Amrumer Kontraste 06 – Der Leuchtturm von der Inselstraße aus …

Wie bereits in der ersten Folge der Serie „Amrumer Kontraste“ angedroht, wird hier nochmals ein „Blick auf den Leuchtturm“ beschrieben.

Wenn man von Wittdün aus kommend auf der Inselstraße Richtung Nebel fährt, gibt es eine markante Stelle, von der aus der Blick auf den Leuchtturm unausweichlich ist. Etwa in der Höhe der Bushaltestelle „Zeltplatz“ und des Abzweigs zum Campingplatz 1 hat man den Eindruck, direkt auf das Seefeuer zuzufahren, bevor die Straße einen leichten Bogen nach rechts macht, um schließlich den Turm rechter Hand zu passieren. Wenn nun der Betrachter oder Fotograf sich die Stelle merkt und sie zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten oder unter unterschiedlichen Witterungsbedingungen aufsucht, kann er auch hier die unterschiedlichsten Eindrücke von ein und demselben Motiv erhalten.

Die „Hauptstraße“ der Insel führt vom Fähranleger in Wittdün am Leuchtturm vorbei über Süddorf und Nebel bis nach Norddorf. In Wittdün heißt sie „Inselstraße“, ab der Leuchtturmkurve durch Süddorf und bis nach Nebel „Waasterstigh“, ab der 90°-Linkskurve in Nebel „Strunwai“ und ab der 90°-Rechtskurve dann „Sanghughwai“. Im Ortsgebiet von Norddorf, ab dem Abzweig Nei Stich / Onkel Tom’s Hütte, wird sie bis in Höhe der Kreuzung hinter dem Kino „Lunstruat“ genannt. Danach ist es der „Oodwai“, der dann in die Norddorfer Marsch bis zum Schullandheim Ban Horn führt. Es ist dies mit rund 10 km die längste Strecke, die man auf Amrum ohne Abzweigungen an einem Stück auf einer befestigten Straße fahren kann. Dabei ist zu beachten, dass ab dem Ortsende in Norddorf der Weg durch die Marsch bis zum Landschulheim für Autofahrer nur für Anlieger gestattet ist.

In der Liste der Landesstraßen in Schleswig-Holstein, in der der Straßenverlauf in der Regel von Nord nach Süd und von West nach Ost angegeben wird, ist diese Strecke als L 215 (Norddorf auf Amrum – Nebel – Süddorf – Wittdün auf Amrum) verzeichnet. Landesstraßen unterliegen dem Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein, der unter anderem für Reparaturarbeiten zuständig ist. Wie fast überall im Land sind auch auf dieser Strecke seit Jahren viele Schäden, insbesondere nach Frostperioden – sogenannte „Schlaglöcher“ –, zu verzeichnen, die durch den Landesbetrieb immer wieder notdürftig geflickt werden. Eine grundlegende Sanierung ist nach dem „Erhaltungsprogramm Landesstraßen“ bis einschließlich 2027 allerdings nicht vorgesehen. Da dies in das Aufgabengebiet des Landes S-H fällt, haben die Gemeinden, durch die die L 215 führt, kaum Möglichkeiten, auf ein mögliches Sanierungsprogramm einzuwirken.

Dies gilt auch für die zweitlängste Straße auf Amrum, den „Stianoodswai“, der von Süddorf bis nach Steenodde zur Mole führt und eine Länge von etwa 2 km hat. In der Liste der Landesstraßen S-H wird die Strecke zwar nicht aufgeführt, ist jedoch auf den sogenannten Stationszeichen mit der Bezeichnung L 282 versehen. Alle anderen Straßen und Wege in den Ortsgebieten sind durch die jeweiligen Gemeinden instand zu halten.

Der Verlauf der L 215 folgt ab Wittdün bis in Höhe des Leuchtturms in etwa der Bahntrasse der ehemaligen Inselbahn. Zwischen 1901 und 1939 fuhren hier Eisenbahnzüge, die zunächst dampfbetrieben waren. Im Jahr 1909 erfolgte eine Elektrifizierung der Strecke, die neben den Dampfloks auch den Einsatz von straßenbahnähnlichen Triebwagen erlaubte. Mehrere Besitzerwechsel, Finanznöte, die Wirren des Ersten Weltkrieges und immer wiederkehrende Probleme mit der Stromversorgung bedeuteten dann 1920 das Ende der „Elektrischen“. Bis 1939 konnte danach noch unter großen Mühen ein dampfbetriebener Bahnbetrieb aufrechterhalten werden. Mitte der 1920er-Jahre gelangten die ersten Autos auf die Insel, aber es dauerte bis 1938, bis die erste feste Straße von Wittdün bis Norddorf gebaut wurde, die dann auch einen Omnibusverkehr ermöglichte.

Wer mehr über die Amrumer Inselbahn und den Busverkehr erfahren möchte, sollte die ausführlichen Beschreibungen von Georg Quedens im Buch „Wie forn, wenn ick mien Punsch ut heff“ (ISBN 3-924422-66-4) lesen

Über Peter Totzauer

Dr. med. Peter Totzauer, Facharzt für Allgemeinmedizin, Facharzt für Anästhesie, Notfallmedizin, Spezielle Schmerztherapie, geb. 1954 in Fürth/Bay., hat, bedingt durch den Beruf des Vaters, als Kind u.a. 4 ½ Jahre in Frankreich gelebt. Abitur 1974 in Köln, Studium der Humanmedizin an der Universität Bonn. War seit 1982 ärztlich tätig, davon viele Jahre als Oberarzt in der Anästhesie und als Leitender Notarzt in Euskirchen. War 2007 für ein halbes Jahr im Rahmen einer „Auszeit“ vom Klinikalltag bei seiner Lebensgefährtin und mittlerweile Ehefrau Claudia auf Amrum. Dies hat ihm so gut gefallen, dass er seit Ende 2008 seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt ganz auf die Insel verlegt hat und hier seit 2010 mit in der „Praxis an der Mühle“ gearbeitet hat. In 2024 ist er endgültig in den ärztlichen Ruhestand getreten. Er hat zwei erwachsene Kinder, sein Sohn ist niedergelassener Physiotherapeut in Neuss, seine Tochter ist Lehrerin an der Öömrang Skuul.

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One comment

  1. Nur als Anmerkung: Den Uasterstigh halte ich für Länger als den Stianoodswai. Der fängt beim Leuchtturm an, führt am Gewerbegebiet vorbei, durch Süddorf bis zum Nordende von Nebel wo er auf den Meeskwai trifft und sich mit diesem zum Waasterstigh vereint. Ich hab das nie ausgemessen und heute geht das wg. der Sperre nur mit einem Fahrrad, aber ich würde den für länger halten. Und BTW, Der Tanenwai ist zwar nicht Asphaltiert, dürfte aber noch länger sein. Der fängt ebenfalls beim Leuchtturm an und endet erst am Waldrand nördlich des Wasserwerks. Sind vermutlich beides auch keine Landesstraßen. Out of Scope!?

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