Ein zögerndes Ja – und plötzlich ist alles anders.
Ein Raum, ein Chor, und Musik, die unter die Haut geht und Menschen verbindet.
Was dann passiert, lässt niemanden unberührt.

Ein Anfang mit Vorbehalten
Als man mich letzten Sommer fragte, ob ich nicht Lust hätte, im Kirchenchor mitzusingen, war ich ehrlich gesagt erst nicht so richtig begeistert. Auch wenn ich selbst schon in verschiedenen Chören mitgemacht habe, hatte der Kirchenchor für mich irgendwie ein verstaubtes Image. Zwei Dinge sprachen allerdings doch dafür – na ja, eigentlich drei. Zum einen mag ich die St.-Clemens-Kirche unglaublich gerne, mit den Menschen, die da aktiv mitwirken. Zum anderen hatte ich im letzten Juli den von der Kirchenmusik organisierten Gospel-Workshop mit Darius Rossol mitgemacht. Und der war einfach nur großartig. Und das ausschlaggebende dritte Argument war ganz einfach Katharina Rau. Ich kannte unsere Kantorin ja schon aus dem Kinderchor und ich fand sie und ihre Art, wie sie den Chor der Kleinen leitet, einfach schon toll.

Warum ich doch zugesagt habe
Also gut, was hatte ich eigentlich zu verlieren? Ich konnte ja immer noch sagen, wenn es nicht meins ist. Nach den Herbstferien beginnt also jedes Jahr die Zeit des St.-Clemens-Kirchenchors. Ich war wirklich überrascht, wie bunt gemischt unser Chor ist, und fühlte mich direkt wohl – und aus einem „Ich schau mal rein“ wurde der Chor ein fester Bestandteil im Wochenplan. Katharina begrüßte uns jedes Mal mit einem Lächeln und motivierte uns auch, echt schwere Stücke zu singen. Das machte jedes Mal gute Laune und ich kam fröhlich und mit vielen Ohrwürmern nach Hause.
Vom ersten Ton zur Gemeinschaft
An verschiedenen Gottesdiensten durften wir mitsingen. Mal in größerer, mal in kleinerer Besetzung. Das Highlight war aber unser Konzert zum Saisonabschluss: „Sing a Song with me“ in der Kapelle in Wittdün. Wir hatten uns schon morgens im St.-Clemens-Hüs zur letzten Probe getroffen und freuten uns auf das Konzert am Nachmittag. Zum Mittagessen gab es für alle noch leckere Fischsuppe von „Fisch und Meer“. Danach hatten alle noch etwas Pause, bevor wir uns in Wittdün wieder trafen.

Die Spannung vor dem Auftritt
Ob wohl jemand kommen wird? Wir waren wirklich sehr gespannt, war doch parallel auch eine Veranstaltung der Linedancer. Unsere Bedenken waren unbegründet. Die Kapelle war rappelvoll. Es gab sogar Gäste, die keinen Sitzplatz mehr fanden und dann einfach an den Seiten stehen blieben.
Ein Moment, der nachklingt
So starteten wir unser Konzert mit „Kumbaya my Lord“. Der Klang in der Kapelle ist einfach fantastisch. Das klingt so anders als bei den Proben. Katharina begrüßte die Besucher und lud sie dazu ein, das ein oder andere Lied auch mitzusingen. Na klar sangen wir die Parts vor, die alle gemeinsam dann mitsingen konnten. Als die Gemeinde uns das erste Mal quasi ansang, hatte ich Gänsehaut. Das war großartig. Wow, was für ein Klang. Das machte gleich noch mal so viel Freude, gemeinsam zu singen.

Von Audrey Snyder „Ubi Caritas“, über das echt schwere, aber sehr schöne Lied „The Lord Bless You and Keep You“ von John Rutter, diverse Gospelsongs und sogar eine friesische Variante des „Latino-Halleluja“ von Friedemann Wutzler füllten wir die kleine Kapelle mit viel Musik. Katharina Rau fragte F. Wutzler vorher natürlich, ob wir seine Variante vom „Halleluja“ auf Öömrang umdichten dürfen. Er ist sehr gespannt und wollte die Version gerne haben. Vielleicht benutzt er das ja dann beim Gospel-Workshop in Husum Ende Mai? Das wäre doch für unsere Inselsprache wirklich toll. An den Text dafür haben sich unsere Chorleiterin und drei unserer Sängerinnen gesetzt, um es zu „unserem“ Halleluja zu machen. Ein großes Dankeschön dafür an Anke und Kirsten Tadsen, so wie Anke Quedens-Herber.
Das Ende des Konzertes wurde mit viel Applaus belohnt und es gab noch eine Zugabe mit dem Song: „Singt, bis das Lied zum Himmel klingt …“ – damit liefen wir gemeinsam aus der Kapelle.
Auf der Straße konnten wir aber gar nicht mehr aufhören und so sangen wir weiter, während die Gäste mit strahlenden Gesichtern so langsam das Konzert verließen. Es kam eine tolle Spende von rund 630 € zusammen, die der musikalischen Arbeit in der Kirchengemeinde von St. Clemens zugutekommt.
„Das müssen wir unbedingt wieder machen!“, „Wir können jetzt keine Chorpause machen!“ und „Das hat so viel Spaß gemacht!“ war das allgemeine Stimmungsbild aller Chormitglieder. Danke! Danke! Danke, Katharina! Wir freuen uns jetzt schon auf den Herbst, wenn es wieder losgeht. Übrigens: Wir können immer Menschen brauchen, die Freude am Singen haben.
An dieser Stelle auch ein kleiner Aufruf an die Männer: Unsere Tenöre und Bässe würden sich sehr über Verstärkung freuen! Also, los geht’s!
„Sing a Song with me“
Fotos ©Nina Löschner
AmrumNews Online-Zeitung der Insel Amrum

