Gib mir deine Wörter und ich schreib Dir eine Geschichte …


Niklas Gentner bei der Darstellung eines Begriffes, den er spontan pantomimisch inszenieren sollte; Die Auflösung, welches Wort hinter dieser Pose steckt, gibt’s am Mi., den 22.05 um 20:00 Uhr beim Pottwal Momme.

Niklas Gentner verzaubert sein Publikum in der Norddorfer Pottwalausstellung bei einer Lesung: „Vom Morgenrot ins Weltenmeer“ –

Niklas Gentner ist ein Zauberer der Wörter. Während der ersten Lesung in der Pottwalausstellung des Öömrang Ferians i.f. am 30.04.24, zauberte Niklas auch einen neuen Text. Das Publikum gab ihm dafür die Wörter: Harmonie, Betrug, flanieren, lachen und die Zahl 35 (einen Ausschnitt dieses Textes findt sich am Ende des Artikels).

Die Idee zum Geschichtenerfinden überkam Niklas Gentner eines Tages spontan als Jugendlicher. Erst sechs Jahre später auf einer Bahnreise begann er das erste Mal tatsächlich zu Schreiben. Denn plötzlich keimte in ihm eine unerwartete Idee: Er bat seine Familie ihm Wörter zu sagen, aus der er dann eine Geschichte schreiben wollte und weil das Ergebnis gar nicht mal schlecht war, blieb er dem Schreiben treu.

Jetzt hat er sein erstes Kurzgeschichten Buch veröffentlicht: „Vom Kopf aufs Blatt“, ist der Titel des inspirierenden Buches, in dem er jeweils zu seinen Geschichten schreibt, wie sie entstanden sind. Die Orte und Begegnungen, die zu ihnen geführt haben, sind ebenso zahlreich wie vielsagend und ungewöhnlich. Dafür sind seine Geschichten umso bewegender. Während jeder Lesung gibt es zu den Texten ein Quiz zum Erraten. Vor der Pause sammelt Niklas Gentner von seinem Publikum Wörter ein, aus denen er in der 20-minütigen Pause eine Kurzgeschichte schreibt.

Das Ergebnis trägt er im Anschluss vor und beeindruckt dabei mit seinem Ideenreichtum wie schon damals seine Familie und in den Anfängen eine Kindergruppe für die er aus 3-4 Wörtern jeden Abend eine neue Gutenachtgeschichte erfand. Die Kinder liebten seine Geschichten so sehr, dass er aus der Nummer während der Freizeit gar nicht mehr herauskam.

Nun findet seine Lesung zum Buch: „Vom Kopf aufs Blatt“ noch weitere 2-mal in der Pottwalausstellung des Naturzentrums in Norddorf statt. Die Veranstaltung dauert 2 h. Es gibt Snacks und inspirierende Geschichten in familiärer, gemütlicher Atmosphäre. Die nächste Lesung findet am Mi. den 22.05 um 20:00 Uhr beim Pottwal statt (letzte Lesung am 29.05.24, weitere Infos im Amrum Aktuell).

„Bist du ein Zauberer?“, könnte man Niklas Gentner am Abend des 30.04.24 fragen, dann würde er wahrscheinlich sagen: „Nein, nur ein gewöhnlicher junger Mann, der seinen Impulsen folgt.“ Felix, der gerade als BFDler bei der Schutzstation auf Amrum arbeitet, ist inspiriert. Er und Ann-Sophie Etzelmüller haben für Niklas Gentner extra ein Banner geschrieben hat, auf dem steht: „Niklas, du altes Lyrik Genie. Du bist der beste in der Galaxie“. An diesem Abend verlassen Felix und Niklas zusammen mit den anderen Gästen sichtlich beseelt die Halle. Wenn das nicht schon eine kleine Fangemeinde ist, die Niklas Gentner, da zur ersten Lesung um sich geschart hat. Es bleibt nur noch zu sagen, ein hoch auf die inspirierenden Momente des Lebens und auf das wir alle bald wieder selbst solche erleben werden…

 ————————————————————————————————————–Ausschnitt einer Wortzauberei zu den Wörtern: Harmonie, Betrug, flanieren, lachen, 35

Brad blickte über die weite Landschaft. Die Gartenanlage vor dem Hotel war weitläufig. Zwischen den Eichen und Ahornbäumen flanierten einige Leute. Neben ihm auf dem Tisch lag ein Cheeseburger. Halb gegessen, die Pommes waren kalt.

An der Tür klopfte es.

„Ist offen“, rief er.

Seine Frau trat herein.

Als sie in der Balkontür erschien, sagte sie: „Die Leute warten unten. Sie wollen den Rusty sehen.“

„Bin gleich da. Mir fällt’s nur schwer. Hab keine Idee.“

„Spontan ist doch dein Ding, nicht?“

„Manchmal.“

Ihre Augen weiteten sich auf einmal. „Ich hab’s. Komm!“

Er sah sie an. In seinen Augen lag Unmut. Er seufzte. Folgte ihr dann.

20 Minuten später erschien er auf dem Platz. 35 Leute waren da, sie jubelten. Einer warf ihm eine Kappe zu. Er las auf dem Schild: „Du bist der beste!“

Brad lachte. Dann sagte er in die Menge: „So so, jetzt zwingt ihr mich, euch allen mit der Kappe ein Kompliment zu machen?“

„Jaa, und wir wollen den Rusty sehen!“

Er nickte. „Alles klar. Was von beidem?“

„Geht auch beides? Ausgefuchstes Kalkül und futtern?“, rief eine Frau.

„Klar“, sagte er.

Er winkte seiner Frau zu. Sie brachte ihm einen Teller voll Schrimps.

Die Leute jubelten.

„Das kriegst du doch nicht runter?“

Brad nickte bloß. Dann legte er los.

Nach drei Minuten waren alle verputzt.

Die Leute waren verstummt. Eine Harmonie der Stille. Nur ein paar Vögel zwitscherten…

 

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Über Anna Kienitz

Anna Kienitz, 1988 geboren, verbrachte die ersten 18 Jahre ihres Lebens im mittelhessischen Klein-Altenstädten, bevor sich ihr Leben während eines Work and Travel Jahres in Neuseeland schlagartig veränderte. Dem Sog zu fernen Meeren folgend studierte sie Biologie im Bachelor und Küsten- und Meeresmanagement im Master auf Island. Als stellvertretende Leitung einer Meeresschutzstaion arbeitete sie in Südostasien und verbrachte ein Jahr als Umweltwissenschaftlerin beim Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie in Hamburg. Jetzt hat sie eine abwechslungsreiche Aufgabe und ihren Platz am Meer auf Amrum gefunden. Sie leitet das Naturzentrum in Norddorf und gehört als freie Journalistin zum Amrum-News Team.

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