Junge Schotten in der Maus — sportliches Whiskey – Tasting in neun Akten …


Mausmitarbeiter Andis, Heinfried Tacke und Hausherr Janni Maus

Wie eine frisch geteerte Strasse schmeckte mein allererster Whiskey, und bei dem hätte es von mir aus auch bleiben können, wäre am Mittwoch nicht das Tasting in der Maus gewesen. Eine Gelegenheit zur Horizonterweiterung und angesichts von geplanten neun (!) Runden gepflegtes Saufen mit Ansage. Für letztere war Heinfried Tacke geladen, der langjährige Chefredakteur des Whiskey-Botschafters, einer Art Vogue für das Wassers des Lebens, wie es die Schotten nennen.

21 Frauen und Männer drücken die Schulbank …

21 Männer und Frauen sitzen Punkt 19 Uhr etwas schulklassenartig am langen Tisch, das Program ist auf ganze fünf Stunden angelegt. Unterrichtsschwerpunkt: junge Whiskeys. Denn ein Whiskey muss zwar drei Jahre im Fass gelegen haben, bevor er überhaupt so heissen darf, aber eben auch nicht ewig. „Und es gibt immer mehr junge, die richtig gut sind“, erklärt der Experte, und den Satz merke ich mir für den nächsten Klugschnack an einem Tresen.

Der geladene Experte und der Amrumer Whiskey-König Janni ergänzen sich an diesem Abend wunderbar …

Heinfried – das Duzen ist schnell geklärt – startet mit einem Kingbarns – ich schnuppere mit gekrauster Nase, die sich umgehend entspannt. Dieser Newcomer ist weich, golden und sanft. Mit viereinhalb Jahren laut Heinfried ein Baby, das schon etwas kann. Auch so ein Satz, mit dem ich künftig punkten werde. Der geladene Experte und der Amrumer Whiskey-König Janni ergänzen sich an diesem Abend wunderbar. Janni – natürlich im schottischen Kilt – holt immer wieder zum Geschichten Erzählen aus, nimmt uns mit an die kleine Wegkreuzung in den Lowlands, an der ein Farmhaus stand… und Heinfried holt ihn wieder zurück in die Maus und kriegt die Kurve zu den Fakten, die es uns zu vermitteln gilt.

„Trägt man da was darunter?“…

Auch Andis, der für die Whiskey-Sause auf seinen freien Abend verzichtet, hat sich in den Kilt geschmissen. „Trägt man da was darunter?“, frage ich und stelle fest, dass der Alkohol bei mir erste Wirkung zeigt. Andis schweigt und grinst. Zwischen Whiskey drei und vier gibt es praktische Tipps. Murmeln in die halbvolle Flasche legen, damit weniger Luft drin ist und der Geschmack sich hält. Und Plastikkorken sind besser als krümelige echte, denn dadurch ist schon manche Flasche verloren gegangen, erzählt Heinfried und guckt in Erinnerung an den Verlust so traurig, dass man ihm sofort nachschenken möchte.

Wir lernen ausserdem: Das Holz (Fass) macht den Whiskey. „Und deshalb“ – dritter Merksatz für den nächsten Barbesuch – „gibt es soviel Whiskeys, wie es Fässer gibt.“ Zwischendurch wird Suppe, Roastbeef und ein unverschämt knuspriger und zugleich klebriger und köstlicher Sticky Toffee Pie von Janni serviert. Alle spachteln glücklich Grundlage, denn ohne die wären wir verloren.

Bei Whiskey Nummer 4 schließlich das Deja vu: Da ist er, der Asphalt! Ist aber kein Teer drin, sondern das ist der Torf. Wenn er verbrennt, bilden sich Phenole, und die riechen dann nach Teer. Unsere stille Schulklasse ist mittlerweile in angeregtes Gemurmel übergegangen, Gläser werden im Schein der Lampe geschwenkt und erste Fachsimpeleien gewagt. Bei Nummer 5, dem „Man of Words“ mit stolzen 61,6 % dann erste Anzeichen von Gier. „Wo ist die Flasche?“ „Gebt doch auch mal nach Süden rüber!“ „Wo ist Süden?“ „Hier!!“ Janni lässt uns selbst einschenken, und Nachschlag für die ganz Harten gibt es auch – bei neun Runden (aus denen am Ende elf wurden) eine spannende Sache.

Überzeugt von seinem Shirt …

Wir probieren den Whiskey einer jungen Frau, die sich in diesem Männerbusiness durchgesetzt hat, in ihrer Destille streng ökologisch arbeitet, dafür aber am Wochenende mit dem Flugzeug nach Hause fliegt. Es sind diese kleinen Stories, die im Gedächtnis bleiben. Und wir Lehrlinge schmecken mit jedem Glas mehr heraus. Walnuss! Pflaume! Nein, Dattel! Schafscheisse! Einer will sogar mal verbranntes Blumenwasser ausgemacht haben, erzählt Heinfried. Der letzte Whiskey der Nacht ist dann wirklich für Fortgeschrittene. Der Kilkeran Cask Strengh heavily peated schmeckt nach Räucherspeck und Zigarettenasche, und irgendwie fleischig ist er auch. Und was schrecklich klingt, ist jetzt auf verrückte Art wunderbar.

Auf dem Weg auch Hause, schiebe ich meine Rad. Keine Lust, den Asphalt zu küssen. Den bestelle ich ab jetzt am Tresen der Maus. Vorausgesetzt, ich kann mich zwischen den über 500 Sorten entscheiden. Aber Janni empfiehlt auch gerne, und sollte er dabei von einer Strassenkreuzung in Schottland erzählen, an der ein Farmhouse steht, das einer Frau gehörte, die …dann einfach zuhören und geniessen. 

Sybille Hasenclever für Amrum-News

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