„Wir sind jetzt raus”  …


Die Schulabgänger 2022 der Öömrang Skuul (MSA und ESA) mit ihren Klassenlehrerinnen

Der feierliche Schulabschluss an der Öömrang Skuul hatte erstmalig ein normales Gesicht nach den letzten beiden „vermummten Jahren”. Strahlend kamen die Jugendlichen auf den Schulhof, um ihr Abschlussbild zu machen. Im trauten Kreise ihrer Mitschüler/innen. Die Herren fein gemacht im Anzug, kam bei den Damen ein Hauch von Hollywood auf, mit langen Abendroben, die feierlicher nicht hätten sein können.

Die Eltern strahlten, mit einem Tränchen des Wehmuts, „Wie konnte das nur so schnell gehen?”. Die Klassenlehrerinnen Susanne Müller und Britta Lindner begrüßten alle und gemeinsam ging es das letzte Mal offiziell in die Aula der Schule. Schulleiter Jörn Tadsen freute sich ebenfalls wieder in die strahlenden Gesichter, ohne Masken, schauen zu können und begrüßte die Abschlussschüler/innen mit ihren Familien mit einem lachenden „Wir sind jetzt raus”. Nun sei es an Gemeinden, Amt und Kirche diese Jugendlichen weiterzuleiten, wobei viele die Insel erst einmal zu weiterführenden Schulen und Fortbildungen verlassen. Ein Schüler bleibt jedoch an der Schule und strebt den MSA (mittlerer Schulabschluss) an. Einige gehen in das Handwerks- und die Gastronomie auf Amrum und Sylt.

Amtsdirektor Amt Föhr/Amrum Christian Stemmer

Die Wege trennen sich also, doch wie Pastorin Martje Brandt ihre Rede einleitete mit den Zeilen von John Lennon „All you need is love”. „Geht raus und legt los, im Namen der Liebe”, gibt sie den Abschlussschüler/innen mit auf ihrem weiterhin gesegneten Weg. Amtsdirektor Christian Stemmer sieht trotz getrennter Wege die Verwurzelungen der Freundschaft durch die gemeinsame Schulzeit. Wurzeln und Flügel sollen die Eltern ihren Kindern geben, hieße es. Christian Stemmer sieht ebenfalls in der Schule beide Metaphern, die Freundschaften als tiefe, feste Wurzeln und das Erlernte seien die geistige Flügel. Nach dem facettenreichen Schulleben mit anstrengend letzter Phase und stürmischen Abschnitten wünschte er ihnen gute Erholung, bevor es weiter geht und dass die Familie und die Heimat immer der Kompass sei, der ihnen den Weg weise.

Sybille Franz gratulierte im Namen aller drei Gemeinden der Insel herzlichst. „Ihr habt es gemeistert”, freut sie sich für die Jugendlichen und weist sie auf die Besonderheit einer Kindheit hier auf Amrum hin „Ihr kennt euch hier alle, das wird sich bei vielen jetzt ändern, wenn ihr weg geht. Seht Amrum als eure Heimat, kommt gerne zurück, ihr seid immer willkommen. Wir wünschen euch Lebensfreude und Gesundheit.” Jörn Tadsen gab mit einem Schmunzeln zu bedenken: „Ist es nicht eigentlich noch zu früh? Seid ihr schon so weit, euch ein weiteres Zuhause einzurichten?” Bei dem Theaterstück „Robin Hood” vor ein paar Wochen, in dem viele mitgewirkt und über ihre Comfort-Zone weit hinaus gespielt haben, zeigte sich, dass diese Bühne fast zu klein geworden sei, betonte der Schulleiter stolz und beantwortete so die Frage. Das Chaos des Schulstreiches die Woche zuvor habe für einige Aufregung im Kollegium geführt, jedoch konnten die tosenden Wellen schnell in eine ruhige See verwandelt werden.

