TV-Tipp: ZDF-Reportage “Winter auf Amrum” …

Leere Strände, verlassene Gassen – ganz Amrum ist im Winterschlaf. Ganz Amrum? Nein! Ein paar unbeugsame Insulaner*innen trotzen den eisigen Temperaturen und gehen tapfer ihren Jobs nach. Eine neue ZDF-Reportage begleitet sie dabei. 

Ein Stück Amrum für die Winterzeit

Bäckermeister Henning Claußen (re.) und sein Team backen selbstverständlich auch im Winter für die knapp 2.300 Insulaner. ©Sören Folkens

Für alle, die von Sehnsucht nach ihrer Lieblingsinsel geplagt sind und die Tage bis zum nächsten Urlaub zählen, hat das ZDF in Kürze einen kleinen Trost in petto: Am 10. Januar wird eine neue halbstündige Reportage über das Leben und Arbeiten einiger Insulaner*innen im Winter ausgestrahlt. Ein kleines Stück Amrum für zu Hause.

Dreharbeiten im November: Alltag jenseits der Saison

Bevor es losgeht, müssen die Freiwilligen der Schutzstation Wattenmeer erst einmal ordentlich mit Mikrofonen verkabelt werden.

Die Dreharbeiten zu dem TV-Bericht fanden bereits Ende November statt. Redakteur Sören Folkens war gemeinsam mit einem kleinen Team eine Woche lang auf der Insel unterwegs und traf verschiedene Insulaner*innen, die ihm Einblick in ihren Winteralltag gewährten. Denn auf einer touristischen Insel wie Amrum wirken sich Haupt- und Nachsaison zuweilen auch auf die Jobs der heimischen Bevölkerung aus. Nicht wenige gehen im Winter einem ganz anderen Beruf nach als im Sommer. So wie Leif Jessen, der in der Hauptsaison im Restaurant Likedeeler arbeitet und im Winter als gelernter Zimmermann den Ausbau des dortigen Obergeschosses vornimmt. Andere, wie Postbote Mats Bohn, sind dagegen das ganze Jahr über gut beschäftigt. „Wir haben wahrscheinlich eine der höchsten Pro-Kopf-Paketquoten in ganz Deutschland“, erzählt er und lässt damit erahnen, wie körperlich herausfordernd sein Job ist.

Weniger Gäste, andere Aufgaben

Auch für Wattführer Dark Blome sind die Bedingungen im Winter herausfordernd: Jetzt geht es nur mit Wathose rüber nach Föhr. ©Sören Folkens

Vom Tourismus maßgeblich abhängig sind dagegen der Wattwanderer Dark Blome oder auch die Freiwilligen der Schutzstation Wattenmeer. Während im Sommer häufig bis zu 50 Gäste zu einer Wattwanderung kommen, ist es im Winter selten mehr als eine Person – wenn überhaupt. Untätig sind die FÖJ’ler und BFD’ler der Schutzstation in Wittdün dennoch nicht – sie nahmen Redakteur Sören Folkens mit auf eine ihrer regelmäßig stattfindenden Spülsaumkartierungen. Denn egal wie ungemütlich das Wetter ist, die Kartierungen und Rastvogelzählungen müssen rund ums Jahr alle zwei Wochen durchgeführt werden. “Dafür laufen wir eine Strecke von zwei Kilometern am Strand entlang und erfassen alles an Müll, was vom Meer angespült wurde”, erzählt Lena Koers, eine der Freiwilligen. Sinn des Ganzen ist es, die Entwicklung des Müllaufkommens zu dokumentieren und analysieren zu können. Damit leisten die jungen Menschen einen entscheidenden Beitrag zur Forschung und liefern somit den Naturschutzvereinen wichtige Argumente, um Einfluss auf die Kunststoffindustrie nehmen zu können. Auch Totvögel werden bei der Kontrolle erfasst, um Epidemien wie die Vogelgrippe frühzeitig erkennen zu können.

Engagement bei Wind und Wetter

Spülsaummonitoring am frühen Morgen: Kurz nach Sonnenaufgang und Hochwasser ging es an den Strand, um Müll und Totvögel zu kartieren.

Sören Folkens zeigte sich bei den Dreharbeiten beeindruckt von den Freiwilligen. Er lobte nicht nur ihre Kamerapräsenz, sondern war auch begeistert von dem Engagement und Wissen, das sich die 18- und 19-Jährigen in so kurzer Zeit angeeignet haben. Schließlich ist keine*r der Vier an der Nordsee aufgewachsen und manche haben im August überhaupt erst zum ersten Mal in ihrem Leben einen Fuß auf Amrumer Boden gesetzt. Denn die Arbeit der Schutzstation Wattenmeer hängt maßgeblich von den jungen Leuten ab, die bereit sind, ein Jahr ihrer Freizeit in den Dienst der Natur zu stellen – und das eben auch bei jedem Wetter.

Wann und wo die Reportage zu sehen ist

Am Ende durfte das ZDF-Team noch ein paar private Aufnahmen in der WG der Freiwilligen in Wittdün machen.

Wer Lust bekommen hat, mehr über den Inselalltag im Winter zu erfahren oder einfach nur die Amrum-Sehnsucht stillen möchte, schaltet am 10. Januar um 17.35 Uhr die ZDF-Reportage ein. Alternativ ist “Winter auf Amrum” ab dem 08. Januar in der ZDFmediathek zu finden.

 

Über Nina Löschner

Nina Löschner kam 1989 kurz vor dem Mauerfall in Ost-Berlin zur Welt. Aufgewachsen auf dem Brandenburger Land zog es sie nach der Schule zurück in die Hauptstadt. In Berlin studierte sie Kunstgeschichte und Englisch, arbeite anschließend im Projektmanagement eines Auktionshauses und schließlich sieben Jahre lang als Redakteurin für Funk und Fernsehen. 2022 nahm sie sich eine berufliche Auszeit und absolvierte einen Freiwilligendienst im Naturschutz auf Amrum. Doch die Insel ließ sie nicht mehr los - und so brach sie alle Zelte in der Hauptstadt ab. Heute arbeitet Nina als Leiterin der Schutzstation Wattenmeer in Wittdün.

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