Druckgrafik Amrumer Vorschulkinder im Museum Kunst der Westküste ausgestellt …


Frau Prof.Dr. Wolff-Thomsen begrüßte die Gäste aus Amrum.

Eine Kinder-Eltern-Vernissage in Alkersum auf Föhr krönte am Palmsonntag den Abschluss des dritten „Riesenprojekts“ des Museums Kunst der Westküste mit dem Inselkindergarten Amrum. „Druckgrafik macht Spaß!“, so der Titel des gemeinsamen Engagements für Bildung in diesem Frühjahr.

Bereits 2018 hatten im Rahmen der großen Werkschau „Emil Nolde und das Meer“ sowohl auf Föhr als auch auf Amrum zeitgleich Kinder-Werk-Ausstellungen stattgefunden (Thema: „Nolde mit den Augen der Kinder“) und im vergangenen Jahr ging aus den Museumsbesuchen ein Kunst-Mal-Hör-Buch mit fantasievollen Kinder-Erzählungen zu ausgewählten Kunstwerken des Museums hervor, die von Amelie Paintner wunderschön illustriert wurden.
Diesmal nun wieder eine eigene Ausstellung! Zu sehen bis zum 18. Juni 2023 im Museum Kunst der Westküste in Alkersum auf Föhr im Rahmen der Ausstellung „Dampfer, Deiche, Dramen – Druckgrafik aus der Sammlung und zeitgenössische Positionen“.
Nachdem Museumsdirektorin Frau Prof. Dr. Ulrike Wolff-Thomsen die eigens zur Eröffnung der Ausstellung angereisten Amrumer Kinder, Eltern und Erzieher:innen freundschaftlich begrüßt hatte, übernahm Hugo kurzerhand das Zepter und hielt eine interessante, richtig neugierig machende Einführungsrede für Jung und Alt.
Hugo (unterstützt von Sylvia Haumersen) übernimmt die Einführungsrede

Hugo? Welcher Hugo, fragen Sie sich vermutlich. Hugo – das ist die Pelikan-Handpuppe, der die Pädagogin Sylvia Haumersen als Kunstvermittlerin des Museums Kunst der Westküste ihre Stimme leiht, wenn es um die Erklärung von Kunstwerken einer Ausstellung und den Umgang damit geht. Und diese Regeln kennen die Amrumer Vorschulkinder natürlich ganz genau. Denn anders als die meisten Eltern hatten sie das Kunstmuseum auf der Nachbarinsel ja schon besucht und in der Werkstatt eigene kleine Kunstwerke geschaffen, die nun sogar im Museum ausgestellt sind.

