Strandinselprojekt neigt sich dem Ende …

Strandinsel mit Infoschild

Die Brutzeit und damit auch das Strandinselprojekt neigt sich dem Ende zu. Erste Eindrücke zeichnen ein positives Ergebnis.

Die mit Holzpfosten und Hanfseil befriedeten Strandbereiche wurden sowohl von Sandregenpfeifern als auch von Austernfischern und einem Zwergseeschwalbenpaar zur Brut- und Setzzeit aufgesucht.
Besonders beliebt war die Strandinsel bei Westerheide, hier wurden insgesamt vier Gelege nachgewiesen. Die Zwergseeschwalbe, die es in dieser Insel versuchte, brütete am Rand der Strandinsel und war damit häufigen Störungen durch Spaziergänger:innen, Hunden ausgesetzt und gab das Gelege auf. Die Art gilt jedoch auch als sehr heimlich und störungsempfindlich. Eine Aufgabe des Geleges wurde aufgrund des randlichen Standortes vermutet.
Möwe prädiert das Austernfischergelege

Ein Sandregenpfeifer brütete viele Wochen, wurde dann aber vom Brutgeschehen abgelenkt und gab das Gelege ebenfalls auf, der Grund dafür ist nicht eindeutig. Vermutet wird, dass eine längere Schlechtwetterperiode in Kombination mit dem vermehrten Auftreten von Möwen den Vogel zum Aufgeben des Geleges gebracht hat.

Schlussendlich konnten aber noch drei Sandregenpfeiferküken in der Strandinsel schlüpfen und aufgezogen werden. Auffällig war hier, dass das Paar mit den Küken die Strandinsel auch während der Kükenaufzucht nutzte. Es ist davon auszugehen, dass die Vögel die geringere Störung in dem befriedeten Bereich des Strandes wahrnehmen und für sich nutzen.
Austernfischer mit Küken in einer Strandinsel

In den Strandinseln in Nebel und Süddorf brütete jeweils ein Austernfischerpaar. In Nebel konnte der Austernfischer das Gelege vor lungernden Möwen verteidigen und es schlüpften zwei Küken.

In Süddorf wurde das Gelege durch Sturmmöwen prädiert.
All diese Beobachtungen konnten durch Nestkameras erfolgen. Die Strandinseln wurden einmal in der Woche durch Freiwillige der Schutzstation Wattenmeer e.V. kontrolliert. Sofern Gelege nachgewiesen werden konnten, wurden Kameras platziert, sodass Aussagen zum Bruterfolg, zur Aufgabe des Geleges oder zur Prädation und anderen Störungen getroffen und dokumentiert werden konnten.
Salzkraut in einer Strandinsel

Auch für die Strandvegetation und die Dünenentwicklung haben die Befriedungen einen positiven Effekt. Insbesondere in Süddorf, aber auch in Nebel ist zu beobachten, dass im Bereich der Strandinseln die Primärdünen stärker gewachsen und von Strandhafer begrünt wurden. Meersenf, Salzkraut und Salzmiere finden sich auch an anderen Abschnitten des Strandes sowie am Dünenfuß, können sich in den Strandinseln jedoch ohne Vertritt entwickeln.

Meersenf in Blüte

Schäden an den Strandinseln gab es kaum, lediglich ein Pfosten musste ersetzt werden. Die Strandinseln werden Anfang Oktober, pünktlich vor den Herbststürmen abgebaut. Das Material wird über den Winter eingelagert und im Frühjahr nächsten Jahres wieder aufgebaut.

Salzmiere in einer Strandinsel von Sand umweht

Denn auch wenn in diesem Jahr nur vereinzelt Brutpaare in den Strandinseln beobachtet wurden, ist der positive Effekt der beruhigten Strandabschnitte deutlich zu erkennen. Denn außerhalb der Strandinseln wurden keine Gelege von Sandregenpfeifern oder Seeschwalben nachgewiesen.

Aufbau der Strandinseln im Frühjahr 2025 Schutzstation Wattenmeer ©NIna Löschner

Am Kniephaken im Süden Amrums, der ebenfalls abgesperrt ist, konnten wiederum mehrere Zwergseeschwalben in diesem Jahr erfolgreich brüten. Der Öömrang Ferian i.F. konnte hier Anfang Juli 2025 insgesamt 132 Zwergseeschwalben sowie acht Gelege und insgesamt 15 Küken der Art nachweisen. Leider war dies aber auch die einzige Zwergseeschwalbenkolonie mit Bruterfolg im Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer. Dies zeigt zum einen, wie bedeutend jedes Gelege für den Erhalt der seltenen Zwergseeschwalben ist, und zum anderen, welche hochgradige Bedeutung die befriedeten Strandabschnitte als Rückzugsräume für Tier- und Pflanzenarten haben.

Bei Fragen zum Projekt wenden Sie sich gern an die Naturschutzkoordination der AmrumTouristik AöR unter naturschutz@amrum.de.

Über Hanna Zimmermann

Hanna Zimmermann ist seit Juli 2021 auf Amrum als Naturschutzkoordinatorin bei der AmrumTouristik AöR tätig. Im Ruhrgebiet geboren, zog sie es für ein Freiwilliges ökologisches Jahr an die Küste St.Peter-Ordings. Nach dem Masterstudium der Landschaftsökologie sowie mehreren Auslandsaufenthalten arbeitete sie als Landschafts- und Umweltplanerin. Der Wunsch praktischen Naturschutz zu gestalten und die Möglichkeit auf Amrum für Naturschutz und in der Landschaftspflege zu arbeiten zog sie erneut in den hohen Norden. Im Team der AmrumNews schreibt sie vor allem über die laufenden Projekte und Aktionen im Naturschutz auf der Insel.

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