Die erzählenden Grabsteine „sprechen“ jetzt auch auf Deutsch und Öömrang …

Ortsbesichtigung durch Schüler der Friesisch AG. Foto: Anna Jannen

In der Saison finden immer dienstags Führungen durch die St. Clemens-Kirche und zu den historischen Grabsteinen statt. Hier geben u.a. Karin und Ralf-Sigmar Simon dem Besucher Einblicke in die Amrumer Geschichte, erläutern die Schätze der 785-jährigen Kirche und sie berichten über die Bedeutung der alten Grabsteine für die Insel. Ein lang geplantes Vorhaben, über den QR-Code, einige Grabsteine mit Audiodateien zu belegen, setzten Karin und Ralf-Sigmar Simon in die Tat um und fragten Peter Lückel ob er das realisieren könne. Peter holte sich die Lehrerin Anna Jannen dazu, die mit der friesischen Sprache aufgewachsen ist. So kam „Der Stein ins Rollen!“. Karin und Ralf-Sigmar Simon, Peter Lückel, Reinhard Jannen und Anna Jannen und ihrem Team aus Schüler*innen der Öömrang Skuul haben wir es zu verdanken, dass die Inschrift von zunächst zehn Grabsteinen nun nicht nur auf Deutsch, sondern auch in der Muttersprache der Verstorbenen – dem Öömrang – zu hören ist.

Übersetzungshilfe. Foto: Anna Jannen

Als Erstes unternahmen einige Schüler*innen der Friesisch-AG von der Öömrang Skuul eine Ortsbegehung bei den erzählenden Grabsteinen, danach wurde das Vorhaben im Friesischunterricht unter der Leitung von Anna Jannen in die Tat umgesetzt. Die Inschriften von zunächst 10 ausgewählten Grabsteinen wurde niedergeschrieben und anschließend unter Mithilfe des „NEI FERING-ÖÖMRANG WURDENBUK“ (Neues Föhr-Amrumer Wörterbuch) ins Öömrang übersetzt, das war keineswegs eine leichte Aufgabe! Reinhard Jannen von der Ferring Stiftung hat das Projekt tatkräftig unterstützt und am Ende alle Übersetzungen lektoriert. Die Audiodateien wurden dann auf Deutsch und Öömrang von den Schüler*innen eingelesen und auf der Webseite eingebunden. „Das war schon eine große Nummer, aber wir haben sie bewältigt“, sagt Lehrerin Anna Jannen. Vielen Dank – auch im Namen von Karin Simon – denen, die daran beteiligt waren – Föl soonk jo diaruun bedialagt wiar.

Dabei waren: Lehrerin Anna Jannen, sowie die Schüler*innen Leve Andresen, Paul Baron, Fiete Dwornik, Luis Frädrich, Lisa-Marie Ingwesen, Tewe Quedens, Hannah Stein, Tjorben Thomas, sowie Reinhard Jannen und Peter Lückel.

Grabstein von Oluf Jensen mit Audio-QR-Code. Foto: Gerd Arnold

Die „erzählenden Grabsteine“ an der St. Clemens-Kirche von Amrum

Diese, u.a. aus Oberkirchener Sandstein, historischen Grabsteine von Walfängern und Kapitänen der Insel Amrum sind meist zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert entstanden lagen Jahrzehnte an der Innenseite des Friedhofswalls. Ein äußerst ungünstiger Standort, denn dort wurden sie durch die Witterung stark geschädigt. Die Inschriften wurden mit der Zeit immer unleserlicher und so mancher Stein begann an abzubröckeln. Bereits 1928 wurden Maßnahmen zum Erhalt der Steine gefordert, doch es mussten über 80 Jahre vergehen, ehe etwas geschah.

2012/2013 ließ eine Amrumer Projektgruppe 169 Grabsteine, die heute unter Denkmalschutz stehen, aufwendig restaurieren. Nun befinden sie sich geordnet auf dem alten Friedhof an der St. Clemens-Kirche in Nebel. Genauer gesagt auf einem extra angelegten 450 qm großen Areal und einige große historische Grabsteine befinden sich außen an der Kirchenmauer.

Auf den alten Grabsteinen und -platten kann der Besucher die Geschichte des Verstorbenen nachlesen. Hier erfährt man neben dem Geburts- und Sterbedatum auch so einiges aus seinem Leben, dabei sind auch abenteuerliche Geschichten.

Dem Besucher wird hier somit ein Einblick in das Leben der Inselbewohner zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert ermöglicht.

Nicht nur Text ist auf den Steinen zu finden, es sind auch verschiedene Schiffstypen, die Symbole für Liebe (Herz), Glaube (Kreuz) und Hoffnung (Anker) und auch Blumen wie Rosen und Tulpen eingemeißelt.

Grabsteinsymbole können nicht nur die Persönlichkeit, den Glauben, die Interessen oder den Beruf des Verstorbenen symbolisieren, sondern auch seine einzigartige Identität betonen.

Hören Sie doch mal in eine Audiodatei rein – einfach mit ihrem Handy den QR-Code scannen. Grafik: Peter Lückel

NEU! Nun gibt es über Audiodateien Informationen zu derzeit 10 ausgewählten Grabsteinen

Neben einigen Grabsteinen befinden sich auf kleinen Täfelchen QR-Codes. Damit konnten die Besucher bisher die Inschrift auf dem Handy lesbar anzeigen lassen. Nun der nächste Schritt, denn jetzt ist es möglich, einige Grabsteine als „echte sprechende Grabsteine“ zu erleben. Diese Steine heben sich hervor, an den Metallstäben mit dem QR-Code sind kleine rote Streifen angebracht. Nun kann außer der Lesehilfe auch eine Audiodatei geöffnet werden, zur Auswahl stehen hier Deutsch oder Öömrang.

Diese zehn Steine sind bisher mit Audiodateien versehen:

Willem Claasen, Andres Fink, Antje Harken, Oluf Jensen, Erk Knudten, Christian Riese Mechlenburg, Hark Nickelsen, Harck Olufs, Jan Peters und Anna Tückes.

Mehr zu den „Erzählenden Grabsteinen“ gibt es im Internet unter: https://erzaehlende-steine.de/, hier gelangen sie auch zu den Audio-Dateien der o.a. ausgewählten Grabsteine.

Um den Erhalt und Pflege der erzählenden Steine bemüht sich der Verein zur Erhaltung der Historischen Grabsteine auf Amrum e.V..

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Über Gerd Arnold

Gerd Arnold, 1957 in Nebel auf Amrum geboren. Ein „echter“ Amrumer mit der friesischen Sprache (öömrang) aufgewachsen. Bis 1972 die Schule in Nebel besucht, danach Elektroinstallateur in Wittdün gelernt. 1976/77 in Wuppertal den Realschulabschluss nachgeholt. Ab Oktober 1977 als Berufssoldat bei der Bundesluftwaffe und seit November 2010 Pensionär. Nach vielen Jahren der verzweifelten Suche nach passenden „bezahlbaren“ Wohnraum auf Amrum endlich fündig geworden, seit Februar 2022 wieder ständig auf Amrum. 2019 ins Team der Amrum News integriert, aber das soll neben dem Angeln nicht die einzige Aktivität auf der Insel bleiben.

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