Große Verabschiedung von zwei Lehrern …


Die ganze Öömrang Skuul tanzte zum Abschied für ihre beiden Lehrer Stephan Schlichting und Rüdiger Seiffert

“Damit haben wir nicht gerechnet”, strahlten die beiden Lehrer Rüdiger Seiffert und Stephan Schlichting, jedoch mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Alle Schülerinnen und Schüler waren zusammen mit dem Lehrerkollegium in die Turnhalle der Öömrang Skuul gekommen. Lockvogel war die Verleihung der Urkunden aus der Strandolympiade, doch was die rund zweihundert Schüler/innen wirklich ausgeheckt hatten, das zeigten sie mit einer gemeinsamen Abschlussaufführung. Tanzend singend zu dem Klassiker aus dem Dschungelbuch „Probiert’s mal mit Gemütlichkeit” überraschten sie die beiden Lehrer, die nun nach 20 und 34 Jahren die Öömrang Skuul verlassen. „Die meisten Schüler sind maximal 10 Jahre bei uns an der Schule, könnt Ihr Euch vorstellen, dass diese beiden hier mehr als das doppelte hier waren?”, scherzt Schulleiter Jörn Tadsen und freut sich über den dankenden Beifall für Stephan Schlichtung und Rüdiger Seiffert.

links Rüdiger Seiffert ,rechts Stephan Schlichting , die Öömrang Skuul steht hinter ihnen

Beide waren in ihrem Schulleben weit über die Arbeitszeit hinaus engagiert. Seit 1988 unterrichtete Rüdiger Seiffert an der Öömrang Skuul. “1956 in Flensburg geboren, habe ich dort an der damaligen Pädagogischen Hochschule Kunst und Deutsch für das Lehramt an Realschulen studiert. Ein Studium der Kunst an der Muthesius-Schule in Kiel folgte. Heute werden Lehrkräfte landesweit händeringend gesucht, damals herrschte ein Einstellungsstopp. Genau in dieser Zeit waren für Amrum gleich mehrere Stellen ausgeschrieben. Diese Chance nutzte ich und zog mit meiner Familie auf die Insel. Zunächst unterrichtete ich teils an der Schule der Kinderfachklinik Satteldüne, teils an der Dörfergemeinschaftsschule, der heutigen Öömrang – Skuul. Kunst übernahm ich in den Klassen 1 – 10, Deutsch überwiegend für die Klassenstufen 7 – 10, Werken kam als Neigungsfach später hinzu. Was ich mir von meiner Arbeit auf Amrum erhofft hatte, ist eingetreten: Eltern sind aus Lehrersicht nicht nur Eltern, sondern eben auch Busfahrer, Apothekerin oder Nachbar. Menschen zerfallen nicht in Einzelfunktionen, man lebt und arbeitet mit ‘ganzen” Menschen. – Ich glaube, dass Schülerinnen und Schüler besser lernen, wenn sie ihre Schule nicht als ein lieblos behandeltes, bestenfalls zufälliges Umfeld erleben müssen, sondern als etwas, das allen Beteiligten am Herzen liegt und entsprechend bewusst gestaltet ist. Deshalb war mir vor rund zwanzig Jahren ein Projekt ganz besonders wichtig: die Neugestaltung des Schulhofs als Gemeinschaftsprojekt. Alle Schülerinnen und Schüler von der 1. bis zur 10. Klasse, ganz viele Eltern und Lehrkräfte waren über Wochen damit beschäftigt, aus einer eher sterilen Teerfläche eine Pausenlandschaft mit Spiel- und Ruhezonen sowie vielfältigen Anpflanzungen entstehen zu lassen. Natürlich entwickelt sich gegenüber solch Selbstgeschaffenem eine ganz andere Identifikation und somit auch ein, wie ich finde, ganz anderes Verhältnis zur Schule. Diesen Gedanken habe ich versucht weiterzuführen, mit der Schaffung eines Aufenthaltraumrs für die Pausen und dem Bau eines Schulkiosks, auch als Trainingsfeld für soziale Interaktion”, erzählt Rüdiger Seiffert in wenigen Sätzen über die letzten 34 Jahre. In dieser Zeit hat er auch viele Theaterkulissen gemalt/gestaltet und somit den Theaterstücken ein i-Tüpfelchen verliehen. Bei der Einschulung malte Rüdiger Seiffert kunstvoll die Klassentafel als Willkommensbild und die aufgeregten Mädchen und Jungen freuten sich in ihrer Schulstunde sehr daran.

