
Über 130 Menschen engagierten sich auf Amrum bei der Strandsäuberung am World Cleanup Day. Aber warum muss Amrums Kniepsand denn gereinigt werden? Der sieht doch eigentlich ganz sauber aus?
Etwa 11 Millionen Tonnen Plastik gelangen jährlich in die Meere. Nach Schätzungen des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) treiben bis zu 18.000 Plastikteile pro Quadratkilometer auf der Meeresoberfläche, und nur ein Bruchteil davon wird an unsere Küsten gespült. Vor diesem Hintergrund hat die Brauerei Flensburger die Mitmachaktion „FLENS StrandGut“ ins Leben gerufen und unterstützt damit auch die Strandreinigungen auf Amrum. Schätzungsweise sterben jährlich rund 100.000 Meeressäuger und eine Million Seevögel durch das Verheddern in oder das Verschlucken von Plastik. Daher verfolgt die Aktion nicht nur das Ziel, den Müll vom Strand zu entfernen, sondern auch das Bewusstsein der Menschen für die Belastung der Meere durch Plastikmüll zu schärfen.

Nach den Stürmen der vergangenen Tage startete die Aktion bei strahlendem Sonnenschein. Organisiert durch die Naturschutzverbände Schutzstation Wattenmeer und dem Öömrang Ferian sowie der Amrum Touristik AöR, begann sie zeitgleich an der Seehundsbar Wittdün und am Strandübergang in Norddorf. Die Naturschutzverbände gaben jeweils eine Einführung zum Ablauf der Aktion und informierten über alles, was gesammelt werden kann. Vor allem ging es um Plastikmüll, aber auch Glas, Metallteile und andere Materialien wie beispielsweise Paraffinklumpen sollten aus den Spülsäumen gefischt werden. Ausgestattet mit Handschuhen und Abfallbeuteln, die von den Bauhöfen Wittdün und Norddorf ausgegeben wurden, ging es mit viel Motivation los. Begleitet von den Teams der Schutzstation Wattenmeer und des Öömrang Ferian lief die eine Gruppe den Strand entlang gen Norden, die andere gen Süden zum gemeinsamen Treffpunkt am Strandübergang Nebel.

Durch die jüngsten Sturmfluten hatte das Wasser stellenweise bis an den Fuß der hohen Dünen reichlich Treibgut hinterlassen. So wurden alle HelferInnen beim Durchwühlen der Spülsäume schnell fündig: jede Menge kleine Plastikstücke in den verschiedensten Farben, Flaschendeckel, Teile von Fischernetzen und immer wieder die orangen und blauen Dolly Ropes. Diese reißfesten bis zu zwei Meter lange Fäden aus Polyethylen sind Scheuerschutzfäden, die in großer Zahl Schleppnetze vor Beschädigungen schützen sollen. Leider reißen sie sehr schnell von den Schleppnetzen ab und schwimmen in großen Mengen in den Meeren herum, informiert das Umweltbundesamt. Dort dauert es Jahrhunderte, bis sie sich zersetzen und Teil des bereits in großen Mengen entstanden Mikroplastiks werden. Mikroplastik treibt wie Plankton durch die Meere und gelangt über Filtrierer, wie beispielsweise Muscheln oder Bartenwale, in die Nahrungskette und so auch zu den Menschen. Seevögel können Dolly Ropes nicht von Algen oder Seegräsern unterscheiden und nutzen sie zum Nestbau. Darin verheddern sich ein Großteil der Küken bis sie schließlich verenden.

Die HelferInnen sammelten nicht nur fleißig den Müll, es gab auch viele Fragen zu Strandfunden zu klären: Was ist das, ist das Müll? Eine Helferin, die das erste Mal auf Amrum war, glaubte Plastik in ihrer Hand zu halten. Der etwas zerfledderte Klumpen entpuppte sich allerdings als ein Teil eines Geleges einer Wellhornschnecke. Auch der Meersalat (Ulva lactuca) kann aussehen wie Plastik. Diese grasgrüne Alge gilt weltweit in vielen Regionen, beispielsweise im Salat, als Delikatesse. Wird sie an den Strand gespült und trocknet an der Luft, wird sie weiß und kann leicht mit einer Plastikfolie verwechselt werden.

Besonders von Kinderaugen wurden so manche Meeresorganismen genau betrachtet. So suchte ein Kind im Spülsaum verschiedene Algen. Doch genau hingeschaut, entpuppte sich eine vermeintliche Alge zum großen Erstaunen der ganzen Familie zu einem Tier. Genauer gesagt handelte es sich um eine Kolonie aus tausenden Tierchen – den Blättermoostierchen.
Nach ca. dreistündiger Sammelaktion trudelten alle HelferInnen beim 54° Nord am Nebler Standübergang ein und übergaben ihre gefüllten Müllsäcke dem Bauhof Nebel. Alle freuten sich nun auf Speis und Trank: Die Bäckerei Schult spendierte drei große Bleche Kuchen und der EDEKA Zentralmarkt über 80 belegte Brötchen. Den Kaffeeduft bescherte Ulrike Bock von der Jugendherberge Ban Horn, sie hatte knapp 20 Kannen Kaffee gekocht. Und natürlich gab es auch Kaltgetränke von Flensburger.
Bei dieser Sammelaktion konnte ein großer Anhänger mit Müll gefüllt werden. Ein Gast verabschiedete sich mit den Worten: „Ich hätte nicht gedacht, dass ich bei einer Müllsammelaktion so viel lernen kann.“
Zum Schluss sorgte die Amrum Touristik mit ihrem Shuttleservice dafür, dass alle HelferInnen noch vor dem aufkommenden Regen zur Bushaltestelle und damit zurück nach Norddorf und Wittdün kamen.
AmrumNews Online-Zeitung der Insel Amrum

