140 Jahre WDR: Mehr als nur eine Fährverbindung …

Seit 140 Jahren verbindet die Wyker Dampfschiffsreederei Inseln, Menschen und Generationen. Eine Ausstellung im Öömrang Hüs zeigt die Geschichte der WDR – von den Anfängen bis zur modernen Flotte. Aber wo sind die verkauften Schiffe geblieben?

Axel Meynköhn (2.v.r) war mit einem Team der Geschäftsführung zu einem Besuch der Ausstellung zum Öömrang Hüs gekommen

Vor 140 Jahren, am 14. März 1885, wurde die Wyker Dampfschiffsreederei gegründet. Der Öömrang Ferian hat diesem Ereignis eine umfangreiche Ausstellung im Öömrang Hüs in Nebel gewidmet. Auf 28 großen Schautafeln wird die Entwicklung der Reederei vom Gründungsjahr 1885 bis heute eindrucksvoll dargestellt.

Insgesamt elf Geschäftsführer haben bisher die Geschicke der Reederei geleitet. Der erste war Siewert Broder Volquardsen (1885–1902). Seit 1998 steht Axel Meynköhn an der Spitze der Gesellschaft. Vielen noch in guter Erinnerung ist Conrad Zorn, der die Reederei insgesamt 29 Jahre lang (1969–1998) führte.

Vom Dampfer zum Motorschiff

Schwerpunkt der Ausstellung ist die Entwicklung der Schiffsflotte. Das erste Passagierschiff war der Dampfer „Nordfriesland“ (Baujahr 1885). Es folgten neun weitere Dampf- und Raddampfschiffe, bis 1911 mit der „Albert Ballin“ das erste Motorschiff in Dienst gestellt wurde. Mit dem Motorschiff „Hilligenlei“ (Baujahr 1912) wurden 1952 die ersten Helgolandfahrten durchgeführt.

Fähren, Autos und neue Anforderungen

Die Nachkriegsjahre waren geprägt von der Erneuerung der Flotte. 1955 entstand auf der Kröger-Werft in Husum das erste moderne Bäderschiff, die „Uthlande“. In den Folgejahren wurden viele ältere Schiffe verkauft, und mit der „Schleswig-Holstein“ und der „Rüm Hart“ größere und schnellere Fahrgastschiffe in Dienst gestellt. Mit der Indienststellung der „Pidder Lyng“ im Jahr 1962 begann die Ära der Fähren. Die vorhandenen Bäderschiffe konnten den zunehmenden PKW- und LKW-Transportbedarf nicht mehr bewältigen. War die „Pidder Lyng“ noch als reine Autofähre gebaut worden (36 PKW, 200 Passagiere), folgte 1966 die erste kombinierte Personen- und Autofähre (25 PKW, 800 Passagiere). Es folgten weitere Fährneubauten: Die „Schleswig-Holstein“ (1972) konnte bereits 900 Passagiere und 45 PKW transportieren, die 1992 in Dienst gestellte „Rungholt“ sogar 53 PKW und 1.190 Passagiere.

Neben dem Linienverkehr gewann auch der Ausflugsverkehr zunehmend an Bedeutung. Zahlreiche kleinere Ausflugsschiffe wie „Störtebeker“, „Delphin“ und „Hilligenlei“ waren im nordfriesischen Wattenmeer unterwegs. Auf „große Fahrt“ nach Helgoland ging es mit den Seebäderschiffen „Klar Kimming“ (Baujahr 1964, 650 Passagiere) und der „Pidder Lyng“ (800 Passagiere).

Fusion mit der ASAG

Neben der Fährlinie Dagebüll–Föhr–Amrum wurden auch die Halligen Hooge und Langeneß von Schlüttsiel und Amrum aus versorgt. Ab 1962 bediente die Amrumer Schifffahrt AG (ASAG) mit dem Motorschiff „Amrum“ die Halliglinie (170 Passagiere, 3 PKW). Die PKW-Verladung über einzelne Bohlen auf das Vorschiff oder Oberdeck war damals äußerst abenteuerlich. 1968 ersetzte eine kleine Fähre das Motorschiff. Da das Verkehrsaufkommen deutlich geringer war als auf der Dagebüll–Föhr–Amrum-Linie, geriet die ASAG in wirtschaftliche Schwierigkeiten. 1971 kam es schließlich zur Fusion mit der WDR.

Katamarane und moderne Technik

Mit dem Bau der ersten Doppelendfähre begann 2010 ein neues Zeitalter im Schiffsverkehr zwischen Dagebüll, Föhr und Amrum. Die unter dem Traditionsnamen „Uthlande“ eingesetzte Fähre verfügt über einen modernen, effizienten Voith-Schneider-Antrieb mit hervorragenden Manövriereigenschaften und bietet Platz für 1.200 Passagiere und 75 Fahrzeuge. Es folgten zwei nahezu baugleiche Fähren: die „Schleswig-Holstein“ sowie 2018 die „Norderaue“.

