Norddorf: Neue Ausstellung von Kerstin Voss im Gemeindehaus …

Vier Jahre gewartet – jetzt ist es so weit. Die Lüneburger Künstlerin Kerstin Voss stellt erstmals in Norddorf aus. Warum sich auch mehrere Besuche lohnen…

Die Lüneburger Künstlerin Kerstin Voss stellt ein Jahr lang im Gemeindehaus aus.

Kerstin Voss’ erste Einzelausstellung auf Amrum

Vier Jahre lang hat sie auf diese Gelegenheit gewartet – seit Anfang März ist es nun endlich so weit: Die Lüneburger Künstlerin Kerstin Voss hat ihre erste kleine Einzelausstellung im Norddorfer Gemeindehaus eröffnet. Rund 15 Werke, die auch ab und zu ausgewechselt werden, zieren jetzt ein Jahr lang den Eingangsbereich des Veranstaltungsraumes.

Dass diese Ausstellung nicht mit einer klassischen Vernissage begann, ist einer besonderen Idee von Galeristin Kirsten Sothmann zu verdanken: Statt einer feierlichen Eröffnung wurde der Aufbau selbst zum Ereignis. Während der regulären Öffnungszeit brachte Kerstin Voss ihre Werke nach und nach an die Wände – Besucher konnten dabei zusehen, ins Gespräch kommen und miterleben, wie die Ausstellung entstand.

Besucher konnten Anfang März direkt dabei sein und zuschauen, wie Kerstin Voss ihre Werke wählt und aufhängt.

Verwurzelt und verzweigt: Die Kunst der Künstlerin

Eigentlich kommt Kerstin Voss schon seit rund 20 Jahren mit ihrer Familie auf die Insel, mittlerweile mehrmals im Jahr. Sie hat hier ihre “Herzenswurzeln”, wie sie sagt. Hier komme sie total zur Ruhe. Doch von der Möglichkeit, im Gemeindehaus auszustellen, erfuhr sie erst vor wenigen Jahren. Während der ersten Teilnahme am Künstlerfest der Rotarier lernte sie Kirsten Sothmann, die nebenan auch die Bücherstube betreibt, kennen – und das war eben vor vier Jahren. Seitdem hat Voss geduldig gewartet, bis einer der beliebten Slots frei wurde.

“Verwurzelt und verzweigt” heißt ihre aktuelle Ausstellung im Gemeindehaus. Damit meint die Lüneburgerin nicht nur ihre eigene Verbindung zur Insel, sondern vielmehr die Motive ihrer Kunst. Das titelgebende Hauptwerk – das aktuell noch in einer anderen Ausstellung ist und erst später nachkommt – entstand nach einer Sturmflut an der Wattseite der Insel: Hier hatte die Kraft des Meeres eine Abbruchkante in die Geest gegraben und so die Wurzeln eines darauf wachsenden Schilfs freigelegt. Wie in einem Querschnittsmodell konnte man Unter- und Oberirdisches der Pflanze gleichzeitig sehen – eine Ansicht, die Kerstin Voss faszinierte und immer wieder zu neuen Werken inspiriert.

Es braucht ein gutes Auge, um die passende Auswahl zu treffen.

Das Thema Natur in Kerstin Voss’ Arbeiten

Überhaupt ist die Natur Amrums das Leitmotiv ihrer Kunst. Klassische touristische Motive wie Leuchtturm und Kirche kommen ihr nicht auf die Leinwand. Stattdessen findet man Landschaften genauso wie einzelne Pflanzen oder Pflanzengemeinschaften. Und immer wieder das Licht. “Ich bin ein Fan von Rosa”, gibt Voss zu. Auch wenn ihr mal jemand sagte, es sei eine schwierige Farbe. Aber, wer die Sonnenauf- und -untergänge der Insel kennt, wird die Künstlerin verstehen. In allen Schattierungen und Nuancen taucht Rosa am Amrumer Himmel immer wieder auf – und so auch in den Werken von Kerstin Voss.

