112 – Tatütata – die Rettung ist da! – Das war nicht immer so …


CHX5 D-HDSV Christoph Europa 5 mit 4-Blatt-Rotor von der Station Niebüll ©Gerd Arnold

Unentbehrliche Retter aus der Luft für Inseln und Halligen.

Die Inseln und Halligen verfügen kaum über Krankenhäuser. Nur auf den Inseln Föhr und Sylt gibt es noch kleinere Einrichtungen. Wenn es schnell gehen muss, wenn jede Minute zählt dann kommen unter anderen die Hubschrauber der DRF Luftrettung (ehemals Deutsche Rettungsflugwacht) zum Einsatz. Rettungshubschrauber sind in ganz Deutschland – und darüber hinaus – stationiert. Ihr Einsatzgebiet geht auch über Ländergrenzen hinaus, so z.B. das von Christoph Europa 5 der Station Niebüll, dieser kommt auch in Dänemark zum Einsatz.

Wie alles begann …

Am 3. Mai 1969 verunglückte, eine Woche vor seinem neunten Geburtstag, Björn Steiger tödlich. Es zeigte sich eine Versorgungslücke in der medizinischen Schnellversorgung, es gab keine zeitnahe und professionelle Hilfe.

Ute und Siegfried Steiger (beide 2022 verstorben), die Eltern des Verunglückten, gründeten daraufhin die Rettungsdienst-Stiftung Björn Steiger e.V.. Sie hatten wesentlichen Anteil zum Aufbau eines modernen Rettungsdienstes in Deutschland. Es gibt heute einheitliche Notrufnummern, Notrufsäulen am Straßenrand, Luftrettung, Baby-Notarztwagen, Handy-Ortung durch Rettungsleitstellen und Laien-Defibrillatoren gegen den Herztod, alles das sind Projekte, die die Björn-Steiger-Stiftung angestoßen hat.

Anfang der 1970er Jahre galt die Luftrettung in der Öffentlichkeit als unnötig, zu teuer und übertrieben. Einen bodengebundenen Rettungsdienst gab es praktisch da auch noch nicht. In den Bundesländern gab es keine einheitliche Notrufnummer, keine Notrufsäulen, kaum Rettungsleitstellen, keine speziell ausgebildeten Notärzte und Rettungsassistenten. Im Notfall musste man erst die Polizei anrufen, die dann einen schlecht ausgerüsteten Krankenwagen (z.B. kein Funk) bestellte.

Heutzutage ist der hohe Stellenwert unbestritten.

Vor fast 50 Jahren, am 6. September 1972 wurde die Deutsche Rettungsflugwacht (DRF) gegründet.

Die DRF begann am 19. März 1973 mit einem Rettungshubschrauber für den Großraum Stuttgart den Einsatzbetrieb.

Der erste zivile permanent betriebene Rettungshubschrauber (Christoph 1, ADAC) wurde am 1. November 1970 in München-Harlaching stationiert. Die ADAC-Luftrettung wurde am 25.November 1981 gegründet.

Die DRF Luftrettung ist in Deutschland der zweitgrößte nicht kommerzielle Luftrettungsdienst, größer ist hier die ADAC-Luftrettung (gelbe Engel). An 37 Stationen in Deutschland, Österreich und Liechtenstein sind über 50 rot-weiße Hubschrauber im Einsatz.

2021 nahm die DRF Luftrettung EU-weit die erste H145 mit Fünfblattrotor in Dienst und rüstet seither alle H145 auf das neue System um.

Die Inseln und Halligen werden von den Helikoptern aus Niebüll bzw. Rendsburg angeflogen. Diese fliegen die Patienten in die umliegenden Krankenhäuser (z.B. Niebüll, Flensburg, Husum, Heide, Rendsburg oder Kiel).

In Deutschland gibt es derzeit 87 Rettungshubschrauber-Stationen an denen 141 Hubschrauber fast flächendeckend zum Einsatz kommen. Betrieben werden die Stationen von der ADAC Luftrettung, Bundesministerium des Innern (Katastrophenschutz), DRF Luftrettung, Johanniter-Luftrettung und SAR-Dienst der Bundeswehr.

