Mit den ersten warmen Tagen beginnt auf Amrum wieder eine besonders sensible Zeit.

Kiebitz und Austernfischer im Fokus
Die Brutzeit hat begonnen und damit auch das Projekt des gemeinschaftlichen Wiesenvogelschutzes auf Amrum, welches in Zusammenarbeit mit dem Michael-Otto-Institut des NABU in Bergenhusen, erfolgt. Hierbei stehen vor allem Kiebitz und Austernfischer auf Äckern und Wiesen im Mittelpunkt. Jetzt, da die Temperaturen langsam steigen und die Tage länger werden, zeigen die Kiebitze eindrucksvolle Balzflüge: Mit akrobatischen und halsbrecherischen Manövern und ihrem typischen „Kiwiet“-Ruf werben sie um Partner.
Während der Kiebitz früher weit verbreitet war, ist heute ein deutlicher Rückgang der Bestände zu verzeichnen. Ursachen sind unter anderem der Verlust von Feuchtgrünland, eine frühe Mahd sowie schnell wachsende Kulturen auf den Äckern. Aufgrund seines besonderen Schutzbedarfs wurde der Kiebitz im Jahr 2024 zum Vogel des Jahres gewählt.

Schwierige Bedingungen trotz geeigneter Flächen
Auf Amrum kommen Kiebitze vor allem noch in der Norddorfer Marsch sowie auf Äckern – insbesondere im Bereich Wittdün – vor. Dort finden sie Brutplätze in unmittelbarer Nähe zu geeigneten Nahrungsflächen. Die Vögel ernähren sich überwiegend von Insekten und deren Larven, die für die Küken in ausreichender Menge vorhanden sein müssen.
Auf Amrum erfolgt die Mahd vergleichsweise spät oder bleibt aufgrund des Gänsefraßes ganz aus, ein geringeres Risiko für Nester und Jungvögel, trotzdem sind die Bedingungen nicht optimal. Dies wird auch deutlich, da die Kiebitze zunehmend auf Äckern brüten, obwohl die ursprüngliche Brutgebiete der Kiebitze Feuchtwiesen und Moore sind. Daten aus dem vergangenen Jahr zeigen, dass auf Amrum Küken flügge geworden sind, jedoch im Jahr 2025 der Bruterfolg nicht bestandserhaltend war. Auch wenn für den langfristigen Erhalt einer Art nicht in jedem Jahr ein bestandserhaltender Bruterfolg erreicht werden muss, sollte der Zustand weiterhin beobachtet werden.

Enge Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft
Für die Landwirte beginnt jetzt die arbeitsintensive Zeit der Feldbestellung, dies fällt zusammen mit dem Start der Brutsaison des Kiebitzes. Die Gelegesucher:innen des Projekts sind bereits seit zwei Wochen unterwegs, um die ersten Nester zu entdecken. Aktuell wird intensiv gebalzt, es werden Nistmulden angelegt und Paarungen beobachtet, doch Eier konnten bisher noch nicht gefunden werden. Dies liegt jedoch vor allem an den immer noch kühlen Temperaturen. Durch die gezielten Beobachtungen der Kiebitze und eine enge Abstimmung mit den Landwirten wird sichergestellt, dass notwendige Arbeiten auf den Flächen möglichst ohne Störungen für die Vögel stattfinden. Denn gerade jetzt, wenn die Tiere kurz vor dem Legen der Eier sind, führt wiederholte Unruhe über einen längeren Zeitraum zu Verzögerungen bis hin zur Aufgabe des Brutgeschehens.
Die Zusammenarbeit zwischen Naturschutz und Landwirten auf Amrum leistet somit einen wichtigen Beitrag zum Bruterfolg der Kiebitze und später im Jahr für die Austernfischer.
AmrumNews Online-Zeitung der Insel Amrum

