Sand, Wasser, vier Stunden – fertig ist das Schloss

Jeden Sommer entstehen am Strand von Amrum beeindruckende Burgen. Günter Schwarz braucht dafür vor allem Sand, Wasser und viel Zeit. Doch sein Sohn hat schon die nächste Idee.

Günter Schwarz und sein Sohn Hannes erschaffen fast jeden Urlaubstag riesige Schlösser aus Sand.©Nina Löschner

Wenn schon keine neuen Mietwohnungen auf Amrum geschaffen werden, dann halt wenigstens jeden Tag ein Schloss. Wir sind ja bescheiden. Drei Zimmer, Küche, Bad – das fehlt den Bauwerken von “Architekt” Günter Schwarz leider. Dafür gibt es jede Menge Türme, Treppen, Fenster und Türen. Klingt geräumig. Nur die Sache mit dem Staubsaugen könnte zeitraubend werden, denn: Günter Schwarz baut Burgen aus Sand.

Ein Familienhobby mit Tradition

Seit über 10 Jahren kommt der aus Bayern stammende Günter Schwarz, der hauptberuflich einem Bürojob nachgeht, mit seiner kleinen Familie in den Sommerferien nach Amrum. Immer nach Norddorf, zwei bis drei Wochen. Die meiste Zeit verbringen er und sein Sohn Hannes dann am Strand nahe der Wasserkante, mit allerlei Werkzeug im Gepäck.

Neben Sand und Wasser hat Günter Schwarz sich allerhand Formen selbst angefertigt. ©Nina Löschner

Mehrere Eimer, Schaufeln, Spatel, Sprühflaschen und allerhand Formen aus Holz, Metall und Kunststoff liegen um das aktuelle Bauwerk herum verteilt. Darunter sind Sandformen für Turmspitzen, aber auch jede Menge selbstgeschnitzte Stempelvorlagen, mit denen Rund- und Spitzbogenfenster in die Mauern gedrückt werden. Manche fertigt Schwarz mittlerweile sogar im 3D-Drucker.

Mit Spatel und viel Geduld erschafft Günter Schwarz mittelalterliche Sandburgen.©Nina Löschner

Doch das wichtigste Werkzeug ist natürlich der Baustoff selbst: der Sand. “Sand und Wasser, mehr braucht es nicht – kein Bindemittel, nichts. Das ist schon irre!”, schwärmt Günter Schwarz. Und sie waren natürlich auch schon an anderen Stränden der Welt, auch in Italien. “Aber so fein wie hier, ist der Sand nirgends”, sagt er. Nur die Skulpturenbauer in Travemünde hätten noch besser geeigneten: Der komme aus Sandgruben und sei nicht vom Meer so rund geschliffen. Etwas kantigere Körner “verzahnen” sich besser und sorgen so für mehr Stabilität. Aber Günter Schwarz will ja auch keine Wettbewerbe gewinnen, es gehe ihm um den Spaß. “Aber es wundert mich schon, dass es hier keine Meisterschaften gibt, bei dem tollen Sand”, bedauert der Hobbyarchitekt.

Günter Schwarz sagt: “Für mich ist es kein Kunstwerk, sondern Handwerk.” ©Günter Schwarz

Vier bis fünf Stunden für ein Schloss 

Später, wenn er Rentner ist und viel Zeit hat, kann er sich aber schon vorstellen, auch Workshops zu geben. Denn das Interesse ist groß: Ständig bleiben Urlauber stehen, bewundern das Bauwerk, machen Fotos und kommen mit Günter Schwarz ins Gespräch. “Einige Stammgäste fragen dann: ‘Mensch, waren Sie nicht letztes Jahr auch schon da?’ Das freut mich dann besonders und ohnehin sind die Unterhaltungen mit den Spaziergängern mit das schönste.”, sagt er.

Vier bis fünf Stunden verbringen Günter Schwarz und Sohn Hannes täglich mit dem Burgenbau. Etwas zum Leidwesen seiner Frau gibt Schwarz ein wenig reumütig zu. Sie dulde das Hobby, die Leidenschaft allerdings teilt sie nicht. Sie beschränkt sich darauf, Arbeit und Ergebnis fotografisch festzuhalten – und nutzt ansonsten die Bauzeiträume für ausgiebige Entspannungsübungen im Strandkorb. “Da muss man schon eine gewisse Leidensfähigkeit mitbringen”, schmunzelt Schwarz.

