Trachtenbeauftragte des Nordfriisk Instituut für den Bereich Föhr/Amrum und den Halligen, Kerstin Christiansen, nach Amrum.

Mit im Gepäck hatte sie das Schnittmuster des „pei“, der Trägerrock der Friesentracht. Mit ihren Nähmaschinen unter dem Arm und viel Motivation kamen die Insulanerinnen der Trachtengruppe, um für sich oder für andere diesen in Handarbeit zu fertigen. Kerstin Christiansen holte jede der zwölf Frauen bei ihren unterschiedlichen Interessen und Fähigkeiten ab. Während einige schon bei früheren Nähseminaren dabei waren und auch im privaten diesem Hobby nachgehen, war es für andere Frauen der erste Kontakt mit Nadel und Faden. So wurde auf jede individuell eingegangen und je nach Können ob einfach/mittel/schwer ein passendes Nähprojekt gefunden.

 

Kerstin, die selbst seit ihrer Kindheit leidenschaftlich näht, ist als gebürtige Föhrerin auch mit der Friesentracht fest verbunden. „Meine Oma hat immer ein großes Geheimnis um die Tracht gemacht, die sie auf dem oberen Boden in einer Kiste aufbewahrt hat. Das Geheimnis darum hat mich in seinen Bann gezogen und ein besonderes Interesse in mir geweckt“, erzählt sie über einen der großen Schlüsselmomente warum sie bis heute diese Leidenschaft für diese textile Tradition hat. Während die Anfänge eher ein Selbsttest des Trachtennähens war, hat Kerstin bei einem Volkshochschul-Kurs bei Gabi Brandt den ersten professionellen Schritt zum Nähen gemacht. Fortbildungen in Kursen bei der Trachtenbeauftragten Tina Staupe folgten und der kurvige Weg wurde geebnet und sie konnte sich das Grundprinzip erarbeiten. Durch ihr stetiges Interesse an der Friesentracht kam sie auch schon im Alter von 16 Jahren dazu das Kopftuch zu binden, was aus einer speziellen Technik des Legens, Knotens und Steckens besteht. Ebenso kam vor sieben Jahren die Tanzleitung der Utersumer Trachtengruppe dazu. Mit dem Kontakt zu vielen Friesendamen kam immer wieder die Situation auf, dass Damen ausserhalb der Norm-Konfektion (z.B. breitere Schultern oder Hüften) Schwierigkeiten hatten, den richtigen Schnitt hin zu bekommen. Hier zu helfen und für jede das richtige Ausmessen und Erstellen des Schnittmusters, war Kerstin einer der Impulse vor fünf Jahren die Arbeit als Trachtenbeauftragte zu übernehmen.
Zwischen den Näheinheiten wurde auf Amrum auch über die Geschichte und Entwicklung der Friesentracht gesprochen. Ein Rückblick mit Bildmaterial in die letzten Jahrhunderte veranschaulichte Kerstin mit ihrer eigenen „historischen Tracht“, die gleich ein Anreiz war für eine Amrumerin, diese ebenfalls zu nähen. Vier vollständige peis (Trägerröcke), mehrere Schürzen, einige Kopftücher und eine selbst bestickte Haube waren das Ergebnis dieser ganzen Woche des traditionellen Nähens der Friesentracht.
Die Freude an der Arbeit zeigte sich bei allen, die schon dem nächsten Trachen-Näh-Seminar mit Kerstin Christiansen entgegensehen. 
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Über Kinka Tadsen

Kinka Tadsen erblickte 1972 in Hamburg das Licht der Welt. Aufgewachsen ist sie dann auf Amrum. Abitur hat sie auf Föhr gemacht und sich für eine Fotografenlehre in Bad Oldesloe entschieden. Fotografen- und Lebenserfahrung hat sie in der großen weiten Welt auf diversen Kreuzfahrtschiffen als Bordfotografin gesammelt. 2003 folgte dann die Rückkehr nach Amrum. Seit 2008 gehört sie als freie Journalistin zum Amrum-News Team.

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