Klassenlehrerin der ESA – (erster Schulabschluss) Schüler/innen Britta Lindner stellte das Motto der Abschlussschüler „Freunde der Farm” vor, welches auf der Abschlussfahrt nach Berlin entstand. „Ja es war nicht immer leicht, es war wie in einer Familie, ein altes Ehepaar oder auch Geschwister. Ihr habt geliebt und gestritten”, strahlt sie ihre Schulabgänger an, die den besten Durchschnitt seit Jahren vorweisen konnten. Jede/Jeder bekam einen ganz persönlichen Satz mit auf den weiteren Weg. „Es kommt nicht auf das Flugzeug an, sondern auf den Piloten”, zitiert sie aus dem neusten Hollywood Blockbuster Maverick, denn Britta Lindner ist immer nah dran an ihren Schülern und diese Verbindung merkt man.

Die beiden Schulsprecher Max Isemann und Camille Quedens

Für den Löwenanteil der Schulabgänger sprach Klassenlehrerin Susanne Müller. Vor zwei Jahren habe sie mit 22 Kindern angefangen und verabschiedet jetzt 15 Jugendliche. Bei einem Rückblick auf diese gemeinsame Zeit kamen Bosseln, Klassenraum streichen, Ukraine Demo, Mottowoche und Wandertag zur Sprache. Ganz besonders betonte sie auch die schwierige Zeit, die Zeit die alles veränderte. Ein Schulunterricht zu Hause, alleine vor dem Rechner, Distanz, Mund-Nasenschutz, Hygieneplan und eine verschobene Abschlussfahrt. Diese Fahrt konnte jetzt an den Chiemsee nachgeholt werden und war noch ganz frisch in den Gedanken aller. Und mit den Worten von Franz Kafka bedankte sie sich für diese zwei Jahre: „Wege entstehen dadurch, dass man sie geht”.

Die Schulsprecher/in Camille Quedens und Max Isemann gaben ebenfalls einen Rückblick auf „ihre” Schulzeit, die mit Klassenlehrerin Regina Jessen begann, die an diesem Abschlusstag auch gekommen war. Angefangen habe alles mit viel Fußball spielen und Bibi & Tina auf Amadeus und Sabrina. Sofort waren die Eltern zehn Jahre in der Zeit zurück versetzt. Camille und Max bannten ihre Familien/das Kollegium und zeigten ihre schauspielerischen Fähigkeiten. Die Anfangszeit der Handys, die Schwierigkeiten und die Geduld von Frau Heymann während der pubertären Phase, der Wechsel zur Klassenlehrerin Britta Lindner, die mit Bravur das wahrgewordene Filmhighlight „Mädchen gegen Jungs” meistern musste. Corona und homeschooling unter deren Bedingungen, wie der Isolation, es verboten war Freunde zu haben, die Jungendlichen wirklich gelitten haben, kein Sozialleben mehr hatten und es als „grausam, beängstigend und besch… „ empfanden. Doch dies gehöre jetzt der Vergangenheit an und die Abschlussfahrt hat da alles wieder rausgerissen „Mehr als Danke können wir nicht sagen”.

v.l.n.r: Max Isemann, Kathy Isemann, Louis Märker

Bei der feierlichen Zeugnisvergabe kam jede/jeder einzeln nach vorne und wurde von Jörn Tadsen, Britta Lindner und Susanne Müller beglückwünscht. Kathy Isemann überreichte an alle Abschlussschüler/innen Gutscheine im Namen des Schulvereins, zudem an die beiden besten Schulabschlüsse von Louis Märker (ESA) und mit Freudentränen in den Augen an ihren Sohn Max Isemann (MSA).

Die Lehrer/innen bekamen als Dank von ihren Schulabgängern ein kleines Präsent und diese verabschiedeten sich mit den Worten von Jörn Tadsen in der Einleitung „Wir sind jetzt raus”! Feierlich zogen sie ihrer Wege und genossen den Tag im Rahmen ihrer Familien und Freunde.

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Über Kinka Tadsen

Kinka Tadsen erblickte 1972 in Hamburg das Licht der Welt. Aufgewachsen ist sie dann auf Amrum. Abitur hat sie auf Föhr gemacht und sich für eine Fotografenlehre in Bad Oldesloe entschieden. Fotografen- und Lebenserfahrung hat sie in der großen weiten Welt auf diversen Kreuzfahrtschiffen als Bordfotografin gesammelt. 2003 folgte dann die Rückkehr nach Amrum. Seit 2008 gehört sie als freie Journalistin zum Amrum-News Team.

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