Wenn die Insel den Winter vertreibt …

Nasskalt war es – doch niemand ließ sich das Biakefeuer entgehen. Mit Fackeln, Piadern und Grünkohl pflegt die Insel eine jahrhundertealte Tradition. Was das Feuer früher bedeutete, überrascht noch heute.

Trotz Schmuddelwetters strömten am Samstagabend zahlreiche Insulanerinnen und Insulaner und Gäste zu den Biaken in allen fünf Orten. Der Boden war matschig, es wehte ein leichter Wind – doch Regen blieb aus. Genau das richtige Wetter, sagen viele. Schließlich sollen die Feuer den Winter vertreiben.

Gegen 18 Uhr loderten die Flammen. Der Rauch zog mit dem Westwind über das Wattenmeer. Viele Besucher kamen zu Fuß oder mit dem Fahrrad, Gummistiefel waren fast schon Pflicht. Die Polizei zeigte Präsenz und fuhr alle Feuerstellen an.

Drei Piader für den Winter

In Norddorf begann die Veranstaltung traditionsgemäß. Bürgermeister Christoph Decker begrüßte die Gäste, anschließend wurde die Geschichte des Biakefeuers von Kai Quedens vorgetragen. Danach entzündeten die Erwachsenen die Fackeln – die Kinder durften nicht mitmachen.

Ein langer Fackelzug zog zum Biake am Hoofstich. Drei Piader – aus Stroh und alten Kleidern gefertigt – wurden schließlich ins Feuer geworfen. Sie stehen symbolisch für das Alte, das vergeht. Im Ortsteil Süddorf wollte man offenbar ganz sichergehen: Dort waren gleich zwei Figuren hoch oben auf dem Holzstapel angebracht.

Gut besucht in allen Orten

Auch in Nebel, Steenodde und Wittdün versammelten sich viele Menschen an den Feuern. Das Biakefeuer gilt als einer der Höhepunkte im Winter. Im Anschluss kehrten viele in die Gaststätten ein. Traditionell gibt es Grünkohl mit Kochwurst, Kassler, Schweinebacke und Kartoffeln.

Das Brauchtum lebt von Gemeinschaft. Kaum jemand lässt sich das Spektakel entgehen – selbst bei Wind und Kälte nicht.

Hoffnung auf Licht und Saison

Das Biakefeuer ist ein nordfriesisches Brauchtumsfeuer, das jedes Jahr am 21. Februar entzündet wird – auch auf Inseln wie Sylt, Föhr und Amrum. Seine Wurzeln reichen weit zurück. Schon in vorchristlicher Zeit sollten große Feuer den Winter vertreiben und böse Geister fernhalten.

Später bekamen die Flammen eine neue Bedeutung: Im 17. und 18. Jahrhundert verabschiedeten die Inseln mit dem Feuer ihre Männer zum Walfang nach Grönland. Es war Abschiedszeichen und Hoffnungsritual zugleich.

Heute steht das Biakefeuer für Gemeinschaft, Identität und Zuversicht. Nach der langen „Eiszeit“ soll nun der Frühling kommen – und mit ihm eine gute Saison.

Die Fotos stammen aus der gesamten Redaktion

Über Gerd Arnold

Gerd Arnold, 1957 in Nebel auf Amrum geboren. Ein „echter“ Amrumer mit der friesischen Sprache (öömrang) aufgewachsen. Bis 1972 die Schule in Nebel besucht, danach Elektroinstallateur in Wittdün gelernt. 1976/77 in Wuppertal den Realschulabschluss nachgeholt. Ab Oktober 1977 als Berufssoldat bei der Bundesluftwaffe und seit November 2010 Pensionär. Nach vielen Jahren der verzweifelten Suche nach passenden „bezahlbaren“ Wohnraum auf Amrum endlich fündig geworden, seit Februar 2022 wieder ständig auf Amrum. 2019 ins Team der Amrum News integriert, aber das soll neben dem Angeln nicht die einzige Aktivität auf der Insel bleiben.

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