Es gibt Abende, die sind mehr als nur gutes Essen. An diesen Abenden blühen die Geschmacksknospen im Gaumen auf, reist die Phantasie durch exotisch-fremde Landschaften, ist das Leben voller Genuss und Leidenschaft.
So war es im Seeblick Genuss und Spa Resort, als Gastkoch Peter Daniel Madsen nach elf Jahren zurück an den Amrumer Herd kam. Damals begeisterte er mit typisch nordischen Kreationen – an diesem Abend überraschte er mit einem asiatisch inspirierten Menü – geprägt von Präzision, Leichtigkeit und einem tiefen Respekt vor den Produkten.
Im Interview blickt Peter ganz offen, mit ungeschönten Worten auf seine Vergangenheit zurück: „Früher dachte ich, ich sei der Beste, kenne alles, weiß alles!“
Heute, als Familienvater, nach Reisen durch mehr als 30 Länder und um zahlreiche, intensive Erfahrungen reicher, geht er ehrlich mit sich und anderen um, hat schließlich seine persönliche Handschrift gefunden. Die Produkte sind es, auf die es ankommt, denn diese bestimmen das geschmackliche Endergebnis: „It’s all about the taste!“ Er arbeitet gern mit wenigen, dafür aber qualitativ ausgezeichneten Produkten.
Schon der Auftakt ist ein verführerisches Versprechen! Shokupan-Brot mit Miso-Trüffelbutter vereint japanische Eleganz mit französischem Luxus. Das luftige Milchbrot schmilzt förmlich am Gaumen, während die salzige Tiefe der Miso-Butter und der erdige Duft von Trüffel eine üppige Umami-Symphonie von schlichter, aber betörender Sinnlichkeit bilden.
Es folgt der Bikini-Toast, ein verspieltes Amuse-Bouche, das die Sinne auf ein nächsthöheres Level hebt: Hauchdünner Iberico-Schinken trifft auf cremigen Gruyère, gebunden durch den salzigen Hauch eines Anchovis-Aufstrichs – ein herzhaft-kraftvoller Gruß aus Spanien und Frankreich zugleich. Damit kontrastiert die Hähnchen-Jalapeño-Krokette: Außen knusprig, innen saftig und pikant, fängt der milde Deichkäse und die süß-erdige Note von Bete und Holunder den Schärfekick auf. Der geflämmte Blumenkohl mit Löwenzahnkapern und Rauch-Schmand spielt mit den Texturen. Nussig und rauchig, mit feiner Bitterkeit und cremigem Kontrast ist er eine moderne Hommage an die nordische Gemüseküche.
Nun sind wir satt, denken wir, aber dem ästhetischen Anblick des nächsten Ganges kann man nicht widerstehen: Eine maritime Köstlichkeit ist die gesalzene Jakobsmuschel mit Zitrone – zart gegart, umgeben von einer leichten Apfel-Yuzu-Bouillon, durchzogen vom Duft der Kaffirlimette. Die Frische des grünen Apfels und die feine Säure der Stachelbeere betonen die subtile Süße der Muschel – filigran, klar, japanisch inspiriert.
Alle Gänge werden wahlweise von Champagner, ausgesuchten Weiß- und Rotweinen und nichtalkoholischen Getränken begleitet, die das geschmackliche Repertoire der Gerichte aufgreifen und weitertragen.
Das handgeschnittene Rindertatar mit Ponzu setzt auf Tiefe und Umami: saftiges Rind, kombiniert mit der erdigen Note eingelegter Shiitake, der nussigen Cremigkeit einer Miso-Sesam-Mayonnaise und den feinen Rauchnoten von Bonitoflocken. Knuspriges Tempura-Shiso bringt Struktur und einen duftigen, grünen Schlusspunkt.
Das Langustinen- und Schweine-Dumpling wirkt zunächst klassisch, entfaltet dann aber eine Fülle an Aromen: butterweich, mit Dashi und brauner Butter glasiert, umspielt von einer Zitronengras-Blanquette und leichtem, seidig-umhüllenden Muschelschaum.
Der Kakigori Cleaner, effektvoll am Tisch zubereitet, bringt Erfrischung – Sake, saure Birne, Zitronenverbene und Olivenöl ergeben eine eisige, fruchtig-florale Zwischennote, die den Gaumen klärt und den Übergang zum Hauptgang vorbereitet.
Nun präsentiert sich Peter dem „Publikum“ und beweist dabei Selbstironie und Sinn für Humor, und auch Gunnar und Nicole Hesse wenden sich mit sympathischen, warmen Worten an ihre Gäste. Im Gespräch mit Nicole erfahre ich, dass die Teilnahme am Gourmetfestival ein Herzensprojekt ist, und Gewinnorientierung dabei zur Nebensache wird. Der Mut von Angelika wird erwähnt, die vor 29 Jahren die Idee hatte, am Festival teilzunehmen: „Es hätte schließlich auch schiefgehen können!“. Wie schön, nun einmal dabei sein zu dürfen – wir freuen uns auf den nächsten Gang.
Der gegrillte Yakitori-Seeteufel ist pure Raffinesse: fest im Biss, saftig, mit einem Hauch Yuzukosho, der Schärfe und Zitrus verbindet. Dazu eine Hummer-Béarnaise mit Bergamotte, die das Gericht in samtige Dimensionen taucht, während gebrannter Lauch, Kombucha und Küstenkräuter eine nordisch-fermentierte Note beisteuern.
Zum Finale zeigt der crunchy French Toast mit schwarzem Kardamom die süße Seite der Miso-Küche und ein hervorragendes Zusammenspiel der Texturen: Die gebrannte Vanille duftet nach Karamell, die braune Butter-Eiscreme schmilzt cremig und das Miso-Karamell sorgt für eine salzig-warme Umami-Komponente – ein Dessert von beschwingter Balance.
Der Macaron mit Amrumer Brombeeren und Balsamico beschließt den Abend mit fruchtiger Säure und feiner Süße und schickt einen letzten Gruß, der auf der Zunge verweilt und im Gedächtnis bleibt.
Fazit: Ein fulminanter, facettenreicher Abend mit einer kulinarischen Choreographie, wie man ihn sich wünscht! Ein Abend voller handwerklicher Präzision, nordischer Ruhe und feingeistigem Genuss. Peter Daniel Madsen und das Seeblick-Team bewiesen, dass große Küche auf Amrum keine Frage der Entfernung ist, sondern der Haltung. Ihre Philosophie, der Enthusiasmus für ihren Beruf… (und ihre Gemüsetattoos;-) sind es, die die beiden Köche verbinden. Und wer vor elf Jahren dabei war, konnte spüren: Manche Begegnungen verlieren auch über die Zeit nichts von ihrer Wärme – sie gewinnen nur an Tiefe.

©Hotel Seeblick
Amrum News bedankt sich sehr für die herzliche und großzügige Einladung. Ein großes Lob an das gesamte Team, das routiniert, aufmerksam, zuvorkommend und geduldig durch den Abend geleitet hat.
Text: Veronika Reichherzer
Fotos: Nina Löschner
AmrumNews Online-Zeitung der Insel Amrum









