Amrumer Details 14 – Kunst vom und am Strand …

Seit Menschengedenken spielt die Kunst eine zentrale Rolle in der Gesellschaft. Sie ist ein Ausdrucksmittel für Emotionen, Ideen und Visionen, und seit Jahrhunderten beschäftigen sich die Philosophen, Künstler und deren Kritiker oder Betrachter mit der Frage was Kunst eigentlich ist. Eine klare und allgemeingültige Definition hierzu zu geben zu können erscheint aussichtslos und ist auch müßig, denn die Möglichkeiten sich künstlerisch zu betätigen sind ebenso individuell verschieden, wie es auch die Wahrnehmung und die Interpretation des Zuschauers sind.

Auf Amrum bieten sich Kunstschaffenden eine Unmenge an Möglichkeiten ihre Vorstellungen von Kunst auszuführen. Fotografie, Malerei, Töpfer- und Keramikarbeiten oder Musik sind hier Bespiele für künstlerische Tätigkeiten. Ein besonderer Ort auf der Insel sich hier zu verwirklichen ist zweifelsohne der Kniepsand. Die künstlerische Gestaltung oder Verarbeitung von Fundstücken, die die Nordsee an den wohl größten Strand Europas gespült hat, aber auch das Einbringen von Kunstwerken eben an diesen Ort können faszinierende Begebenheiten schaffen.

Vielen Besuchern dürften die gehissten Flaggen am Nebeler Strandübergang bekannt sein, die seit über 10 Jahren vom Strandkorbvermieter Kalle Wruck und dem Amrumer Kunstverein jedes Jahr aufs Neue entlang dem Bohlenweg zur Wasserkante hin aufgestellt werden (Amrum News berichtete, zuletzt am 23.Juli 2025 „Was weht denn da am Sommerhimmel“). Diese Aktionen animieren oft auch andere Strandbesucher, die gerne ihre Strandburgen mit ähnlichen Kampagnen schmücken. Die Flaggen bleiben für gewöhnlich so lange stehen, bis sie vom „Winde verweht“ sind. Das ganze Jahr hinweg ist dagegen am Nebeler Strand ein turmartiges Kunstgebilde zu bestaunen, das aus angeschwemmten Fundstücken angefertigt ist.

 

Wurden in vergangenen Zeiten vieles, was die Nordsee auf den Kniepsand angetrieben hatte, von den Strandläufern verwertet, hauptsächlich um damit ihren Lebensunterhalt zu sichern, so nutzen heute viele „Strandräuber“ die Sachen, die das Meer hergibt, um damit Kunst zu betreiben. Beliebt ist das Erbauen von Strandburgen in unterschiedlichen Größen, je nachdem wieviel Zeit die Erbauer in die Konstruktionen investieren können. Ein Paradebeispiel war früher hierfür, der von 3 Jahren leider verstorbene Amrumer Künstler Otfried „Panscho“ Schwarz, der am Nebeler Strand seine „Burg“ erbaute. Alles was das Meer an den Strand spülte, diente als Baumaterial und viele bunte Plastikteile und Reste von Fischernetzen verzierten die Strandburg. Oft wurde das Gebilde von Herbst- und Winterstürmen beschädigt um jedes Jahr ab dem Frühling wieder aufgebaut zu werden. Die Strandburg wurde „Kult“, ist im Jahr 2002 abgebaut und im Altonaer Museum inklusive Strand ausgestellt worden. Panscho baute eine neue Burg, die jedoch nicht mehr existiert, weil sie im Oktober 2009 dem Sturmtief „Sören“, das über mehrere Tage in Mitteleuropa wütete, zum Opfer fiel.

Es müssen aber nicht immer ganze Türme oder gar Häuser aus den Strandfunden entstehen, auch kleine Muscheln, Wellhornschnecken oder besondere Steine, vom Meerwasser verformte Holzreste oder auch Meerglas animieren viele Finder daraus Kunstwerke zu schaffen, egal ob sie dies “professionell“ oder rein hobbymäßig betreiben.

So werben die Amrumerinnen Edna Martinen und Steffi Wörner damit, dass sie leidenschaftliche Strandgutsammler seien, die man daran erkennt, dass sie am Strand immer mit gebeugtem Kopf unterwegs sind. Ihre kleinen Kunstwerke bieten sie auf den diversen Dorffesten oder Kunstmärkten zum Verkauf an.

