Amrumer Details 16 – Strandkörbe …

Sie gehören zum Inselbild einfach dazu: Strandkörbe. Nicht nur am Strand sieht man sie, auch auf öffentlichen Plätzen, in etlichen Gärten und sogar auf dem einen oder anderen Balkon sind sie zu finden. Die Amrumer Strandkörbe sind auf der Insel allgegenwärtig. Zumindest in den Sommermonaten und in kleinerer Anzahl auch in der Vor- und Nachsaison. Im Herbst werden sie gesäubert um dann den Winter über unter Kunststoffhüllen zu verschwinden oder um in den Strandkorbhallen eingebunkert und repariert zu werden. Dort warten sie dann auf den nächsten Frühling.

Sechs Strandkorbvermietungen gibt es auf Amrum, je einen in Wittdün (Holger Lewerenz, Strandbar Seehund), am Süddorfer- (Thorsten Ertel) und am Nebeler Strand (Nils Randow und Kalle Wruck) und drei am Strandübergang Norddorf (Boyens, Jannen, Martinen). Oftmals sind es Familienbetriebe, die die Körbe und andere Strandartikel anbieten. Die Mietpreise richten sich nach den Stellorten (z. B. „an den Dünen“ oder „am Wasser“) und nach den Mietzeiten. Aktuell belaufen sich die Mietpreise zwischen 15 € und 19 € pro Tag, bzw. 60€ und 70 € pro Woche.

Es sind wohl um die 1300 Körbe, die am Kniepsand angemietet werden können. Zählt man noch die große Menge der öffentlich zu nutzenden Körbe und die privaten bzw. zu den Ferienunterkünften gehörigen dazu, kann man annehmen, dass fast auf jeden Amrumer Einwohner ein Strandkorb kommt.

Strandkörbe gelten als deutsches Phänomen und sind an Nord- und Ostsee ein fester Bestandteil der Strandkultur. In den niederländischen Seebädern, in denen sie um die Wende zum 20. Jahrhundert noch in großer Zahl vorhanden waren, sind sie nach dem Zweiten Weltkrieg von Liegestühlen abgelöst worden. Auch an den englischen, dänischen oder polnischen Küsten, an deren Stränden eine ähnliche Witterung wie auf Amrum vorherrscht, kommen sie nur selten vor. Für das Wort Strandkorb gibt es übrigens auch keine Übersetzung in andere Sprachen. Auch im Englischen und im Französischen heißt der Strandkorb eben Strandkorb.

Der Strandkorb ist ein spezielles Sitz- und Ruhemöbel für den Strand und besteht aus einem zweiteiligen Holzgestell mit Korbgeflecht, wobei sein oberes Element eine halbrund gewölbte, überdachte Sitznische bildet. Die Auskleidung mit wetterfestem Stoff schützt vor Wind, Sonne, Regen und Sand. Viele Strandkörbe haben ausziehbare Fußkästen, Markisen und Klapptischchen. Mittlerweile gibt es auch Sonderanfertigungen in verschiedenen Größen, z. B. für Kinder oder Hunde, oder in „Übergrößen“, die Platz für mehr als die üblichen zwei Personen bieten. Abschließbare, ausziehbare und vollüberdachte Varianten in denen man bequem übernachten kann werden ebenso für viel Geld zum Kauf angeboten wie Luxuskörbe mit integrierter Bar. Viele Strandkorbbesitzer lassen sich auch immer wieder neue Korbmotive einfallen um den Individualisten in ihrem Darstellungsdrang entgegen zu kommen. Schrille Farben der Korbgeflechte, Inselmotive, Herzchen oder Fußballvereinsfarben sind hierfür Beispiele.

Generell sind die Körbe in der Anschaffung nicht gerade billig. Zwar kann man schon für unter 500,00 € ein derartiges Sitzmöbel erstehen, wobei man für wirklich strandtaugliche Exemplare so um die 1200,00€ anlegen sollte. Und für die Spezialanfertigungen ist ein Preislimit nach oben offen. Da die Körbe, zumindest auf Amrum, dem Wetter, Sand, Salz und Sonne ausgesetzt sind, benötigen sie eine gute Pflege um lange in Schuss zu bleiben. Aber durchschnittlich nach nur 5 Saisonzeiten am Kniep müssen sie ersetzt werden. Die „Alten“ kann man dann ggf. noch günstig erwerben.