Auch wenn knallige Farben mittlerweile für die Lüneburgerin schwieriger geworden sind. Denn: Die Natur spielt nicht nur in ihren Motiven eine Rolle, sondern auch in den verwendeten Materialien. “Nachhaltigkeit wird mir immer wichtiger”, sagt Voss. Neben Tusche, Stiften, Wachs- und Pastellkreiden kommen auch Naturmaterialien wie Erden, Treibholz oder Blätter zum Einsatz. Vor allem verzichtet Kerstin Voss auf chemische Ölfarben und Bindemittel – und nimmt damit in Kauf, dass die natürlichen Pigmente weniger intensiv und leuchtend sind. “Das ist manchmal ernüchternd, weil ich eine genaue Vorstellung des Ergebnisses im Kopf habe und es dann einfach nicht so hinbekomme.” Ein Zurück zur Chemie kommt für sie dennoch nicht in Frage.

Letzte Handgriffe: Hier noch ein Nagel, da noch eine Schraube und das Seil zum Befestigen – alles macht Kerstin Voss selbst.

Nachhaltigkeit als Leitgedanke

Neben Malereien und Zeichnungen befasst sich Kerstin Voss auch mit Handdrucktechniken: Monotypien, Linoldruck, Paper Plate Lithography. Ebenfalls alles mit naturbasierten Künstlerölfarben und Leinöl hergestellt. “Dadurch sind die Drucke transparenter als mit herkömmlichen Farben und Bindemitteln. Dadurch entsteht eine Flüchtigkeit, die eigentlich viel besser zur Natur passt. Das finde ich spannend.”, sagt Voss. Als Mitglied im Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler Niedersachsen (BBK) ist sie zudem eng mit der Kunstszene der Region vernetzt und nimmt regelmäßig an Ausstellungen und Projekten teil.

Besuchen Sie die Ausstellung von Kerstin Voss im Gemeindehaus in Norddorf

Kunst, die zum Mitmachen anregt

Besonders spannend für Besucher der Ausstellung dürfte auch die Überlegung von Kerstin Voss sein, Druck- und Mixed-Media-Kurse im Herbst auch auf Amrum anzubieten. In ihrem Lüneburger Atelier bietet sie regelmäßig solche Workshops an. Doch vor allem für Amrumer wäre das ein echter Gewinn, wenn die Kurse zu ihnen, statt sie zu den Kursen nach Lüneburg kommen müssten. Denn, das kann man nicht anders sagen, die Werke von Kerstin Voss machen Lust, sich selbst auszuprobieren und mit Naturmaterialien und Drucktechniken zu experimentieren.

Bis es soweit ist, kann man sich von den Bildern im Gemeindehaus in Norddorf beflügeln lassen. Hier finden sich neben größeren Leinwänden auch kleine gerahmte Werke, die in den Reisekoffer passen. Letztere beginnen preislich bei rund 290 Euro, die Leinwände bekommt man ab ca. 1.500 Euro – und kann sie sich selbstverständlich auch nach Hause schicken lassen. Und wie gesagt, die Werke werden im  Laufe der Zeit wechseln. Es lohnt sich also, öfter mal vorbeizuschauen.

Geöffnet ist die Ausstellung Mo – Fr: 10.00 – 12.00 und 15.00 – 18.00 Uhr, Sa: 10.00 – 12.00 Uhr

Weitere Infos zu Kerstin Voss sowie aktuelle Ausstellungen findet man auch auf ihrer Webseite unter https://www.kerstin-voss-malerei.de/

Über Nina Löschner

Nina Löschner kam 1989 kurz vor dem Mauerfall in Ost-Berlin zur Welt. Aufgewachsen auf dem Brandenburger Land zog es sie nach der Schule zurück in die Hauptstadt. In Berlin studierte sie Kunstgeschichte und Englisch, arbeite anschließend im Projektmanagement eines Auktionshauses und schließlich sieben Jahre lang als Redakteurin für Funk und Fernsehen. 2022 nahm sie sich eine berufliche Auszeit und absolvierte einen Freiwilligendienst im Naturschutz auf Amrum. Doch die Insel ließ sie nicht mehr los - und so brach sie alle Zelte in der Hauptstadt ab. Heute arbeitet Nina als Leiterin der Schutzstation Wattenmeer in Wittdün.

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