Mit dem Einsatz von Katamaranen begann 1999 ein weiteres Kapitel. In einem Gemeinschaftsprojekt mit Reedereien aus Norderney, Emden und Flensburg wurde in Australien ein Hochgeschwindigkeitskatamaran in Auftrag gegeben. Der knallrote „Cat No. 1“ steuerte von verschiedenen Ausgangshäfen die Hochseeinsel Helgoland an. Er kann über 400 Passagiere befördern und erreicht mit 12.663 PS eine Geschwindigkeit von bis zu 40 Knoten (76 km/h). Der Katamaran „Adler Rüm Hart“ (2019) ist zurzeit an die Adler Reederei verchartert.

Wo sind die verkauften Schiffe geblieben

Durch die stetige Erneuerung der Flotte wurden viele Schiffe verkauft – teils in weit entfernte Länder- und sind auch heute noch im Einsatz.  Die 1988 gebaute Fähre „Schleswig-Holstein“ beispielsweise fährt heute im Mittelmeer zwischen den griechischen Inseln Kefalonia und Zakynthos. Der „Cat No. 1“ ist inzwischen als MS „Korea Prince“ für die Reederei Korea Express Ferry Co. Ltd.  in Korea im Einsatz.

Rückblick, Ausstellung und persönliche Erinnerungen

Die Ausstellung zeigt eindrucksvoll den enormen Stellenwert der WDR für die touristische Entwicklung von Föhr und Amrum, aber auch für das Alltagsleben der Insulaner. Zahlreiche Bilder dokumentieren, wie die WDR-Schiffe selbst bei Schnee und Eisgang, Sturmfluten oder extrem niedrigen Wasserständen versuchen, den Fährverkehr aufrechtzuerhalten. Nicht nur auf dem Wasser, sondern auch auf den Straßen transportiert die WDR Fahrgäste. Seit vielen Jahren betreiben Busse der WDR den öffentlichen Nahverkehr auf Föhr und Amrum. Zeitweise gehörte sogar die Amrumer Inselbahn (1931) zur Reederei und in den 60iger Jahren führten WDR-Busse sogar Busreisen auf dem Festland durch.

Die Ausstellung wurde im Juni dieses Jahres eröffnet und bereits von vielen Amrumern und Gästen besucht. Anfang Dezember lud der heutige Geschäftsführer der WDR, Axel Meynköhn, die Organisatoren zu einem kleinen Empfang ein.
„Ich habe in den letzten Monaten oft ein schlechtes Gewissen gehabt, dass ich die Ausstellung nicht früher besuchen konnte“, sagte Meynköhn. „Umso mehr freue ich mich, jetzt hier zu sein. Ich bin überwältigt, mit welcher Sorgfalt und Energie diese Ausstellung zusammengestellt wurde. Besonders bedanken möchte ich mich bei Gerd Arnold, Jens und Leif Quedens sowie all den anderen Helfern für diese großartige Ausstellung“

Der Vorsitzende des Öömrang Ferian, Jens Quedens (rechts) begrüßt Axel Meynköhn in der Ausstellung

Amrum News nutzte die Gelegenheit für ein kurzes Interview.

Herr Meynköhn, wann sind Sie zum ersten Mal mit einem Schiff der WDR gefahren?
„Da war ich 14 Jahre alt, im Jahr 1972. Ich bin mit dem Fahrrad von Kiel nach Schlüttsiel gefahren und dann weiter mit der Fähre ‚Amrum‘. Nach Föhr ging es Anfang der 1970er-Jahre mit der ‚Insel Amrum‘.“

Die WDR hat viele Schiffe gekauft und wieder verkauft. Welche Erinnerungen haben Sie daran?
„Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der Verkauf der Autofähre “Insel Amrum”. Ich habe sie für 50 Cent nach Pellworm verkauft. Der Briefumschlag mit den 50 Cent liegt noch heute in meinem Büro.“

Gibt es Neuigkeiten zum WDR-Gebäude am Wittdüner Fähranleger?
„Der jetzige Zustand – sowohl außen als auch in den Toilettenräumen – entspricht nicht unserem Standard. Die Umbau- und Sanierungsplanung ist abgeschlossen, und wir werden zeitnah mit den Arbeiten beginnen.“

In den Medien ist von rückläufigem Tourismus auf Föhr und Amrum die Rede. Wie sehen die Zahlen bei der WDR aus?
„Beim Personenverkehr verzeichnen wir tatsächlich einen Rückgang, insbesondere bei Tagesausflügen. Der PKW-Transport ist dagegen stabil und liegt etwa auf Vorjahresniveau.“

Die Ausstellung ist noch bis zum Frühjahr 2026 im Öömrang Hüs in Nebel zu besichtigen.

Über Ralf Hoffmann

Ralf Hoffmann wurde 1955 in Schleswig geboren und zog mit seinen Eltern und Geschwistern 1962 nach Amrum. Nach dem Abitur in Niebüll studierte Ralf Luft und Raumfahrttechnik in Berlin. Die ersten 6 Berufsjahre verbrachte er als Entwicklungsingenieur bei VW und danach wechselte er als Aerodynamischer Entwicklungsingenieur zu Ford nach Köln. Als Leiter der Aerodynamischen Entwicklung für Ford Europa und die letzten 15 Jahre als Manager Aerodynamik und Motor- und Komponentenkühlung war er weltweit verantwortlich und viel unterwegs, um die jeweiligen Prototypen unter Hitze und Kälte zu testen. Nach all den Jahren auf dem Festland sind Ralf und seine Frau Karin nun wieder nach Amrum zurückgekehrt.

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