112 – Tag des Notrufs …

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Notruf des Lebens

Es gibt und gab schon immer sehr viele Jahrestage an denen an ein bestimmtes historisches, kulturelles oder auch dramatisches Ereignis erinnert wird. Manchmal erschließt sich einem der Sinn des Gedenktages nicht so richtig (z. B. „Tag der Jogginghose“ – 21.1. oder „Tag des Brathähnchens“ – 6.7.), am letzten Samstag, dem 11. Februar („Tag des Notrufs“ – 11.2.), lag das aber etwas anders: Es bietet sich eine gute Gelegenheit an den Notruf „112“ zu erinnern und den richtigen Umgang damit zu erläutern.

Gleichfalls ist dies für unsere Insel bedeutsam, denn auch auf Amrum ist der Notruf „112“ die Anlaufstelle für lebensbedrohliche medizinische Notfälle und zur Alarmierung der Feuerwehr.

Der sogenannte „Euronotruf 112“ ist gebührenfrei und gilt in allen Ländern der Europäischen Union und den meisten ihrer angrenzenden Länder wie Andorra, Färöer-Inseln, Großbritannien, Island, Liechtenstein, Norwegen, San Marino, Schweiz, Türkei, Vatikanstadt, Bosnien und Herzegowina und Russland. Auch Israel, Kasachstan, Simbabwe, Südafrika, Costa Rica, Australien, Neuseeland und Vanuatu nutzen die „112“. In Kanada und den USA ist der Notruf „9-1-1“. Wählt man in diesen Ländern die „112“, wird man automatisch an die „9-1-1“ weitergeleitet. Gleiches gilt umgekehrt auch wenn man z. B.  in Deutschland aus einem Mobilfunknetz die „9-1-1“ wählt, man wird auf die „112“ umgeleitet. In der Ukraine gibt es  den Notruf „112“ in ländlichen Bezirken, in den Städten alarmiert man die Feuerwehr über „101“, medizinische Hilfe über „103“.

Etwas Geschichte: Erst 1991 hat der EU-Ministerrat die Einführung von „112“ für alle Länder der EU beschlossen. In der Bundesrepublik Deutschland gab es zwar in vielen Regionen bereits seit 1948 die Notrufnummern „110“ für Polizei und „112“ für die Feuerwehr, eine bundesweite Vereinheitlichung dieser Nummern erfolgte erst im Jahr 1973. Anlass für diese bundeseinheitliche Regelung war der Tod des achtjährigen Kindes Björn Steiger, der 1969 nach einem Verkehrsunfall starb, weil Rettungskräfte auf Grund umständlicher Alarmierungswege zu spät am Unfallort eintrafen. Die Eltern des verstorbenen Jungen gründeten die „Björn-Steiger-Stiftung“, deren Ziel es ist die Verbesserung der Notfallhilfe voranzutreiben. Auf die Initiativen der Stiftung wurden u. a. die Errichtung von Notrufsäulen an Autobahnen, die Einführung der Luftrettung mit Hubschraubern und eben auch die Vereinheitlichung der Notrufnummern vorangetrieben. Die „112“ wurde zur Vermeidung von Fehlalarmierungen als Notrufnummer gewählt, da bereits vor deren Einführung „111“ bzw. „1111“ in der Bahntechnik und bei größeren Industrieanlagen verwendet wurde.

Folgende für Deutschland wichtige Notrufnummern sollte man sich merken können:

112 – Notruf Feuerwehr und Rettungsdienst

110 – Polizei

Über die bundesweite Nummer „116 117“ kann man den für eine Region zuständigen ärztlichen Bereitschaftsdienst erfragen und von vielen Organisationen in den Medien werden weitere Kontaktnummern publiziert über die man in Ausnahmesituationen um Hilfe bitten kann, so z. B Giftnotrufe, Apothekennotdienste,  zahnärztlicher Notdienst, Psychosoziale Betreuung, Sperren der Kreditkarte und viele andere mehr.

Wie meldet man nun einen Notfall richtig?

