Zu hoher Benzinpreis auf Amrum?

Eine Online-Petition kritisiert die hohen Kraftstoffpreise und stellt die Frage, warum Tanken auf Amrum deutlich teurer ist als auf Föhr. Wer genauer hinschaut, erkennt: Die Insel-Realität hat ihren Preis. Bleibt die Frage: Was können Autofahrer selbst tun?

Die „Inseltankstelle“ auf Amrum

Eine kürzlich ins Leben gerufene Online-Petition kritisiert die hohen Benzin- und Dieselpreise auf Amrum. Zeitweise liegen sie auf dem Niveau von Autobahntankstellen. Zurzeit bezahlt man auf Amrum etwa 30 Cent mehr pro Liter als auf der Nachbarinsel Föhr. Aktuell haben 220 Personen die Petition unterschrieben.

Warum die Gemeinden die Tankstelle betreiben

Die Amrumer Inseltankstelle wird seit 2008 von den Versorgungsbetrieben Amrum betrieben. Aufgrund einer privaten Insolvenz und eines fehlenden Nachfolgers, drohte die Insel kurzfristig ohne Tankstelle dazustehen. Die Gemeinden entschieden sich daher, einzuspringen und die Tankstelle in die Versorgungsbetriebe Amrum einzugliedern. Es handelt sich nicht um eine übliche Tankstelle mit Verkaufsraum, sondern lediglich um zwei Tanksäulen mit elektronischem Bezahlsystem.

Kein Gewinn trotz hoher Preise

Eine normale Tankstelle erwirtschaftet etwa 50 bis 60 Prozent ihres Gewinns durch Shop und Gastronomie. Da es keinen Shop an der Inseltankstelle gibt, entfällt diese Einnahmequelle. Pro Liter Kraftstoff fallen als Provision typischerweise nur etwa ein bis zwei Cent an. Da die insgesamt abgegebene Kraftstoffmenge auf Amrum deutlich geringer als bei einer üblichen Tankstelle, lässt sich über die Menge also auch kaum Geld verdienen.

Die Versorgungsbetriebe kaufen den Kraftstoff zu einem bestimmten Preis bei einem Großhändler ein. Ein Tanklaster bringt ihn per Fähre auf die Insel. Dieser Einkaufspreis bildet die Grundlage für die Kalkulation des Abgabepreises – solange, bis eine neue Lieferung eintrifft.

Auf Amrum wird die Tankstelle nicht als „Profitcenter“ betrieben. Der Haushalt der Versorgungsbetriebe weist für das vergangene Jahr für den Tankstellenbetrieb ein Defizit von etwa 30.000 Euro aus. Auf der Ausgabenseite stehen Kraftstoffeinkaufskosten in Höhe von rund 930.000 Euro, auf der Einnahmeseite Verkaufserlöse von 1.009.000 Euro. Hinzu kommen Wartungs- und Instandhaltungskosten sowie Personalkosten, um die Anlage betriebsbereit zu halten.

Da die Kommunen nicht planen, den „Spritpreis“ zu subventionieren, ist auch künftig kaum mit günstigeren Preisen auf Amrum zu rechnen.

Sparpotenzial für Autofahrer

Hier ist Eigeninitiative gefragt. Eine Möglichkeit ist es, den Benzinverbrauch zu reduzieren. Mit einer Tankfüllung von 50 Litern kann man bei einem Verbrauch von 7 Litern pro 100 Kilometer rund 715 Kilometer fahren – das entspricht 36 Fahrten von Wittdün nach Norddorf und zurück.

Durch bestimmte Maßnahmen am Fahrzeug und in der Fahrweise lassen sich auch auf Amrum erhebliche Verbrauchsreduzierungen erzielen:

Fahrweise und Geschwindigkeit

  • Aggressives Fahren mit häufigem Beschleunigen und Bremsen vermeiden
  • Niedrige Motordrehzahlen durch rechtzeitiges Schalten

Fahrzeugzustand und Technik

  • Zu geringer Reifendruck erhöht den Rollwiderstand
  • Schmalere Reifen (z. B. 185 mm statt 215 mm) reduzieren Roll- und Luftwiderstand sowie das Fahrzeuggewicht
  • Regelmäßige Wartung für optimale Verbrennung
  • Verwendung von Leichtlaufölen

Beladung und Ausstattung

  • Jedes zusätzliche Kilogramm erhöht den Verbrauch z.B. könnte man auf Amrum das Reserverad ausbauen
  • Dachgepäckträger oder Fahrradträger verschlechtern die Aerodynamik und erhöhen das Gewicht
  • Klimaanlage auf kurzen Strecken möglichst ausschalten

Dieses sind nur einige Beispiele. Autofahrer können durch eine Vielzahl von eigenen Maßnahmen den Verbrauch erheblich senken. Eine andere Möglichkeit wäre, auch öfter einmal vom Auto aufs Fahrrad umzusteigen.

Über Ralf Hoffmann

Ralf Hoffmann wurde 1955 in Schleswig geboren und zog mit seinen Eltern und Geschwistern 1962 nach Amrum. Nach dem Abitur in Niebüll studierte Ralf Luft und Raumfahrttechnik in Berlin. Die ersten 6 Berufsjahre verbrachte er als Entwicklungsingenieur bei VW und danach wechselte er als Aerodynamischer Entwicklungsingenieur zu Ford nach Köln. Als Leiter der Aerodynamischen Entwicklung für Ford Europa und die letzten 15 Jahre als Manager Aerodynamik und Motor- und Komponentenkühlung war er weltweit verantwortlich und viel unterwegs, um die jeweiligen Prototypen unter Hitze und Kälte zu testen. Nach all den Jahren auf dem Festland sind Ralf und seine Frau Karin nun wieder nach Amrum zurückgekehrt.

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