Vieles ist schon über die Amrumer Heidelandschaft und deren Pflege berichtet worden. Es wird aber nicht langweilig immer wieder auf dieses typische Amrumer Landschaftsbild aufmerksam zu machen, entfaltet die Heide doch jedes Jahr im August und September ihre Blütenpracht auf der Insel. Das dies so ist, und damit dies so auch so bleibt, wird eine gezielte Heidepflege betrieben, die vornehmlich dem Engagement der Amrumer Naturschutzorganisationen (V .a. dem Öömrang Ferian i. f. und der Naturschutzkoordination der Amrum Touristik AöR) sowie vielen ehrenamtlichen Helfern zu verdanken ist.
Die Heide auf Amrum setzt sich aus mehreren Arten zusammen. Hauptsächlich sind dies die Besenheide Calluna vulgaris und die Krähenbeere Empetrum nigrum. Seltener findet man, hauptsächlich an feuchten Standorten, auch die Glockenheide Erica tetralix. Alle diese Arten kommen mit den für Amrum typischen nährstoffarmen Böden gut zurecht.
Die Heideflächen sind wichtige Lebensräume für viele Kleinstlebewesen wie z. B. den Schmetterlingen und Nachtfaltern Kleines Nachtpfauenauge, Kleiner Weinschwärmer oder Heidekraut Glattrückeneule, deren Raupen sich hauptsächlich vom Heidekraut ernähren. Bei entsprechenden Witterungsverhältnissen mit morgendlicher Taubildung kann man oftmals auch die vielen Netze kleiner Spinnentiere beobachten.
Die Heide auf der Amrumer Geest gehört zu den ältesten Kulturlandschaften Schleswig-Holsteins und ist als geschütztes Biotop durch Bundes- und Landesnaturschutzgesetze geschützt.
In früheren Zeiten war Amrum nahezu baumlos und noch im Mittelalter nahm die Heide den gesamten Geestkern der Insel ein. Um 1900 waren es noch ca. 400 ha (= 4 Millionen qm). Durch Aufforstung, Wege- und Siedlungsbau sowie Landwirtschaft schrumpfte diese Fläche deutlich. Heute kann man die Heide v. a. noch zwischen Nebel und Norddorf bewundern und insbesondere im Bereich der Vogekoje Meeram erstrahlt sie zur Blütezeit lila-violett. Ein Gang auf dem Bohlenweg rund um die Vogelkoje ist absolut empfehlenswert. Aber auch im Bereich der Süddorfer Aussichtsdüne und in der Dünenlandschaft südlich des Leuchtturms ist die purpurfarbene Pracht anzutreffen.
Wird keine Heidepflege betrieben, verbuscht die Heide und geht schließlich in einen Wald über. Eine Überwucherung mit Pionierbaumarten, allem voran die Amerikanische Spätblühende Traubenkirsche, aber auch Birke und Kiefer drohen überhand zu nehmen. Pionierbäume sind anspruchslose, schnell wachsende und sich rasch ausbreitende Pflanzen, die ursprünglich nicht in einem entsprechenden Lebensraum anzutreffen sind und auf nährstoffarmen und gestörten Böden wachsen. Auch Brombeeren und die Kartoffelrose Rosa rugosa gehören hierzu. Findet keine regelmäßige Bewirtschaftung oder entsprechende Pflege der Heide statt tritt ein Alterungsprozess ein, der letztendlich zum Absterben der Pflanze führt.
Bis Anfang des 20sten Jahrhunderts wurde die Heide von der Inselbevölkerung zum Binden von Besen (daher auch die Bezeichnung „Besenheide“) und v. a. als Streugut für Stallungen und als Brennmaterial genutzt. Dies bedeutete eine regelmäßige Verjüngung der Landschaft und es entstand ein Nebeneinander unterschiedlicher Heidestrukturen mit einer großen Artenvielfalt an Faltern und Käfern. Nach einer Heideernte dauerte es übrigens ca. 30 Jahre, bis wieder Brennmaterial geerntet werden konnte. Insgesamt kann der verholzende Zwergstrauch bis zu 40 Jahre alt werden.