Generell gilt es beim Absetzen eines Notrufs folgende Regeln zu beachten:

  • Ruhe bewahren
  • Wo ist der Notfallort
  • Was ist passiert?
  • Wie viele Personen sind betroffen?
  • Warten auf Rückfragen der Leitstelle
  • Einweisung von Rettungsdienst / Feuerwehr
Notfallpunkt 2.16, Aussichtsdüne Süddorf

Wählt man die „112“, wird man mit den Worten „Feuer- und Rettungsleitstelle, wo genau ist der Notfallort?“ empfangen damit der Leitstellendisponent schnell den Zielort für mögliche Rettungskräfte in das EDV-System eingeben kann. Angaben über den Notfallort sind extrem wichtig, denn die Hilfskräfte müssen zügig den Ort des Geschehens finden können. Auf Amrum kann das durchaus ein Problem sein, viele Gäste wissen oftmals nicht in welcher Ferienwohnung sie sind oder wo sie sich in der freien Natur gerade aufhalten. So sind z. B. am Kniepsand oder in den Dünen Ortsangaben wie „ich kann den Leuchtturm sehen“ wenig hilfreich. Hier können die über 150 auf Amrum verteilt eingerichteten Rettungspunkte lebensrettend sein. Auf den Tafeln ist der jeweilige Standort mit einem Zahlencode versehen. Diese Markierungen sind auf der Rettungsleitstelle hinterlegt und jedes Amrumer Einsatzfahrzeug hat einen Plan der Insel auf dem die jeweiligen Standorte verzeichnet sind, so dass die möglichen Einsatzstellen leicht zu erkennen sind.

Wählt man irrtümlicherweise statt der gewünschten „112“ die „110“ (oder umgekehrt), ist das zunächst kein Problem, man wird dann, ggf. nach Abfrage durch den jeweiligen Disponenten, an die „richtige“ Nummer weitergeleitet. Dies gilt insbesondere auch für Notrufe aus dem Kreis Nordfriesland, die in der „Integrierten Leitstelle“ Nord in Harrislee bei Flensburg eingehen. Hier sind Feuerwehr-, Rettungsdienst- sowie Polizeileitstelle gemeinsam untergebracht. Zu bedenken ist allerdings, dass beim Wählen der „falschen“ Notrufnummer immer ein gewisser Zeitverlust eintritt. Besser ist es also die „richtige“ Nummer zu wählen.

Den Notruf „112“ soll man wählen, wenn die Feuerwehr benötigt wird oder ein akuter, potentiell lebensbedrohlicher Notfall vorliegt. Zu lebensbedrohlichen medizinischen Notfällen zählen unter anderem:

  • Anzeichen für einen Herzinfarkt (starker Brustschmerz, Atemnot, kalter Schweiß)
  • Anzeichen für einen Schlaganfall (Seh- und Sprachstörungen, Lähmungen)
  • Ohnmacht / Bewusstlosigkeit
  • Schwere allergische Reaktion
  • Akute Atemnot (z. B. Asthmaanfall)
  • Starke Schmerzen
  • Unfälle mit schweren Verletzungen / hohem Blutverlust
  • Schwere Verbrennungen

Bei diesen Notfallmeldungen wird der Disponent/Notrufexperte am Telefon der Leitstelle entscheiden welcher Einsatzwagen (Rettungswagen) an den Einsatzort geschickt wird und ob ein Notarzt mit alarmiert wird.

Einsatz für RTW und NEF am Kniepsand

Die Notrufnummer „112“ sollte den Meldungen über lebensbedrohliche Zustände vorbehalten bleiben. Für dringende, jedoch nicht lebensbedrohliche Fälle, kann man einen Arztkontakt über die bundesweite Nummer „116 117“ herstellen. Dies ist die Anrufzentrale des kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes, der für medizinische Belange zuständig ist „wenn der Hausarzt nicht zu erreichen ist“ (z. B. Erkältungskrankheiten, Grippale Infekte, Fieber, Schmerzen, Magen-Darm-Infekte, Migräne, Hexenschuss). Das Wählen der Nummer „116 117“ ist bedeutsam, wenn ein Hilfesuchender sich in einem Bereich befindet wo viele verschiedene niedergelassene Ärzte am Bereitschaftsdienst teilnehmen. Auf den nordfriesischen Inseln Amrum und Föhr stellt sich die Situation etwas anders dar, da hier nur sehr wenige Arztpraxen sich die Dienste teilen. So macht es auf Amrum Sinn, im Bedarfsfall eine der beiden Arztpraxen anzurufen (04682/1010 für die Norddorfer Praxis bzw. 04682/9614999 für die Nebeler Praxis). Hat diese Praxis Dienst, kann man mit dem diensthabenden Arzt in Verbindung treten, hat die Praxis keinen Dienst, wird per Anrufbeantworter an die andere Praxis verwiesen. Auf der Insel Föhr gibt es für alle ärztlichen Notfallbereitschaftszeiten eine gemeinsame Nummer (04681/580058), hier wird man dann an den diensthabenden Arzt weitergeleitet. Natürlich kann man auch auf den Inseln über „116 117“ die ärztliche Bereitschaft erfragen und sollte bei lebensbedrohlichen Situationen die „112“ anrufen.

