Die St. Clemens-Kirche in Nebel ist eines der Wahrzeichen Amrums – doch das alte Gebäude hat sichtbare Schäden. Mehr als eine Million Euro wird benötigt, um das historische Gebäude zu sichern und zu erneuern. Die Kirchengemeinde setzt nun auf Ideen, Engagement – und viele Unterstützer.
Ein besonderer Gottesdienst mit ernster Botschaft
Ende Februar lag ein besonderer Klang in der St. Clemens-Kirche in Nebel. Beim traditionellen friesischen Gottesdienst „Öömrang Hööw“ füllte die friesische Sprache den alten Kirchenraum. Pastorin Martje Brandt und ihr Team hatten den Gottesdienst vorbereitet, viele Besucher waren gekommen.
Kinka Tadsen sprach in ihrer Ansprache von den Wänden der Kirche. Von Mauern, an denen schon Generationen vor uns gesessen, gebetet, gelacht, geweint und gesungen haben. Wände, die Sicherheit und Vertrautheit geben. Säulen, die Halt geben – gerade in einer Zeit, die von Unruhe, Krieg und Leid geprägt ist.
Doch genau diese Wände sind in Gefahr.
„Unsere St. Clemens-Kirche braucht Hilfe!“, sagte Pastorin Martje Brandt am Ende des Gottesdienstes. Es ist ein erster Aufruf an die Kirchengemeinde und an alle Freunde dieses imposanten, weißen Gebäudes am Watt. Die Kirche ist fast 800 Jahre alt – und an vielen Stellen ist deutlich zu erkennen, dass dringend etwas an der „alten Dame“ getan werden muss.
Im März folgte der nächste Schritt. Im Clemens Hüs in Nebel fand eine Informationsveranstaltung statt. Der Vorsitzende des Kirchengemeinderats (KGR), Hans-Peter Traulsen, und Pastorin Martje Brandt begrüßten die Anwesenden und berichteten über die Pläne.

Die Aufgabe ist groß. Doch auf Amrum gibt es Unterstützung: Die Bauabteilung des Kirchenkreises und der Kirchengemeinderat haben bereits viel Vorarbeit geleistet. Zudem hat sich auf den Hilferuf eine promovierte Fundraiserin gemeldet. Sie möchte die bereits begonnenen Fäden aufnehmen und das Projekt begleiten. Ziel ist es, die St. Clemens-Kirche wieder sicher zu machen – und sie in „altem neuen“ Glanz erstrahlen zu lassen.
Das Vorhaben wird sich über mehrere Jahre erstrecken. Zeit zum Planen ist also vorhanden – doch auch viel Arbeit liegt vor den Beteiligten.
„Unsere St. Clemens-Kirche braucht jetzt den Rückhalt der Insel – und den hat sie immer wieder erfahren!“ Das sagte Pastorin Martje Brandt.
Warum die Kirche dringend saniert werden muss
Bereits im Jahr 2023 hat sich die Bauabteilung des Kirchenkreises vor Ort ein genaues Bild vom Zustand des Gebäudes gemacht. Dabei wurden mehrere Probleme festgestellt.
Das mit Reet eingedeckte Kirchenschiff ist erneuerungsbedürftig. Auf dem Dach befinden sich nur noch etwa zehn bis fünfzehn Zentimeter Reet. Zusätzlich hat sich viel Moos gebildet, das Feuchtigkeit speichert. Die Balken und die Dachlattung sind dagegen noch in gutem Zustand und müssen nicht ersetzt werden.
Auch an der Fassade sind Schäden sichtbar. Besonders auffällig ist eine rötliche Verfärbung an der nördlichen Seite – sie stammt von einem Rotalgenbefall.
Schäden an Dach, Fassade und Innenraum
Besonders die Nordwand ist sehr feucht und und salpeterhaltig. Dadurch löst sich im Inneren erwartungsgemäß der bei der letzten Sanierung aufgebrachte Opferputz von den Mauern. Auch der Sockelputz ist durchfeuchtet und weist Schäden auf. Ursachen sind unter anderem Pflastersteine mit Gefälle zur Wand hin oder Regenabläufe, die direkt am Sockel enden.
