Die „Küken“ sind da – die neuen Freiwilligen im Naturschutz stellen sich vor …

Die Freiwilligenteams des Öömrang Ferian und der Schutzstation Wattenmeer lernen sich im Naturzentrum beim Pottwal kennen.

Vielleicht ist der einen oder dem anderen aufgefallen, dass es aktuell auf Amrum im Bereich des Naturschutzes ungewöhnlich viele junge Menschen im Freiwilligendienst gibt? Es ist Teamwechsel bei der Schutzstation Wattenmeer und beim Öömrang Ferian. Mit Unterstützung der hauptamtlichen Leitungen arbeiten die erfahrenen „Altvögel“ die neu angekommenen „Küken“, so nennen sie sich untereinander liebevoll, in die vielfältigen Aufgaben des Naturschutzes ein. Denn, sie sind es, die sich in besonderem Maße für den Naturschutz auf Amrum engagieren und vor allem Gästen die schützenswerte Natur näherbringen.

Doch welche Aufgaben kommen auf die „Küken“ zu? Die Teams kümmern sich um die jeweiligen Ausstellungen der Nationalparkhäuser auf Amrum: Die Natour-Düne der Schutzstation Wattenmeer beim Badeland in Wittdün und das Naturzentrum des Heimat- und Naturschutzvereins Öömrang Ferian am Strandübergang in Norddorf.

Mit Herzblut zeigen die Freiwilligen den BesucherInnen die Ausstellungen, erzählen Geschichten dahinter, beantworten Fragen und nehmen Meldungen zu Robben entgegen. Sie organisieren Mitmachaktionen, kümmern sich um die Aquarien und machen den Ausstellungsbesuch lebendig, persönlich und besonders.

Ihr Einsatz endet aber nicht an der Ausstellungstür: Auf Führungen durch das Watt, die Dünen, am Strand und in den Salzwiesen zeigen sie die großen und kleinen Wunder der Insel. Sie begeistern die Gäste für die Tier- und Pflanzenwelt des Wattenmeers und nehmen bei den archäologischen Führungen die BesucherInnen mit auf eine Zeitreise.

Zudem unterstützen die Freiwilligen bei den regelmäßigen nordseeweiten Vogelzählungen, kartieren Wattorganismen, kontrollieren Spülsäume und Lebensräume der Kreuzkröte und engagieren sich in Naturschutzprojekten wie beispielsweise den Strandinseln. Die Freiwilligen des Vereins Öömrang Ferian, der mehrere große Schutzgebiete der Insel betreut, sind darüber hinaus häufig auf Kontrollgängen in diesen Gebieten unterwegs und übernehmen Reparaturarbeiten im Gelände. Sie führen Pflegeaktionen in den Dünen- und Heidegebieten durch, bei denen Unterstützung von InsulanerInnen und Gästen immer willkommen sind, und engagieren sich bei besonderen Projekten wie zum Beispiel der Insektenkartierung.

Gerade in der Hochsaison bleibt da wenig Raum für Freizeit, doch die ruhigen Winterabende kommen bestimmt. Dann ist es schön, wenn man Gleichgesinnte hat, mit denen man sich austauschen kann.

So waren die Koffer der jungen „Küken“ noch nicht einmal ausgepackt, da lud das Naturzentrum bereits zu einem gemeinsamen Kennenlernen der Freiwilligen beider Vereine in die Pottwalausstellung ein.

Das neue Freiwilligenteam der Schutzstation Wattenmeer sind begeistert vom Skelett des Pottwals.

Was hat Lena, Kristin und Carlotta – alle drei tief verwurzelt in Nordrhein-Westfalen – dazu gebracht, bei der Schutzstation Wattenmeer auf Amrum einen Freiwilligendienst zu absolvieren? „Ich war letztes Jahr auf Amrum im Urlaub. Besonders das Watt und die Dünenlandschaft faszinierten mich. Daher wollte ich unbedingt hier ein Freiwilliges Ökologisches Jahr absolvieren“, erklärte Lena. Kristin ging es ähnlich, sie kennt Amrum von mehreren Urlaubsreisen sogar schon etwas länger. Nach der Schule direkt studieren? Nein, das konnte sie sich nicht vorstellen. Ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) auf Amrum war ihr Ziel und so hatte sie sich riesig über die Zusage der Schutzstation Wattenmeer gefreut. Und Carlotta? Sie ist das erste Mal auf Amrum und möchte das Jahr nutzen, um sich auch beruflich zu orientieren.

Fehlt noch der Vierte im Bunde: Janne kommt aus Schleswig-Holstein ganz in der Nähe von Hamburg und schmunzelte: „Ich habe zwei ältere Schwestern. Die eine absolvierte einen Bundesfreiwilligendienst auf Sylt und die andere auf Föhr bei der Schutzstation Wattenmeer. Dann musste ich für ein BFD natürlich nach Amrum gehen“.