Wichtig ist es auch zu wissen, dass der Notruf „112“ über ein Mobiltelefon ohne gültige SIM-Karte nicht funktioniert, da nur mit eingelegter SIM-Karte eine Rückverfolgung des Anrufers möglich ist. So hat die Leitstelle die Möglichkeit einen Anrufer zu ermitteln, bei Bedarf zurück zu rufen oder sogar zu orten, zudem wird so auch einem Missbrauch entgegen gewirkt.

NEF und RTW vor Amrums Wahrzeichen

Wie unlängst in der Presse zu lesen war wird in Schleswig-Holstein jährlich mehr als 500.000mal der Notruf „112“ betätigt. Gott sei Dank sind dies nicht alles lebensbedrohliche Situationen und man wird niemals einem Hilfesuchenden einen Vorwurf machen, wenn eine gut gemeinte Notfallmeldung sich später vielleicht als doch nicht so gravierend darstellt. Wer jedoch absichtlich und wissentlich eine Notrufnummer missbraucht und einen Notruf vortäuscht verhält sich asozial und gefährdet möglicherweise andere Menschen, da dadurch ggf. Rettungskräfte gebunden sind und anderweitig nicht zu Verfügung stehen. Auf Amrum sind die Rettungsdienstkapazitäten rasch aufgebraucht, sind hier doch lediglich nur ein Rettungswagen (RTW) und ein Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) einsatzbereit, ggf. kann noch ein zweiter RTW mit einem Hintergrunddienst besetzt werden.

Die Anforderung eines Rettungswagens bei einer banalen Verletzung nach Discobesuch um sich in ein Krankenhaus fahren zu lassen, bloß weil mein kein Geld für ein Taxi hat, der letzte Bus weg ist und man zufälligerweise neben dem Krankenhaus wohnt, oder die Anforderung des Notarztes über „112“ bei seit 3 Wochen unverändert bestehenden Rückenschmerzen weil ein Termin beim Orthopäden erst 1 Woche später zu erzielen war, gehören in die Kategorie „Missbrauch“. Beide hier angeführten Fälle hat der Autor selbst erlebt! Allerdings nicht auf Amrum.

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Über Peter Totzauer

Dr. med. Peter Totzauer, Facharzt für Allgemeinmedizin, Facharzt für Anästhesie, Notfallmedizin, Spezielle Schmerztherapie, geb. 1954 in Fürth/Bay.,hat, bedingt durch den Beruf des Vaters, als Kind u.a. 4 ½ Jahre in Frankreich gelebt. Abitur 1974 in Köln, Studium der Humanmedizin an der Universität Bonn. Seit 1982 ärztlich tätig, davon viele Jahre als Oberarzt in der Anästhesie und als Leitender Notarzt in Euskirchen. War 2007 für ein halbes Jahr im Rahmen einer „Auszeit“ vom Klinikalltag bei seiner Lebensgefährtin Claudia auf Amrum. Dies hat ihm so gut gefallen, dass er seit Ende 2008 seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt ganz auf die Insel verlegt hat und hier seit 2010 mit in der „Praxis an der Mühle“ arbeitet. Er hat zwei erwachsene Kinder, sein Sohn ist niedergelassener Physiotherapeut in Neuss, seine Tochter ist Lehrerin an der Öömrang Skuul.

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