Amrumer Kontraste 05 – Blick über die Wittdüner Bucht vom Fähranleger aus

Die Amrumer „Großstadt“ Wittdün ist zwar nicht die einwohnerstärkste Gemeinde auf Amrum, kann aber als das wirtschaftliche Zentrum der Insel bezeichnet werden. Hier befindet sich der einzige Fährhafen; jeder, der nach Amrum kommt bzw. die Insel verlässt, muss den Fähranleger benutzen. In Wittdün stehen die höchsten Häuser, hier gibt es das Badeland, das Amrum Spa und demnächst auch das Medizinische Versorgungszentrum.

Es gibt viele Geschäfte und die Kultkneipe „Blaue Maus“. Die beiden Campingplätze sowie der Leuchtturm befinden sich auf Gemeindegrund. Auch der Yachthafen und die Anlagen des Außenbezirks Amrum des Wasser- und Schifffahrtsamtes Elbe-Nordsee mit den Anlegestellen für dessen Schiffe, das Ausflugsschiff Eilun, den Krabbenfischer sowie die Station der DGzRS zählen zu Wittdün. Die Einwohnerzahlen mit Erstwohnsitz belaufen sich, je nach Saisonzeit, auf zwischen 650 und 700. Die flächenmäßig größte Amrumer Gemeinde ist mit den Ortsteilen Süddorf und Steenodde der Ort Nebel. Hier bewegen sich die Bewohnerzahlen zwischen 900 und 950; die Gemeinde Norddorf hat 500 bis 550 Einwohner.

Der Fähranleger befindet sich im nördlichen Bereich der sogenannten Südspitze. Von hier aus hat man einen schönen Blick über die Wittdüner Bucht, der je nach Wetter, Jahreszeit und Wasserstand recht unterschiedlich ausfallen kann. Lässt der Betrachter sein Auge von links nach rechts schwenken – blickt er also zuerst nach Westen, dann über Nordwest nach Nord und Nordost –, sieht er den Ortseingang von Wittdün, den befestigten Fuß- und Fahrradweg entlang der Promenade an der Bucht, erkennt die Wohnhäuser und Gebäude der DRK-Mutter-Kind-Kurklinik „Alma-Münster-Haus“, das Haus Kerrin, sieht die im Bäderstil renovierten Häuser Haus Hildegard (ehemals Villa Adelgunde) und Villa Helgoland, erblickt den Leuchtturm, erkennt die Betriebshallen des Amrumer Yachtclubs, des Wittdüner Bauhofs und des Restaurants Seefohrerhus, schaut auf den Yacht- und Seezeichenhafen und kann schließlich Steenodde sowie das Wattenmeer zwischen Amrum und Föhr erkennen.

Besonders eindrucksvoll ist es, von hier aus das Wechselspiel der Gezeiten zu beobachten. Während bei Flut die Wittdüner Bucht regelrecht „vollläuft“, ist es bei Ebbe nur noch ein schmaler, schiffbarer Wasserlauf, der sich am Fähranleger vorbei schlängelt und sich zum Seezeichenhafen und zur Mole nach Steenodde zieht und der durch Pricken gekennzeichnet ist. Bei extremen Sturmfluten kann die Promenade überflutet werden; bei extremen Niedrigwasserständen hingegen, wie z. B. zuletzt am 23. Januar d. J., kann der Priel so wenig Wasser führen, dass größere Schiffe wie der Tonnenleger oder der Seenotrettungskreuzer ihn nicht mehr passieren können. Um eine Einsatzbereitschaft aufrechtzuerhalten, begibt sich dann der Seenotrettungskreuzer „Ernst-Meier Hedde“ auf Reede, zumeist in den Wattenstrom „Norderaue“ zwischen Amrum, Föhr und den Halligen.

Interessant ist auch die Geschichte der bereits erwähnten Häuser Haus Kerrin, Haus Hildegard und Villa Helgoland. Alle drei Gebäude wurden vom Helgoländer Kapitän und Ostindienfahrer Paul Jansen Köhn (*1838, †1907) und seiner von Pellworm stammenden Ehefrau Elisabeth, geb. Nommensen, erbaut. Das „Strandhotel“ (heute Haus Kerrin) war das erste fest gemauerte Hotelgebäude in Wittdün und wurde 1890/91 errichtet. Bereits 1893 verkaufte Köhn das „Strandhotel“ an die Aktiengesellschaft des Hoteliers Heinrich Andresen, ließ aber nördlich des Hotels in unmittelbarer Nachbarschaft die beiden Villen – zunächst „Adelgunde“, dann „Helgoland“ – errichten. Während die als Gästehaus gedachte Villa Adelgunde rasch weiterverkauft wurde, diente die Villa Helgoland als Köhns Ruhesitz, in dem er sich allerdings nur selten aufhielt.

In den 1970er Jahren wurde die Villa Helgoland vom Amt Amrum gekauft. Geplant war, dort einen neuen Fähranleger bauen zu lassen. Nachdem dieses Vorhaben aufgrund verschiedener Umstände fehlschlug, wurde das Haus von der Gemeinde Wittdün zur Vermietung von Dauerwohnraum genutzt. Ab 2006 blieb es leer und verfiel zusehends. 2011 gelangte es in Privatbesitz und wurde aufwendig renoviert. Heute können hier zwei exklusive Ferienwohnungen angemietet werden.

Die Villa Adelgunde heißt schon seit Langem „Haus Hildegard“ und befand sich seit 1907 im Besitz einer Amrumer Familie. Nach dem Verkauf wurde das Gebäude ab 2020 ebenfalls aufwendig umgebaut und renoviert und befindet sich seitdem in Privatbesitz.

An den Erbauer der hier beschriebenen Häuser wird man auf Amrum auch heute noch erinnert, vor allem, wenn man mit dem Bus über die Insel fährt. Da wird nämlich die Haltestelle an der Feuerwache Wittdün angesagt: „Köhns Übergang“. So heißt die Straße, die von der Inselstraße aus an der Wache in Richtung Kniepsand führt. Hier wurde von Paul Jansen Köhn ein Weg erschlossen, damit die Hotelgäste aus dem Strandhotel bequem zum Wittdüner Südstrand gelangen konnten. Noch heute trägt dieser Weg den Namen „Köhns Übergang“.

 

Über Peter Totzauer

Dr. med. Peter Totzauer, Facharzt für Allgemeinmedizin, Facharzt für Anästhesie, Notfallmedizin, Spezielle Schmerztherapie, geb. 1954 in Fürth/Bay., hat, bedingt durch den Beruf des Vaters, als Kind u.a. 4 ½ Jahre in Frankreich gelebt. Abitur 1974 in Köln, Studium der Humanmedizin an der Universität Bonn. War seit 1982 ärztlich tätig, davon viele Jahre als Oberarzt in der Anästhesie und als Leitender Notarzt in Euskirchen. War 2007 für ein halbes Jahr im Rahmen einer „Auszeit“ vom Klinikalltag bei seiner Lebensgefährtin und mittlerweile Ehefrau Claudia auf Amrum. Dies hat ihm so gut gefallen, dass er seit Ende 2008 seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt ganz auf die Insel verlegt hat und hier seit 2010 mit in der „Praxis an der Mühle“ gearbeitet hat. In 2024 ist er endgültig in den ärztlichen Ruhestand getreten. Er hat zwei erwachsene Kinder, sein Sohn ist niedergelassener Physiotherapeut in Neuss, seine Tochter ist Lehrerin an der Öömrang Skuul.

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