Das Team des Naturzentrums (hintere Reihe v. l.): Karen Heidemann (Leiterin), Teresa Benzing (Stv. Leiterin), die „Altvögel“ Max, Antonia, Johanna, Ronja und Samuel. (Vordere Reihe v. l.): die „Küken“ Mila, Luca, Lilith, Idita.

Und wie sieht das neue Team des Öömrang Ferian aus? Zum ersten Mal ist es ein internationales Team: Idita kommt aus Schweden. „Im Team arbeiten und leben und sich gemeinsam für die Natur einsetzen ist meine Motivation für ein FÖJ auf Amrum“, erklärte Idita. „Ich bin hier mit einer so großen Offenheit und Herzlichkeit empfangen worden. Ich freue mich, wenn ich hier auch kulturell etwas einbringen darf. Ich kann zum Beispiel im Dezember zu Schwedens traditionellem Luciafest „Lussebullar“ backen“.

Aus Frankreich in der Nähe von Straßburg ist Mila für ihr BFD angereist. Sie ist wie Idita zweisprachig aufgewachsen. „Ich möchte mich nützlich machen und ich interessiere mich sehr für die friesische Kultur“, erklärte Mila. „Außerdem koche ich gerne und kann sicherlich die eine oder andere elsässische Spezialität auftischen“. Eine weite Anreise hatte auch Luca. Sie kommt aus Schwörstadt am Rhein, direkt an der Schweizer Grenze. Sie liebt Inseln und möchte ihr FÖJ dafür nutzen, um mit Menschen zusammen für den Naturschutz zu arbeiten.

Lilith verbrachte ihre ersten Lebensjahre auf Amrum. Kurz vor Beginn Ihrer Schulzeit zog die Familie nach Leipzig. „Amrum ist für mich immer Heimat geblieben. Es ist einfach so unheimlich schön hier“, schwärmte Lilith und freut sich sehr darüber, beim Öömrang Ferian ihr BFD absolvieren zu dürfen.

Das Foyer der Pottwalausstellung des Naturzentrums Amrum wird zur Tanzbühne.

Nachdem alle gut gesättigt waren, wurde kurzerhand das abendliche Foyer der Pottwalausstellung in eine Tanzbühne umgestaltet: Die „Altvögel“ brachten den „Küken“ die „Schutten-Tänze“ bei: So tanzten sie alle zusammen „Sing Hallelujah!“ von Dr. Alban oder „Tanz den Spatz“ von Sven van Thom. Die Stimmung war großartig!

Die „Altvögel“ blicken auf ein unvergessliches Jahr auf Amrum zurück: „Das Jahr auf Amrum war das Beste, was mir passieren konnte! Die Natur ist einfach einzigartig, besonders die Vogelwelt hat mich begeistert. Und ich habe hier ganz viele tolle Menschen kennengelernt. Das Zusammenleben in der WG war wie in einer Familie. Ich werde das vermissen“, so Samuel vom Öömrang Ferian.

„Aber wir werden wiederkommen“, versprach Johanna, „vielleicht schon zu Silvester und vielleicht auch zur Möwenbrutvogelkartierung im nächsten Jahr an Himmelfahrt“.

Max darf zur Einarbeitung der „Küken“ einen Monat länger bleiben: „Die letzten Tage möchte ich noch genießen: jeden Tag ins Wasser gehen, jeden Abend Meeresleuchten bestaunen, und ich freue mich sehr darauf, die kommenden Freiwilligen-Generationen zu besuchen“.

Mit dem Abschied der „Altvögel“ werden die „Küken“ flügge. Ab jetzt sind sie ein Jahr lang das Gesicht der Naturschutzvereine – auf dass es eines der besten ihres Lebens wird!

Über Karen Heidemann

Karen Heidemann erblickte das Licht der Welt 1963 in Bremen, nach dem Abitur folgten eine Ausbildung zur MTRA und erste Berufsjahre in Bremer Kliniken, 1988 Studium der Biologie in Oldenburg, entdeckte dort ihre Leidenschaft für die Botanik, schloss ein Auslandsstudium in den USA mit Forschungstätigkeit im Yellowstone Nationalpark ein, war nach ihrem Diplom 1995 als Biotopkartiererin in den neuen Bundesländern unterwegs, wechselte 1996 an die Uni Trier als Wissenschaftliche Mitarbeiterin, entdeckte dort im Rahmen einer ehrenamtlichen Vereinstätigkeit ihre zweite Leidenschaft: Umweltbildung. Ging im Jahr 2000 nach Köln, um als Bildungsreferentin / Projektleiterin in der nachuniversitären Weiterbildung Schwerpunkt Medizin tätig zu werden. Nachdem ihre 2 Töchter zwecks Studiums eigene Wege gingen, verwirklichte sie 2023 ihren Traum, auf einer Nordseeinsel zu leben und kam nach Amrum. Dort war sie in den Bereichen Umweltbildung und Schutzgebietsbetreuung am Naturzentrum in Norddorf tätig, 2025 übernahm sie dort die Leitung.

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