Mit den Kindern ins Kunstmuseum …


Staunen vor Anna Anchers Gemälde „Gottesdienst in den Dünen“

Mich begeistert es immer wieder zu sehen, wie die Kunst es schafft, bereits kleine Kinder in ihren Bann zu ziehen. In den vergangenen beiden Wochen besuchten die 25 Amrumer Vorschulkinder mit ihren Kita-Gruppen die Anna-Ancher-Ausstellung in Alkersum auf Föhr und durften anschließend in der Museumswerkstatt selbst zum Pinsel greifen. Am Donnerstag hatte ich die Gelegenheit, acht Kinder der Bütjen Jongen („Draußenkinder“) des Amrumer Kindergartens in das Museum Kunst der Westküste zu begleiten.

Sylvia Haumersen, Amelie Painter und Vogel Hugo zeigen, wie Anna Ancher gemalt hat.

Mit offenem Mund und staunenden Augen betrachteten die Kinder Anna Anchers Werke und hörten gespannt zu, was Kunstvermittlerin Sylvia Haumersen und Pelikan-Puppe Hugo darüber erzählten. Die Jongen bestaunten das große Gemälde „Gottesdienst in den Dünen“ mit seinen Detailstudien ebenso wie Anna Anchers berühmtes Meisterwerk „Sonnenschein in der blauen Stube“. Sie waren begeistert von den bunten Blumen und sonnigen Gärten, dem kleinen Mädchen auf dem menschenleeren Sandweg in Skagen und dem „blauen Sonnenuntergang“ im Meer. Sie verglichen die Haare der gleichen jungen Näherin auf den Ölstudien verschiedener Jahre miteinander und die leuchtenden Farben in den Fenstern der ausgestellten Interieurs.

Wie kommt das Licht herein in die Bilder?
Mit Farben! Daran besteht kein Zweifel, wenn man vor den Werken Anna Anchers steht und einfach nur staunen kann, wie kühn die dänische Künstlerin zu ihrer Zeit mit den Farben experimentierte und mit der Wirkung des Skagener Lichts. „Sie war in der dänischen Kunst die erste, die es richtig verstand, einen Sonnenstrahl einzufangen“, schrieb der Kunsthistoriker Karl Madsen, der selbst Skagen-Maler war und 1911 Direktor der dänischen Nationalgalerie in Kopenhagen wurde.

Vorfreude in der Werkstatt

Wie ihr Spiel mit Licht und Farben das menschliche Haar und das Antlitz des Menschen verändert! Wie stark das einfallende Sonnenlicht die Atmosphäre des Bildraumes prägt, ob draußen oder ganz besonders drinnen! Man meint beim Betrachten, im Raum das Licht und die Farben unmittelbar selbst zu spüren – dieses ganz besondere Licht des kleinen, sandigen Landstrichs zwischen den Meeren, der ihre Heimat war.

Ich war schon mehrfach in Skagen, liebe die Lichtverhältnisse dort oben und kenne viele Werke der Skagen-MalerInnen. Anna Anchers Darstellungen ziehen mich direkt in die Stimmung dieser Landschaft hinein. Fallen Ihnen zu den Alltagsszenen und Räumen, die Anna Ancher in ihren Bildern darstellt, auch sogleich eigene Gefühle und Geschichten ein?

Farbkräftige Blumenfantasie

Da ist zum Beispiel diese Kleine mit den hellblonden Zöpfen, allein auf dem Sandweg mit der Wagenspur. Ich erinnere mich genau: Sommerliche Mittagshitze. Man hört nur den Wind und das Meer. Die Gardine weht sacht im gelben Haus auf der Düne. Meine Eltern schlafen, niemand ist zu sehen. Keine Katze, kein Hund. Der heiße Sand brennt unter den Füßen. Ich laufe barfuß zum Bäckerladen und kaufe mir für zwei Öre einen Salzlakritz-Taler. Genussvoll balanciere ich auf der grellen Glut zurück ins Hotel und bin stolz wie Bolle – das erste Mal allein unterwegs.

Die Fenster-Variationen in Tempera

Amelie Painter, die derzeit im Museum Kunst der Westküste ein FSJ Kunst absolviert, regte auch die Kinder dazu an, sich in kleinen Teams eine eigene Geschichte zu einem der Bilder auszudenken. Die Bütjen Jongen dachten sich drei – sehr unterschiedliche – Geschichten aus, von denen Pelikan-Puppe Hugo mindestens so begeistert war wie alle Kinder und Erwachsenen. Man wundert sich, wie ein Sonnenuntergang, ein Fenster und ausgerechnet eine gähnend leere Landstraße die erzählerische Fantasie der Kinder beflügeln und ruhige Gute-Nacht-Geschichten oder wilde Science-Fiction hervorbringen – mit Karten spielenden Kindern, einer Schlange und zwei Jägern, die sich in ihrer Kutsche duellieren.

(Die künftige Kunst-Therapie-Studentin  – so hofft Amelie – hat im Laufe ihres Freiwilligen Sozialen Jahres viele Kindergeschichten zu ausgestellten Werken des MKdW gesammelt, die Interessantesten ausgewählt und sehr schön illustriert. Daraus ist ein ganz wunderbares Kunst-Mal-Buch für Groß und Klein entstanden, für dessen Druck das MKdW zurzeit noch Sponsor*innen sucht. https://mkdw.de/de/museum/engagement)

Tschüß! Bis zum nächsten Mal…

Nachdem jedes Kind sein Lieblingsgemälde der Ausstellung vor Ort mit Buntstift skizziert hatte, ging es ab in die Werkstatt. Hier fanden sich wie von Zauberhand drei Themen-Gruppen künstlerisch zusammen: die Fenster-Gruppe (Momme, Mats, Jon), die blauen Sonnenuntergänge (Jannis, Jonne), die bunten Blumen und der Garteneingang (Milan, Flora, Oskar). Aber sehen Sie selbst, mit welcher Hingabe und Freude die Kinder ans Werk gingen und wie sie „Sonne. Licht. Skagen.“ in ihren Bildern künstlerisch eingefangen haben.

Im Urlaub mit den Kindern ins Kunstmuseum? Unbedingt.

Das MKdW hat ein sehr gutes Kinderprogramm und bietet nicht nur für Gruppen, sondern auch für Einzelpersonen, Kinder und Familien kreative Workshops an. Mehr finden Sie im Netz unter: https://www.mkdw.de/de/programm/workshops-und-kunstvermittlung

 

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Über Astrid Thomas-Niemann

Astrid Thomas-Niemann ist gelernte Schifffahrtskauffrau sowie studierte Sprach- und Erziehungswissenschaftlerin. Sie hat viele Jahre als Schifffahrtsanalystin gearbeitet und lebt seit 2015 in Wittdün. Als junge Frau kam Astrid 1981 das erste Mal auf die Insel und besuchte auf Zeltplatz II die Niemanns aus Hamburg, die Amrum seit 1962 urlaubsmäßig die Treue halten, inzwischen bereits in der 4. Generation.

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