Erstmals wurde im Herbst 2025 eine kleine Herde Galloway-Rinder zur Beweidung der Dünenlandschaft in Wittdün eingesetzt. Der erste Beweidungszeitraum endete zwar bereits mit dem Wintereinbruch im Januar 2026, doch schon jetzt zeigen sich positive Auswirkungen auf die Strukturvielfalt des sensiblen Lebensraumes. Da die Rinder seit dem Wintereinbruch nicht mehr in den Dünen weiden und der erste Beweidungszyklus damit früher als geplant endete, ist es Zeit für ein erstes Resümee.
Tiere fanden sich gut im Gebiet zurecht
Die ersten positiven Effekte wurden schnell sichtbar. Die Tiere fanden sich gut im Gelände zurecht, erkundeten die Dünenlandschaft im Herdenverbund und fanden ausreichend Futter. Schon nach kurzer Zeit konnten sie in Zaunnähe beim Wiederkäuen beobachtet werden – ein deutliches Zeichen dafür, dass sie sich im Gebiet eingelebt hatten.
Mehr Strukturvielfalt durch Beweidung
Auch die Spuren, die die Galloways hinterlassen haben, sind vielversprechend. Durch das Abweiden des Dünengrases sowie von Binsenbeständen und weiteren Pflanzenarten tragen sie zur Auflichtung der Vegetation und zur Offenhaltung der feuchten Dünentäler bei.
Besonders auffällig sind die Trittsiegel der Tiere. In den feuchten Bereichen entstehen dadurch neue Strukturen: Sammelt sich Wasser in den Vertiefungen, bilden sich Kleinstgewässer. Diese können von verschiedenen Tier- und Pflanzenarten besiedelt werden und entwickeln sich zu kleinen, eigenständigen Miniökosystemen. Das steigert die Strukturvielfalt dieses besonderen Lebensraumes und unterstützt die Artenvielfalt. So könnten beispielsweise auch Kreuzkröten die entstandenen Pfützen als Laichgewässer nutzen.
Ein weiteres eindeutiges Zeichen dafür, dass sich die Galloways im gesamten eingezäunten Areal aufhielten, sind neben den Trittsiegeln auch die Kuhfladen. Diese werden von Insekten und anderen Organismen besiedelt und sind ein wichtiger Bestandteil des natürlichen Nährstoffkreislaufs.
Pegelrohre – die unerwartete Attraktion
Bei den regelmäßigen Wasserstandsmessungen zeigte sich allerdings, dass die blauen Pegelrohre für die Rinder von besonderem Interesse waren. Mit ihnen wird eigentlich mithilfe eines Lichtlots der Wasserstand gemessen. Die Galloways nutzten die Rohre kurzerhand zum schubbern oder fanden sie einfach zu interessant. In der Folge wurden nahezu alle Pegel beschädigt und mussten ersetzt werden.
Inzwischen wurden die Pegel durch kürzere Rohre ersetzt, die niedriger aus dem Boden ragen und den Rindern künftig standhalten sollen.
Beweidungspause während der Brutzeit
Die nächste Gelegenheit, die Galloways in den Amrumer Dünen zu beobachten, wird es erst wieder nach der Brutzeit ab Mitte August 2026 geben. Bereits im März besetzen Vögel– allen voran die Möwen – allmählich ihre Brutkolonien in der Dünenlandschaft. Damit sie ungestört brüten und ihre Jungen aufziehen können, bleiben die Rinder daher bis zum Ende der Bruzeit außerhalb des Gebietes.
Die Entwicklung der feuchten Dünentäler, der Wasserstände sowie die Auswirkungen der Beweidung werden weiterhin engmaschig dokumentiert. So soll der Erfolg der Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen der vergangenen Jahre bewertet und die weitere Beweidung fachlich begleitet werden. Es bleibt also spannend, wie sich die Dünenlandschaft in den kommenden Jahren entwickelt.
AmrumNews Online-Zeitung der Insel Amrum