Wolfgang Stöck, der ehemalige „Herr über die Leuchttürme“, nutzt seinen Ruhestand als einstiger Leiter des WSA Elbe-Nordsee – Außenbezirk Amrum, ebenfalls als Strandgutkünstler, wobei er überwiegend zu jeder Jahreszeit angepasste Holzarbeiten „mit Geschichte“ vornimmt.Hochinteressant sind die Werke des Amrumer Stammgastes Hermann Dieter Maier, der seit über 35 Jahren auf die Insel kommt. Der ehemalige Kunst- und Sportpädagoge (siehe auch „Amrum-Ferien voll künstlerischer Arbeit“, Amrum News 19. August 2019) verarbeitet u. a. gefundene „Badesteine“ zu kleinen Kostbarkeiten. Wer mehr über die „Badesteine“ erfahren möchte, kann dies im „Kleiner Amrumer 2025“ nachlesen.

Professionell preist beispielsweise Jens Gerdes in seinem Atelier „Driftwood“ seine Kunstwerke im „Treibholz Design“ und dekorativ aufgearbeitete Strandgutfunde an.

Der weit über Amrum hinaus bekannte Keramikkünstler Matthias Menk verarbeitet hingegen keine Strandfunde, sondern geht den umgekehrten Weg. Er bringt seine beliebten „Strandschönheiten“ an den Strand und lässt sie dort fotografisch festhalten. Sein Atelier „Hoonwerk“ betreibt er zusammen mit Cornelia Garbe. Es befindet sich übrigens in unmittelbarer Nachbarschaft zum Atelier „Driftwood“ im Uasterstigh in Nebel.

Eine weitere „Kunstfigur“ die an den Strand verbracht wurde findet man am höchsten Punkt der Treckerüberfahrt zum Nebeler Strand. Hier befindet sich der „Wetterlöwe“, der hier bereits in der Serie „Mystische Orte auf Amrum 04“ (erschienen in Amrum News, 23. Mai 2024) beschrieben wurde. Mittlerweile hat dieser Zuwachs bekommen.

Viele Bohlenwege führen u. a. zum und vom Strand und da ist es nur folgerichtig, dass hier auch die „Bohlenweg-Kunst“ des Grafikers Peter „Paddel“ Lückel erwähnt werden muss. Mit dem Slogan „Liebe zur Kunst, Liebe zum Holz, zwanghafter kreativer Tatendrang und ein Stapel alter Bohlenwege“ bewirbt er sein schöpferisches Talent Wandbilder aus alten Bohlenwegen zu schaffen. „MareArtAmrum“ heißt sein Programm.

Letztendlich kann sich der Strand / Kniepsand selbst auch kunstvoll gestalten. Wind und Wetter führen manchmal auch ohne Zutun von Menschenhand zu wahren Kunstobjekten die jedoch zumeist nicht lange Bestand haben. Aber wenn sich zur richtigen Zeit eine Fotografin oder ein Fotograf einfindet um spektakuläre  Bilder festzuhalten, so kann auch diese  „Kniepsandkunst“ bewahrt bleiben.

Es gibt mit Sicherheit weitaus mehr Künstlerinnen oder –künstler die mit ihren Aktionen rund um den Kniepsand tätig sind oder waren als hier beschrieben worden sind. Die „Nichterwähnten“ sollen sich nicht vernachlässigt fühlen und dürfen gerne Kommentare schreiben oder auf andere Art und Weise auf sich aufmerksam machen. Jeder Künstler ist auf Amrum willkommen und verdient es beachtet zu werden.

Über Peter Totzauer

Dr. med. Peter Totzauer, Facharzt für Allgemeinmedizin, Facharzt für Anästhesie, Notfallmedizin, Spezielle Schmerztherapie, geb. 1954 in Fürth/Bay., hat, bedingt durch den Beruf des Vaters, als Kind u.a. 4 ½ Jahre in Frankreich gelebt. Abitur 1974 in Köln, Studium der Humanmedizin an der Universität Bonn. War seit 1982 ärztlich tätig, davon viele Jahre als Oberarzt in der Anästhesie und als Leitender Notarzt in Euskirchen. War 2007 für ein halbes Jahr im Rahmen einer „Auszeit“ vom Klinikalltag bei seiner Lebensgefährtin und mittlerweile Ehefrau Claudia auf Amrum. Dies hat ihm so gut gefallen, dass er seit Ende 2008 seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt ganz auf die Insel verlegt hat und hier seit 2010 mit in der „Praxis an der Mühle“ gearbeitet hat. In 2024 ist er endgültig in den ärztlichen Ruhestand getreten. Er hat zwei erwachsene Kinder, sein Sohn ist niedergelassener Physiotherapeut in Neuss, seine Tochter ist Lehrerin an der Öömrang Skuul.

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