Hinzu kommen stark verrostete Fensterrahmen. Der Rost reicht teilweise bis ins Mauerwerk hinein. Alle Rahmen müssen daher ausgebaut und behandelt werden.
Im Inneren der Kirche steht ebenfalls Arbeit an. Viel Putz muss erneuert werden. Die Apostelgruppe (Holzfiguren) soll von der Wand genommen und gereinigt werden.
Auch die veraltete Heizungsanlage muss ersetzt werden.
Sachverständige haben sich bereits mit dem Holz und der Fassade beschäftigt und den Zustand begutachtet.
Mehr als eine Million Euro Kosten
Nach einer Kostenschätzung aus dem Jahr 2025 belaufen sich die Gesamtausgaben für das Projekt auf ca. 1.008.820 Euro.
Ein Teil der Finanzierung steht bereits: Der Baufonds des Kirchenkreises Nordfriesland stellt 350.000 Euro bereit, wenn die Kirchengemeinde aus Eigenmitteln mindestens 94.000 Euro aufbringt. Die Amrum-Stiftung unterstützt das Vorhaben mit 15.000 Euro.
Eine Beteiligung am „Denkmalschutz-Sonderprogramm“ wurde jedoch abgelehnt. Im Herbst soll erneut ein Antrag gestellt werden.
Damit bleibt eine große Lücke: Rund 650.000 Euro fehlen noch, wenn die Kostenschätzung die real entstehenden Kosten abbildet.
Die Frage steht im Raum: Wo soll dieses Geld herkommen?

Ideen und Helfer für das Projekt gesucht
Bevor die Arbeiten beginnen können, müssen zahlreiche Anträge gestellt werden – etwa für Fördermittel bei Institutionen und Stiftungen. Auch Fundraising wird eine wichtige Rolle spielen.
Für diesen Bereich wurde Pfarrerin Dr. Claudia Andrews hinzugezogen, die Teilnahme erfolgte per Videokonferenz. Sie möchte das Projekt unterstützen und gemeinsam mit der Kirchengemeinde neue Finanzierungswege entwickeln.
Unter dem Motto „Kirche auf Amrum“ soll im Jahr 2027 ein Aktionsjahr stattfinden.
Neben der Finanzierung stehen auch organisatorische Aufgaben an: Öffentlichkeitsarbeit, eine aktualisierte Website, Flyer, neue Spendenmöglichkeiten oder bargeldloses Bezahlen.
Auch kreative Ideen sind gefragt, um Menschen für die Unterstützung der Kirche zu gewinnen. Vorgeschlagen wurden unter anderem Kirchenführungen – innen und außen –, besondere Aktionen, Merchandising oder sogar Strickprojekte zugunsten der Kirche.
Fest steht: Für die Zukunft der St. Clemens-Kirche braucht es viele helfende Hände.
Wenn Sie sich vorstellen können, bei der Planung, Organisation oder Umsetzung der Maßnahmen zu helfen, zögern Sie bitte nicht, mit dem Kirchenvorstand oder direkt mit Pastorin Martje Brandt pastorin.brandt@amrum-kirche.de den Kontakt aufzunehmen. Über diesen Weg können Sie sich auch für den Info-Newsletter anmelden, der laufend über die Sanierung berichtet. Der Kirchenvorstand und die Mitarbeitenden können die anfallenden Arbeiten nicht allein bewältigen.
Für die Umsetzung der Erhaltungs- und Sanierungsarbeiten sind viele praktische Arbeitsstunden erforderlich. Auch hierfür ergeht die Bitte um Mithilfe.
Auch finanzielle Unterstützung wird erforderlich sein. Ihre Spende wird kein Tropfen auf den heißen Stein sein, sondern zu den „Steinen“ gehören, die das Vorhaben wachsen lassen.
AmrumNews Online-Zeitung der Insel Amrum