 

Wenn es schnell gehen muss, dann kommen zumeist Christoph Europa 5 oder Christoph 42 zum Einsatz

 

Christoph Europa 5 von der Station Niebüll

Die am 1. April 2005 gegründete Station befindet sich am Krankenhaus Niebüll. Es kommt ein Hubschrauber des Typs Airbus H145 zum Einsatz. Betrieben wird die Station von der DRF Stiftung Luftrettung gemeinnützige AG. Einsätze 1. Halbjahr 2022: 534

Als Personal sind im Einsatz: Piloten der DRF Luftrettung, Notärzte der Kliniken in Schleswig-Holstein und Hamburg sowie drei Notärzte aus Dänemark und Notfallsanitäter der DRF Luftrettung.

Besondere Qualifikation der:

Notärzte: überwiegend Fachrichtung Anästhesie
Notfallsanitäter: Zusatzqualifikation HEMS TC (Helicopter Emergency Medical Service Technical Crew Member), die es ihnen erlaubt, den Hubschrauberpiloten bei der Navigation und der Luftraumbeobachtung zu unterstützen.

CHX42 D-HXFG Christoph 42 mit 5-Blatt-Rotor von der Station Rendsburg-Schachtholm ©Gerd Arnold

Die Anforderung für Notfälle und Intensivtransporte erfolgt über die Leitstelle Nord.

Christoph 42 von der Station Rendsburg – fliegt auch nachts

Die am 20. Februar 1975 gegründete Station befindet sich seit 24. Juli 2020 am Flugplatz Rendsburg-Schachtholm. Es kommt dort ein Hubschrauber des Typs Airbus H145 mit Fünfblattrotor zum Einsatz. Betrieben wird die Station von der DRF Stiftung Luftrettung gemeinnützige AG. Einsätze 1. Halbjahr 2022: 929

Als Personal sind im Einsatz: Piloten der DRF Luftrettung, Notärzte des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein und weiterer Kliniken der Region und Notfallsanitäter der DRF Luftrettung.

 

Besondere Qualifikation der:

Notärzte: Fachrichtung Anästhesie, Notfall- und Intensivmedizin, Chirurgie, Innere Medizin, Allgemeinmedizin
Notfallsanitäter: Zusatzqualifikation HEMS TC (Helicopter Emergency Medical Service Technical Crew Member), die es ihnen erlaubt, den Hubschrauberpiloten bei der Navigation und der Luftraumbeobachtung zu unterstützen.

Die Anforderung für Notfälle und Intensivtransporte erfolgt über die Integrierte Regionalleitstelle Mitte.

Die DRF Luftrettung stellt mittelfristig alle Stationen, die aktuell mit einer H145 fliegen, in ihrer eigenen Werft auf einen Hubschrauber mit Fünfblattrotor um. Dieser Typ bietet zum vierblättrigen Modell einige Vorteile: Unter anderem kann er mehr Nutzlast aufnehmen, liegt noch ruhiger in der Luft und dank seinem gelenklosen Rotorkopf verbessert sich seine Wartung.

Einen konkreten Umrüstungstermin für die Station Niebüll konnte die DRF Luftrettung derzeit noch nicht benennen.

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Über Gerd Arnold

Gerd Arnold, 1957 in Nebel auf Amrum geboren. Ein „echter“ Amrumer mit der friesischen Sprache (öömrang) aufgewachsen. Bis 1972 die Schule in Nebel besucht, danach Elektroinstallateur in Wittdün gelernt. 1976/77 in Wuppertal den Realschulabschluss nachgeholt. Ab Oktober 1977 als Berufssoldat bei der Bundesluftwaffe und seit November 2010 Pensionär. Nach vielen Jahren der verzweifelten Suche nach passenden „bezahlbaren“ Wohnraum auf Amrum endlich fündig geworden, seit Februar 2022 wieder ständig auf Amrum. 2019 ins Team der Amrum News integriert, aber das soll neben dem Angeln nicht die einzige Aktivität auf der Insel bleiben.

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