Unterschieden wird vor allem zwischen einer Ostseeform mit abgerundeten, geschwungenen Seitenteilen und einer gebogenen Haube und einer Nordseeform mit geraden Seiten und kantig wirkendem Oberteil. Auf den Nordseeinseln Amrum und Föhr hat man sich schon vor langer Zeit einheitlich für die Ostseeform entschieden, möglicherweise um im klaren Kontrast zur hassgeliebten Insel Sylt zu stehen, so behaupten böse Zungen.

Die Herstellung von geflochtenen Weidensesseln mit hochgezogenem Rückenteil wurde in Europa bereits Ende des 16. Jahrhunderts beschrieben. Ob überdeckte Stühle vor 1870 außerhalb von Häusern genutzt wurden ist nicht bekannt. Erst am Ende des 19. Jahrhunderts wurden in holländischen und deutschen Seebädern „Strandstühle“ populär.

Als eigentlicher Erfinder des Strandstuhls gilt der Rostocker Hof-Korbmachermeister Wilhelm Bartelmann. Die Entstehungsgeschichte ist, dass sich im Frühjahr 1882 eine an Rheuma leidende ältere Dame namens Elfriede von Maltzahn eine schützende Sitzgelegenheit für den Strand wünschte, um trotz Krankheit einen Sommeraufenthalt in Warnemünde genießen zu können. Die geschäftstüchtige Ehefrau von Wilhelm Bartelmann, Elisabeth Bartelmann, erkannte das wirtschaftliche Potential und zusammen mit dem  Korbmacher Johann Schaft aus Graal  wurden die noch heute verwendeten Strandkörbe entwickelt. Bereits im Sommer 1883 kam es in der Nähe des Leuchtturms von Warnemünde zur ersten Vermietung der Körbe.

Interessant wird es, wenn im Sommer am Kniepsand hohe Wasserstände gemeldet werden oder sogar eine Sommersturmflut kommt. Dann werden die Strandkorbvermieter ganz umtriebig und bringen die Körbe bis an die zu erwartende Wasserkante und ggf. an den Dünenrand in Sicherheit.

Auf dem Kniepsand gibt es keine natürlichen Schattenspender, so bietet sich ein Strandkorb als Schutz vor allzu viel Sonnenstrahlen an. Da der feine helle Sand und ebenso das Wasser jedoch die  UV-Strahlen reflektieren, ist man auch im Strandkorb nicht vor Sonnenbrand sicher und jeder sollte sich immer gut mit Sonnenschutzmitteln eincremen, egal ob man in einem Korb sitzt oder nicht. Zudem kann es in der  windgeschützten Sitznische ganz schön heiß werden und für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr muss ebenfalls gesorgt werden. Bläst, was auf Amrum häufig vorkommt, ein kräftiges Lüftchen, kann man den Strandkorb entsprechend drehen um dann windgeschützt zu sitzen und um sich auch vor allzu viel Flugsand zu schützen. Wobei das mit dem Sand so eine Sache ist. Kommt man nach einem Strandaufenthalt nach Hause, findet man in den Socken, Schuhen, Taschen, Ohren und jeder Körperfalte immer genug „Erinnerungssand“.

Über Peter Totzauer

Dr. med. Peter Totzauer, Facharzt für Allgemeinmedizin, Facharzt für Anästhesie, Notfallmedizin, Spezielle Schmerztherapie, geb. 1954 in Fürth/Bay., hat, bedingt durch den Beruf des Vaters, als Kind u.a. 4 ½ Jahre in Frankreich gelebt. Abitur 1974 in Köln, Studium der Humanmedizin an der Universität Bonn. War seit 1982 ärztlich tätig, davon viele Jahre als Oberarzt in der Anästhesie und als Leitender Notarzt in Euskirchen. War 2007 für ein halbes Jahr im Rahmen einer „Auszeit“ vom Klinikalltag bei seiner Lebensgefährtin und mittlerweile Ehefrau Claudia auf Amrum. Dies hat ihm so gut gefallen, dass er seit Ende 2008 seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt ganz auf die Insel verlegt hat und hier seit 2010 mit in der „Praxis an der Mühle“ gearbeitet hat. In 2024 ist er endgültig in den ärztlichen Ruhestand getreten. Er hat zwei erwachsene Kinder, sein Sohn ist niedergelassener Physiotherapeut in Neuss, seine Tochter ist Lehrerin an der Öömrang Skuul.

schon gelesen?

Ehrungen, Beförderungen und Neuwahlen bei den beiden Nebeler Feuerwehren …

Jahreshauptversammlungen statt Großbrände: Auf Amrum ist der Jahresbeginn traditionell die Zeit der Rückblicke, Wahlen und …

Schreibe einen Kommentar

WP2Social Auto Publish Powered By : XYZScripts.com