Heute trägt niemand mehr die Heide zur Brennholzgewinnung ab, und so ist es eben wichtig andere Maßnahmen zur Erhaltung der Heidelandschaft zu ergreifen. Kleine Teile der Heide werden maschinell vom Amrumer Reetdachdecker gemäht, der das Mahdgut zum Bau der Firste an den friesischen Reetdächern einsetzt. Diese traditionelle Nutzung der Besenheide bietet dann oftmals auch den für die Insel typischen „Austernfischern“ eine Nistplatzmöglichkeit.
Der Großteil der Flächen wird jedoch, wie bereits erwähnt, von den Naturschutzorganisationen gemeinsam mit der Unteren Naturschutzbehörde, bearbeitet. Wurden diese Pflegemaßnahmen vor einigen Jahren überwiegend händisch durchgeführt, kamen in letzter Zeit auch vermehrt maschinelle Arbeiten zum Einsatz, da insbesondere die Traubenkirschen und die Brombeeren sich sehr tief bzw. sehr breitflächig verwurzeln und nur mit großem Kraftaufwand zu beseitigen sind. Damit die entfernten Pionierpflanzen nicht erneut austreiben gilt es das gesamte Wurzelwerk mit zu entfernen. Die Befreiung der Heideflächen von Gehölzen nennt man „Entkusseln“, wohingegen beim „Plaggen“ eine Abtragung der gesamten Vegetationsschicht und Humusauflagen auf kleinen Arealen bei strak vergrasten Heideflächen vorgenommen wird. Danach kann die Heide wieder aus den Samen in der Erde neu heranwachsen.
150 verschiedene Käferarten, von denen 17 auf den Roten Listen als vom Aussterben bedroht verzeichnet sind können in einer Heidelandschaft leben, und dass die Heidepflegemaßnahmen der letzten fünf Jahre auf Amrum von Erfolg gekrönt sind, zeigen die letzten Insektenkartierungen mit einem nachweisbaren Zuwachs an entsprechenden Lebewesen.
Der Nektar der Heideblüten enthält 24% Zucker, was u. a. auch viele Bienen und Hummeln anlockt. Wenn ein laues Lüftchen weht kann es der Spaziergänger, der an einem der großen Heidefelder entlang geht, auch riechen. Wenn sich der süßlich schwere und honigartige Duft über die Landschaft verbreitet sagt man, dass die Heide „honigt“. Es gibt zwar Insulaner, die mit ihren Bienenvölkern einen vorzüglichen Heidehonig produzieren, der bis zu 80% Zucker (hauptsächlich Glukose und Fruktose) enthält und der auf verschiedenen Dorffesten auch verkauft wird, jedoch spielt eine weitergehende professionelle Imkerei auf Amrum keine große Rolle.
Die Besenheide war 2019 die „Blume des Jahres“. Eigentlich beläuft sich die Hauptblütezeit vom Spätsommer bis in den Herbst, sprich von Mitte August bis weit in den September hinein. In den letzten Jahren konnte man jedoch den Eindruck gewinnen, dass die Blütenpracht immer früher auftritt. So hat man dieses Jahr vereinzelt bereits Ende Juli die ersten Heidenblüten beobachten können. Als Grund hierfür ist anzunehmen, dass dies mit den veränderten jahreszeitlichen Witterungsverhältnissen der letzten Monate auf Amrum, milder Winter, heißer Frühsommer, verregneter Hochsommer, zu tun hat. Der Klimawandel lässt grüßen.
Übrigens findet auf Amrum die nächste händische Heidepflegeaktion am Sonntag dem 17. August 2025 statt. Wer Lust und Laune hat kann gerne hinzukommen und mithelfen. Treffpunkt ist um 11:00 Uhr in Höhe Picknickplatz am Tanenwai Nebel/Westerheide in Richtung Norddorf kurz vor dem Abzweig zur Vogelkoje. Oder man wendet sich an die Naturschutzkoordination der Amrum Touristik unter naturschutz@amrum.de .
AmrumNews Online-Zeitung der Insel Amrum