Für alle gut nachvollziehbar rief Hugo den Entstehungsprozess dieser Werke ins Gedächtnis und erzählte, wie das „Riesenprojekt“ abgelaufen ist:
Als erste Projekteinheit machten die Erzieher:innen diesmal einen Betriebsausflug nach Alkersum ins Museum Kunst der Westküste und durften im Anschluss an die Ausstellungsführung selbst in der Museumswerkstatt arbeiten, was sonst immer nur die Kinder machen können. Die verschiedenen Drucktechniken auszuprobieren brachte den Erwachsenen viel Spaß, und alle lernten dadurch eine Menge Neues.
Dann reisten Sylvia Haumersen und die FSJ-lerin Marit Großmann zu den Vorschulkindern nach Amrum. Pelikan Hugo war natürlich auch mit an Bord und hatte nichts Besseres zu tun, als die Farbe aus den mitgebrachten Bildern heraus zu schütteln. Die Kinder zauberten die Farbe dann wieder hinein. Wie? Das ist gleich am Anfang der Ausstellung in Saal 6 auf dem Weg zur Werkstatt zu bestaunen.
Aber das war längst nicht alles, was die Kunstvermittlerinnen bei ihrem Besuch auf Amrum mit im Gepäck hatten. Die Amrumer Vorschulkinder lernten auch, was eine Monotypie ist und was ein Sgrafitto. Für die eigenen Monotypien stellten sie aus Naturmaterialien Stempel her, die sie in der Museumswerkstatt später bemalen und in Gelplatten drücken würden, um davon individuelle Drucke abzunehmen. Hugo verriet in seiner Rede auf der Vernissage, dass viele Stempel und alle Drucke der Amrumer Kinder nun in der Ausstellung zu sehen sind.
Für die Sgrafittos hatten die Kinder mit Wachsmalstiften ganz bunte Bilder gemalt und Hugo war für die dritte Projekteinheit als Hausaufgabe aufgetragen worden, die alle ganz schwarz zu machen. Hat er prompt erledigt, mit Ölwachskreide. Und als die Kinder an ihrem Projekttag nach Föhr ins Museum kamen, um sich vor Ort die Druckgrafik-Ausstellung anzuschauen und in der Werkstatt weiter am Projekt zu arbeiten, lagen ihre schwarzen Bilder schon bereit.
Vorher betrachteten sie aber noch ganz genau die Werke von Max Liebermann, Maximilien Luce, Emil Nolde, Henrieke Strecker, Marie-Louise Exner oder Are Andreassen im Original und erstellten Bleistiftskizzen von ihren Bild-Favoriten, die sie hinterher mit spitzer Gänsefeder in die von Hugo geschwärzten Bilder ritzten. So entstanden sehenswerte Sgrafittos, die nun zusammen mit den Bleistift-Skizzen im MKdW ausgestellt sind. Ganz erstaunlich, was den Kindern da gelungen ist – interessante Positionen zu ausgewählten Werken der Sammlung des MKdW und zeitgenössischen Positionen, ganz unvoreingenommen.
Großer Dank an Sylvia Haumersen, Marit Großmann und die kulturwissenschaftliche Volontärin Sara Nina Strolo, die bei der Hängung der Vorschulwerke geholfen hatte.
Zum Abschluss dieses dritten „Riesenprojekts“ wurde den Amrumer Gästen anlässlich der Vernissage wirklich viel geboten: freier Eintritt in alle aktuellen Ausstellungen des MKdW und eine spannende Führung in drei kleinen Gruppen durch die beiden großen Ausstellungen in den unteren Räumen des Museums.
Nicht nur die eindrucksvolle Druckgrafik-Ausstellung einschließlich der Kinder-Arbeiten, auch die am Vortag gerade erst eröffnete neue Ausstellung „Auf das große Westmeer schauend – Der Kulturraum Nordsee im Wandel“ stieß auf großes Interesse bei Kindern und Erwachsenen. Hier wird historische unmittelbar neben aktueller Kunst gezeigt, von den Niederlanden bis Norwegen – und jedem der Länder entlang der Nordseeküste ist ein eigener Raum gewidmet.
Zum Schluss der Vernissage: Kunst macht hungrig!

Bevor es dann mit dem Bus zurück zur Fähre in Richtung Amrum ging, ließen sich die großen und kleinen Gäste in der Museumswerkstatt den leckeren Kartoffelsalat mit Würstchen schmecken; denn so viel Kunst macht hungrig – vielleicht ja auch auf ein neues „Riesenprojekt“ mit dem Inselkindergarten Amrum.

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Über Astrid Thomas-Niemann

Astrid Thomas-Niemann ist gelernte Schifffahrtskauffrau sowie studierte Sprach- und Erziehungswissenschaftlerin. Sie hat viele Jahre als Schifffahrtsanalystin gearbeitet und lebt seit 2015 in Wittdün. Als junge Frau kam Astrid 1981 das erste Mal auf die Insel und besuchte auf Zeltplatz II die Niemanns aus Hamburg, die Amrum seit 1962 urlaubsmäßig die Treue halten, inzwischen bereits in der 4. Generation.

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