Seit Jahrhunderten dreht sich in Nebel die älteste Windmühle Schleswig-Holsteins.
Sie erzählt Geschichten von Seefahrt, Tradition und dem Engagement vieler Insulaner.
Doch ihr Fortbestand hängt auch heute von Einsatz und helfenden Händen ab.

Von Holland nach Amrum – die Reise der Mühle
Der Seemann Erk Knudten hatte die um 1670 in Holland – vermutlich auf Anregung eines Föhrer Müllers – erbaute Erdholländerwindmühle 1770 in Amsterdam gekauft, zerlegt und per Schiff nach Amrum gebracht. Bis 1771 wurde sie in Nebel wieder aufgebaut. Auf der höchsten Erhebung der Insel steht die noch voll funktionsfähige Nebeler Windmühle, die älteste Mühle in Schleswig-Holstein. Damals hatte sie auch eine Bedeutung als „Seezeichen“, war die Mühle doch – auf der fast baumlosen Insel – aus allen Himmelsrichtungen gut sichtbar und somit eine Orientierungshilfe für die vorbeifahrenden Schiffe.

Ein Verein rettet das Wahrzeichen
Der letzte Müller der Nebeler Windmühle war Hans Ernst Kristensen (*1897 †1964), genannt „Hans Maller“. Im Oktober 1963 stellte er den Betrieb wegen fehlender Rentabilität ein. Schnell kursierten Gerüchte, was aus der Mühle werden sollte: ein Wohnhaus oder vielleicht ein Restaurant. Doch nicht nur Einheimische zeigten Interesse. Hans „Maller“ und seine Frau Maria „Mary“ hatten andere Pläne: Sie wollten die Mühle erhalten und wandten sich an Pastor Erich Pörksen. Dieser handelte sofort und lud für den 20. Januar 1964 zu einer Gründungsversammlung ins Bahnhofshotel Nebel ein. 70 Insulaner folgten der Einladung – noch am selben Abend wurde der „Verein zur Erhaltung der Amrumer Mühle“ gegründet.
Am 28. Juni 1964 öffnete die Mühle als „Heimatmuseum“ ihre Türen. Hans Kristensen freute sich auf seinen Ruhestand und wollte dem Verein weiterhin mit Rat und Tat unterstützen. Doch am 17. September 1964 verstarb er plötzlich. Zwei Jahre später folgte ihm auch seine Frau Maria. Seit 1967 steht die Mühle unter Denkmalschutz. Ihr Sohn, der Müllergeselle Thomas Kristensen, unterstützte den Verein bis zu seinem Tod im Jahr 1979 bei der technischen Betreuung.

Stürme, Reparaturen und Denkmalschutz
Das Amrumer Museum gewährt Einblicke in die Geschichte der Insel: Seefahrt, Walfang, Ackerbau und friesische Wohnkultur. Beliebt sind auch die Sommerausstellungen mit wechselnden Künstlern und Amrum-spezifischen Motiven. Stürme haben der Mühle immer wieder zugesetzt. Besonders heftig war der Herbst 2011, als eine Sturmböe die Mühlenhaube um drei Zentimeter anhob und verschob. Die Reparatur kostete fast eine Viertelmillion Euro. Ein Spezialkran vom Festland hob die Haube ab und setzte sie später wieder auf.
2021 feierte die denkmalgeschützte Amrumer Mühle ihr 250. Jubiläum an ihrem jetzigen Standort – coronabedingt jedoch ohne Fest. Rechnet man die Zeit in Holland hinzu, ist sie über 350 Jahre alt. Der „Verein zur Erhaltung der Amrumer Windmühle e.V.“ engagiert sich weiterhin mit vielen Ehrenamtlichen für den Erhalt dieses Insel-Wahrzeichens.
Die Mühle ist auch ein Ort für Trauungen auf Amrum. Gleichzeitig spielt sie eine stille Rolle bei Beerdigungen: Steht die Amrumer Mühle im senkrechten Kreuz, deutet dies oft auf die Beerdigung eines Amrumers an diesem Tage hin. Erst nach der Beisetzung werden die Mühlenflügel zurück in die Ruhestellung (X=Scherenstellung) gebracht.

