Ein ominöses Weihnachtspaket – oder Peters Eisenbahn Pt.2 …

Eine Märklin-Lok, ein fremder Absender und eine Geschichte voller Nostalgie verbinden sich zu einem echten Weihnachtsmärchen. 

Der Adventskalender von Amrum News hat Tradition. Jedes Jahr erscheint täglich ein „Adventskalendertürchen“ – mit Geschichten, Geschenkempfehlungen, Back- oder Kochrezepten rund um Weihnachten. Im  Dezember 2023 berichtete ich hier über den „Verlust“ meiner Märklin-Eisenbahn (https://www.amrum-news.de/2023/12/22/peters-eisenbahn/). Es war für mich auch eine Art Frustbewältigung, um über die Fehlentscheidung hinwegzukommen, die anlässlich meiner Geburt vor mittlerweile über 71 Jahren durch meinen Vater angeschaffte Dampflok der BR 89 samt Waggons und Gleisen hergegeben zu haben.

Ein ominöses Paket war angekommen

Umso überraschter war ich, als ich in der Vorweihnachtszeit 2024 ein Paket zugeschickt bekam, das mich letztendlich dazu bewegt hat die Geschichte „meiner“ Eisenbahn fortzuführen.

Es war ein relativ schweres Päckchen von einem mir völlig unbekannten Absender, eindeutig an mich adressiert. Es war gut verpackt und mit auffälligen handschriftlichen Vermerken versehen: „Achtung Weihnachtsgeschenk! Erst am 24. öffnen!“ stand dort. Und an den Ecken: „24.12.2024“. Etwas ratlos begutachtete ich das Paket, schüttelte es und lauschte daran. Kein Plätschern, kein Ticken – ein Sprengstoffattentat mittels Zeitzünder konnte ich laienhaft also ausschließen. Obwohl mir das Ganze schon etwas suspekt vorkam, folgte ich der Anweisung es erst am 24.12. zu öffnen, und legte es zu den anderen Geschenken unter den Weihnachtsbaum. Eigentlich bin ich ein neugieriger Mensch, aber letztendlich konnte ich es doch aushalten das Päckchen erst an Heiligabend zu öffnen.

Der kleine Peter spielt mit seiner Eisenbahn, 1960

Eine  große und freudige Überraschung war es, was da unter dem Weihnachtsbaum zum Vorschein kam: eindeutig eine Märklin-Eisenbahn! Eine Dampflok („89 029“), ein Personenwagen, je ein geschlossener und ein offener Güterwagen, Gleise, eine Weiche und ein Prellbock sowie ein Trafo waren gut verpackt und offensichtlich funktionstüchtig in dem Paket. Ich war ziemlich perplex. Gott sei Dank stand auf dem Paket die Adresse des Absenders, und aus einem kleinen Begleitschreiben konnte ich entnehmen, was der Grund dieses Weihnachtsgeschenks war: Der großzügige Spender hatte persönliche Beziehungen nach Amrum und ist langjähriger Eisenbahnfan. Er war im Internet auf der Suche nach der Geschichte der Eisenbahn auf der Insel Amrum und ist dabei auf mein Adventkalendertürchen von 2023 gestoßen (wenn man „Eisenbahn“ und „Amrum“ googelt findet man das schnell). Mit dem Gedanken „Es geht doch nicht, dass man den kleinen Peter die Eisenbahn weggenommen hat“ entschloss er sich, mir eine BR 89 mit Zubehör zu schenken.

Der alte Peter spielt mit seiner Eisenbahn, 2024

Ich nahm natürlich Kontakt zu dem edlen Spender auf und erfuhr, dass er eine riesige Sammlung von Märklin-Eisenbahnen besitzt – darunter mehrere Exemplare der BR 89. Als Kind hatte auch er eine Eisenbahn und erweiterte seine Sammlung über Jahrzehnte. Schon als Jugendlicher kaufte er seinen Freunden deren Lokomotiven und Zubehör ab, wenn diese Geld für Mopeds oder später Autos brauchten. Ich konnte das gut nachvollziehen, habe doch auch ich meine Eisenbahn verkauft und gegen eine Carrera-Rennbahn eingetauscht.

Er erzählte mir, dass sich inzwischen mehrere hundert Lokomotiven und Züge in seinem Besitz befanden, viele davon doppelt oder dreifach. Daher fiel es ihm nicht schwer, das eine oder andere Stück zu verschenken – zu meinem großen Glück.

Natürlich begann ich sofort, die Eisenbahn aufzubauen und auszuprobieren. Ich war freudig erregt, als ich feststellte, dass alles funktionstüchtig war. Klar, dass ich gleich damit spielte!

Als kleines Dankeschön konnte ich ihm bei seinen Nachforschungen zur Amrumer Inselbahn helfen und schickte ihm ein Exemplar des leider vergriffenen Buchs von Georg Quedens „Wi fohrn, wenn ick mien Punsch ut heff“ – Geschichte und Geschichten der Amrumer Inselbahn, das ich doppelt besaß.

Nun ist ein Jahr vergangen, und die BR 89 ruht gut verpackt in einem Karton, damit sie nicht verstaubt. Aber zu Weihnachten werde ich sie wieder aufbauen – und ihre Kreise ziehen lassen!

Über Peter Totzauer

Dr. med. Peter Totzauer, Facharzt für Allgemeinmedizin, Facharzt für Anästhesie, Notfallmedizin, Spezielle Schmerztherapie, geb. 1954 in Fürth/Bay., hat, bedingt durch den Beruf des Vaters, als Kind u.a. 4 ½ Jahre in Frankreich gelebt. Abitur 1974 in Köln, Studium der Humanmedizin an der Universität Bonn. War seit 1982 ärztlich tätig, davon viele Jahre als Oberarzt in der Anästhesie und als Leitender Notarzt in Euskirchen. War 2007 für ein halbes Jahr im Rahmen einer „Auszeit“ vom Klinikalltag bei seiner Lebensgefährtin und mittlerweile Ehefrau Claudia auf Amrum. Dies hat ihm so gut gefallen, dass er seit Ende 2008 seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt ganz auf die Insel verlegt hat und hier seit 2010 mit in der „Praxis an der Mühle“ gearbeitet hat. In 2024 ist er endgültig in den ärztlichen Ruhestand getreten. Er hat zwei erwachsene Kinder, sein Sohn ist niedergelassener Physiotherapeut in Neuss, seine Tochter ist Lehrerin an der Öömrang Skuul.

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One comment

  1. Sapperlot! Was es für freundliche und großzügige Menschen gibt! Frohe Weihnachten nach Amrum! Danke für die interessanten und humorvollen Texte! Und frohe Weihnachten an den netten Spender! Was für eine tolle Idee!
    Gesundheit und alles Gute für das Neue Jahr 2026!!!!
    Petra Müller

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