links Stephan Schlichting, Rüdiger Seiffert

Den Schulverein hat Rüdiger Seiffert im Vorstand unterstützt, so wie auch Stephan Schlichting, der als erster Vorsitzender die letzten Jahre das Gesicht des Schulvereins war. Bei besonderen Anlässen, wie die Einschulung und Schulabschluss gab es Geschenke für die Schüler/innen und auch die Theater Ag wurde vom Schulverein unterstützt. Die Hilfe des Schulvereins geht jedoch weit über kleine Präsente hinaus. Stephan Schlichting hat diese Geschicke lange geleitet und weist vor allem darauf hin, das der Schulverein für die Schüler/innen und ihre Schule da ist. Als Sonderschullehrer kam Stephan Schlichting 2002 auf die Insel. „Ich bin in Hamburg geboren und aufgewachsen. In der Hansestadt habe ich auch auf Lehramt studiert. Nach Amrum kam ich mit meinen Hauptfächern Deutsch und Mathe, doch auch andere Fächer habe ich in meiner Schulzeit hier auf Amrum mit unterrichtet. An so einer kleinen persönlichen Schule ist es einfach ganz besonders zu arbeiten. Man hat enger miteinander zu tun, sieht sich ja auch ausserhalb der Schule häufig, da die Insel klein ist. Neben den Schülern lernt man auch das ganze familiäre und freundschaftliche Umfeld kennen”, erzählt Stephan Schlichting. Neben der Arbeit mit seinen Schülern an der Öömrang Skuul schaute er auch schon auf die Vorschulkinder im Kindergarten. Erste Gespräche und Einschätzungen mit den Mädchen/Jungen und Erzieher/innen führte er ein halbes Jahr vor der Einschulung. „Die Entwicklung der Kinder ist einzigartig zu beobachten. Schön das ich einige davon wirklich lange begleiten durfte”, bedankte er sich bei einigen. Die Mädchen und Jungen der Öömrang Skuul hatten sich als Abschiedsgeschenk auch wirklich für beide was ganz Besonderes einfallen lassen. Rüdiger Seiffert bekam ein ganz persönliches, ja sein eigenes Buch sogar „Herrn Seiffert sein Buch”, es beinhaltet seine Stilblüten, die er über die Jahre an seine Schüler gegeben hat und diese haben die besten Sprüche und Texte zusammengetragen. Stephan Schlichting, der nicht nur die Schule, den Kreis sondern gleich das Land verläßt, bekam von allen Schülern Bilder geschenkt, Bilder von Ihnen gemalt, wie sie sich die Schweiz vorstellen, das Land, in das er jetzt ziehen wird. Nach soviel Emotion tanzten alle nochmal gemeinsam die „Gemütlichkeit” aus dem Dschungel Buch und feierten ihre beiden Lehrer. Per Handschlag verabschiedeten sich alle ganz persönlich von Rüdiger Seiffert und Stephan Schlichting und wünschten ihnen das Beste auf ihrem weiteren Weg.

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Über Kinka Tadsen

Kinka Tadsen erblickte 1972 in Hamburg das Licht der Welt. Aufgewachsen ist sie dann auf Amrum. Abitur hat sie auf Föhr gemacht und sich für eine Fotografenlehre in Bad Oldesloe entschieden. Fotografen- und Lebenserfahrung hat sie in der großen weiten Welt auf diversen Kreuzfahrtschiffen als Bordfotografin gesammelt. 2003 folgte dann die Rückkehr nach Amrum. Seit 2008 gehört sie als freie Journalistin zum Amrum-News Team.

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