Geschichte trifft Gegenwart: Ausstellungen und Kultur
Bei der 58. Jahreshauptversammlung in der Natour-Düne in Wittdün begrüßte der 1. Vorsitzende Volker Langfeld die Anwesenden. Trotz über 500 Mitgliedern kamen nur wenige zur Versammlung. Man gedachte der verstorbenen Mitglieder und das Protokoll wurde verlesen. Der Geschäftsbericht 2024 lag allen Mitgliedern vor. Da Kassenwart Jes Tadsen verhindert war, verlas Ingeborg Tadsen den Kassenbericht – Fazit: Der Verein ist finanziell solide aufgestellt. Der Vorstand wurde einstimmig entlastet.
Im Anschluss hielt Pauline Höfer einen kleinen Vortrag über ihre Heimat, moderiert von Kai Quedens. Pauline dankte zuvor Pastor Erich Pörksen (*1908 †1997) für seine geleistete Arbeit. Kai, der in der Saison Besucher durch das Kapitänsdorf Nebel führt, erzählte, wie Pauline einst spontan bei einer Führung mitlief und fragte, ob sie etwas ergänzen dürfe. Seither ist sie Teil des Teams. Ihre Erzählungen sind eine Bereicherung, man hört sehr gerne zu. Pauline wurde in New York geboren und kam mit vier Jahren nach Amrum. Nach einer Banklehre in Nebel zog es sie 1967 zurück in die USA. Dort heiratete sie und gründete eine Familie mit drei Töchtern. Die Kinder wurden international, dreisprachig erzogen: amerikanisch, deutsch und öömrang. 2008 kehrte Pauline zurück nach Amrum und zog in das 1826 erbaute rote friesische Bauernhaus am Nebeler Watt, das seit 1904 im Familienbesitz ist. Zum Abschluss spielte Kai Quedens ihr ein Geburtstagsständchen auf dem Hohner-Akkordeon – ein Modell, wie einst ihr Vater besaß.
Der Verein arbeitet stetig daran, die Mühle instand zu halten. Jüngst wurde ein defekter Mahlstein ersetzt – Kosten: 108.000 Euro. Der alte Mahlstein soll einen Platz außerhalb der Mühle, als Tisch, finden. Auf der To-do-Liste finden sich zudem Modernisierungen der Elektrik und kleinere Umbauten wie ein neuer Kassenraum. „Die Mühle soll sich so oft wie möglich drehen, damit Besucher die Technik live erleben können“, sagt Volker Langfeld.
Während der Ausstellungssaison von April bis Oktober konnten Werke u. a. von Wolfgang Schönegge, Hilla Randow, Felix Karweick und Ria Bredemeyer bewundert werden. Auch der Deutsche Mühlentag und ein Benefizkonzert der Amrumer Soulband zogen zahlreiche Besucher an. Kai Quedens stellte die für 2026 geplanten Doppelausstellungen vor: Im Frühjahr werden Birgit Sokolleck und Bernd Biallas ihre Werke zeigen, im Sommer Caroline Flor sowie ein weiterer Künstler.
Eine unerwartete Spende in Höhe von 368 Euro überreichte Wolfgang Stöck dem Verein. Gerlinde Heindorff hatte kunstvolle Poster mit dem Titel „Der Leuchtturm wacht Tag und Nacht“ von ihrem verstorbenen Ehemann Hans Heindorff zur Verfügung gestellt. Auf den Dorffesten verkaufte Wolfgang Stöck diese Poster. Der Erlös wurde je zur Hälfte an den Mühlenverein und den Förderverein Altenhilfe gespendet.

Zukunft der Mühle: Helfer gesucht
Der Vorstand des Vereins besteht aus fünf Mitgliedern und zwei Beisitzern. Zur Wahl standen ein technischer Berater sowie zwei Kassenprüfer. Der technische Berater Leonard Langfeld möchte sich aus familiären Gründen zurückziehen. Leider fand sich in der Versammlung niemand, der den Posten übernehmen möchte. Gesucht wird jemand mit handwerklicher Erfahrung – schön wäre jemand, der sich mit Holz auskennt. Auch für die Kassenprüfer konnten keine neuen Kandidaten gefunden werden. Beide Punkte wurden auf die nächste Versammlung verschoben.
Die Windmühle in Nebel ist eines der Wahrzeichen der Insel Amrum und ein beliebter Anziehungspunkt für Touristen. Besonders wenn sich die Mühlenflügel drehen, wird der Ort für Gäste und Einheimische zu einem nahezu magischen Erlebnis.
Damit solche Ereignisse auch in Zukunft stattfinden können, braucht die Windmühle regelmäßige, fachkundige Pflege. Doch Handwerker, die mit der alten Technik umgehen können, sind schwer zu finden. Der Mühlenverein ist daher auf der Suche nach freiwilligen und ehrenamtlichen Helfern, die Freude daran haben, bei Bedarf tatkräftig mit anzupacken. Wer sich einbringen möchte, kann sich jederzeit beim Vereinsvorsitzenden melden – telefonisch (01515-1266634) oder per E-Mail (post@amrumer-muehle.de).
Nach knapp zwei Stunden beendete der Vorsitzende die diesjährige Jahreshauptversammlung und bedankte sich herzlich bei allen Mitgliedern und Unterstützern des Vereins für ihre Treue.
Ein Wahrzeichen für Generationen
Die Windmühle in Nebel ist mehr als nur ein technisches Denkmal. Sie ist Treffpunkt, Museum und Symbol für das Miteinander der Inselbewohner. Damit sie auch in den kommenden Jahrzehnten ihre Flügel drehen kann, braucht es Engagement, Ideen – und Menschen, die an diesem Wahrzeichen festhalten.
Der derzeitige Vorstand:
Vorsitzender: Volker Langfeld
1. Stellvertreter: Kai Quedens
2. Stellvertreter: Martin Pörksen
Kassenwart: Jes Tadsen
Schriftführerin: Astrid Thomas-Niemann
Beisitzer: Technischer Berater Felix Schade
Beisitzer: Technischer Berater Leonard Langfeld (Nachfolger*in gesucht)
Kassenprüfer: vakant
Kassenprüfer: vakant
AmrumNews Online-Zeitung der Insel Amrum

