Tonnenweise Sand sollen Föhrs Küste vor weiterer Erosion schützen. Zwischen Nieblum und Goting-Kliff läuft bis Ende August eine der größten Küstenschutzmaßnahmen der vergangenen Jahre. Der Aufwand dahinter ist enorm – und beginnt weit draußen vor Sylt.

Warum die Sandaufspülung nötig ist
Die Nordsee nagt seit Jahrzehnten an der Südküste Föhrs. Nach Angaben des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN.SH) verliert die Insel hier jedes Jahr rund 62.000 Kubikmeter Sand. Seit 1963 wird dieser Verlust regelmäßig durch Sandaufspülungen ausgeglichen.
Nun ist erneut ein großer Eingriff notwendig geworden: Zwischen Nieblum (Strand) und dem Goting-Kliff sollen bis Ende August 2026 rund 445.000 Kubikmeter Sand auf einer Länge von etwa drei Kilometern aufgespült werden. Die Kosten liegen bei rund 12,5 Millionen Euro.
Besonders betroffen ist das Goting-Kliff. Dort sind laut LKN.SH bereits zwei entscheidende Kriterien erreicht, die eine neue Sandaufspülung erforderlich machen: Der Inselsockel liegt teilweise frei, zudem wurde die festgelegte Küstenbasislinie unterschritten. Ohne Gegenmaßnahmen drohen weitere Erosionen – mit möglichen Folgen für Dünen, Strandbereiche und Küstenschutzanlagen.
„Nach 14 Jahren ist eine solche Maßnahme in diesem Abschnitt wieder notwendig“, sagt Birgit Matelski, Direktorin des LKN.SH. Die letzte große Aufspülung in diesem Bereich fand 2012 statt.

445.000 Kubikmeter Sand für Föhrs Küste
Die Dimensionen des Projekts sind enorm: Im Bereich Goting-Kliff werden rund 205.000 Kubikmeter Sand aufgespült, in Nieblum (Strand) weitere 240.000 Kubikmeter.
Der Sand stammt aus dem Entnahmefeld „Westerland III“, das etwa zehn Kilometer westlich von Sylt liegt. Dort wird das Material aus rund 15 Metern Tiefe vom Meeresboden aufgenommen.
Zum Einsatz kommt das Spezialschiff „ASK R“, ein moderner Schleppkopf-Saugbagger unter dänischer Flagge. Das Schiff wurde erst 2021 gebaut, ist rund 85 Meter lang und kann etwa 2.700 Kubikmeter Sand aufnehmen.
Von der Entnahmestelle führt der Weg westlich an Amrum vorbei über rund 70 Kilometer bis in die „Norderaue“ südlich von Föhr.

So läuft die aufwendige Maßnahme ab
Von der „Norderaue“ aus gelangt der Sand über kilometerlange Spülleitungen direkt an den Strand. Dafür werden rund zwei Kilometer Leitung durchs Watt verlegt, zusätzlich kommen weitere Rohre entlang der Küste zum Einsatz.
Damit der Sand überhaupt über diese lange Strecke transportiert werden kann, wird eine mobile Druckerhöhungsstation benötigt. Hierfür liegt der Saugbagger „TYR R“ im Amrumtief.
Der erste sogenannte Spülstoß erfolgte bereits am 12. Mai. Die Arbeiten sollen bis Ende August andauern.
Parallel dazu laufen weitere Küstenschutzmaßnahmen: Bereits im Frühjahr wurden auf Föhr zwei jeweils 150 Meter lange Buhnen zurückgebaut, die aus Sicht des Küstenschutzes nicht mehr benötigt werden. Auch auf Amrum verschwanden drei Schüttsteinbuhnen. Insgesamt mussten dort mehr als 6.000 Tonnen Naturstein abtransportiert werden.
Die Buhnen befanden sich unterhalb der Wandelbahn im Bereich von der Jugendherberge bis zur „Amrum Welle”. Hier ist besondere Vorsicht geboten. ACHTUNG SCHLICKEFELDER! Es besteht die „Gefahr“ des Einsinkens! Hier kann es passieren, dass man allein nicht mehr herauskommt.
Naturschutz und Küstenschutz im Gleichgewicht
Die Arbeiten greifen massiv in Natur und Landschaft ein. Deshalb wurde der Ablauf laut LKN.SH eng mit Naturschutzbelangen abgestimmt.
So sollen Störungen von Seehunden während der Wurf- und Säugezeit ebenso vermieden werden wie Beeinträchtigungen mausernder Trauerenten oder sensibler Brutgebiete.
Zum Schutz der Brutvögel entstehen am östlichen Ende des Aufspülabschnitts bei Nieblum sogar spezielle Strandinseln außerhalb des eigentlichen Arbeitsbereichs.
Die Sandentnahme aus dem Nationalpark sowie die Verlegung der Leitungen gelten nach Bundesnaturschutzgesetz als Eingriffe in Natur und Landschaft. Der Rückbau alter Buhnen dient deshalb auch als Kompensationsmaßnahme.
Millionenkosten für den Schutz der Insel
Finanziert wird das Projekt durch das Land Schleswig-Holstein gemeinsam mit Bundesmitteln im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“.
Für das Umweltministerium ist die Maßnahme alternativlos. „Besonders vor den Nordseeinseln treffen die Wellen mit großer Kraft auf die Küste“, erklärt Dirk van Riesen, Abteilungsleiter Wasserbau im Umweltministerium Schleswig-Holstein. Sandaufspülungen hätten sich bislang als effektivster und zugleich naturverträglichster Schutz sandiger Küsten erwiesen.
Fest steht: Der Kampf gegen Wind, Wellen und Strömungen wird auf Föhr auch in Zukunft weitergehen.
Quelle: Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN.SH)
AmrumNews Online-Zeitung der Insel Amrum