Selbst eine Vorlage für eine Falltür hat Günter Schwarz sich angefertigt. ©Günter Schwarz

Wenn der Sand zur Burg wird 

Ihm sei die Begeisterung hingegen quasi in die Wiege gelegt worden. Sein Vater war ein kreativer Kopf und leidenschaftlicher Modellbauer. Die Freude an kleinteiliger Handarbeit und am Reparieren hat sich an Günter Schwarz vererbt – und mittlerweile auch an seinen Sohn. Von klein auf war Hannes mit dabei, hat neben den Burgen gesessen und zugeschaut. Mittlerweile ist er 15 und unterstützt seinen Vater gern. “Eigene Burgen habe ich bislang nicht gebaut, aber ich helfe, wo ich kann.”, sagt er. Türme stapeln, schnitzen, Wasser holen.

Vor allem am Anfang einer jeden Burg sei es toll, wenn man Unterstützung hat, denn: “Erstmal braucht man einen großen Haufen Sand, der die Basis bildet. Das heißt, ein bis zwei Stunden schippen wir nur Sand. Und dann ist man noch mal eine halbe Stunde nur mit Wasserholen beschäftigt, um den Sand ordentlich zu durchtränken”, beschreibt Günter Schwarz das Vorgehen. Dann allerdings sei der Sand schön stabil und lasse sich gut formen. “Je nach Witterung steht die Burg dann auch zwei bis drei Tage”, sagt Schwarz. Vorausgesetzt, Kinder kommen ihr nicht zu nahe. “Letztens erst hat eines die ganze Burg komplett niedergewalzt”, lacht Schwarz. Das ist die größte Herausforderung an die Sandburg, dem Spieldrang der Kinder standzuhalten. Und an Schwarz selbst: “Das fällt mir natürlich total schwer, die Kinder mit ihrer Begeisterung und ihrem Willen zu helfen dann doch eher auf Abstand zu halten, da die meisten doch noch zu klein sind, um mit ausreichender Vorsicht daran zu gehen”, sagt er.

Sandschloss im Sonnenuntergang – für Familie Schwarz das schönste Motiv. ©Günter Schwarz

Vom Mittelalter bis zur LED-Burg 

Die Schlösser, die Günter und Hannes Schwarz bauen, sind meist eine Mischung aus mittelalterlichen und maurischen Elementen. Selbst eine Falltür hat Schwarz sich als Vorlage angefertigt. “Ich habe auch schon moderne Burgen ausprobiert, aber publikumswirksamer sind die klassischen Bauten”, lacht er. Und mehr Spaß machten diese auch. Eine Vorlage habe er nie, lässt seiner Kreativität einfach freien Lauf. Nur ein paar Tricks hole er sich im Internet. “Für die Türme nimmt man Eimer ohne Böden. Den größten setzt man nach unten, füllt ihn bis oben mit Sand und stapelt dann immer kleiner werdende bodenlose Eimer oben drauf. Am Ende zieht man sie einfach nach oben ab. Das reduziert die Einsturzgefahr enorm!”, erzählt Schwarz begeistert.

Während Günter Schwarz keine großen Zukunftspläne für seinen Burgenbau hat und einfach ein wenig weiter optimieren will, hat Sohn Hannes schon ganz konkrete Ideen für neue Effekte: Er sei ein kleiner Elektrofreak, sagt er. Ihm schwebe vor, die Fensterbögen mit LEDs zu beleuchten! “Das wäre neben dem Sonnenuntergang natürlich dann natürlich die Krönung für abends.”, gibt auch Günter Schwarz zu.

Das behalten wir von Amrum News selbstverständlich im Hinterkopf – und stehen pünktlich wieder auf der Sandplatte, wenn die erste illuminierte Sandburg Amrums zu bewundern ist. Bis dahin halten wir es mit Nena:

Gib mir die Hand, ich bau’ dir ein Schloss aus Sand
Irgendwie, irgendwo, irgendwann… 

Über Nina Löschner

Nina Löschner kam 1989 kurz vor dem Mauerfall in Ost-Berlin zur Welt. Aufgewachsen auf dem Brandenburger Land zog es sie nach der Schule zurück in die Hauptstadt. In Berlin studierte sie Kunstgeschichte und Englisch, arbeite anschließend im Projektmanagement eines Auktionshauses und schließlich sieben Jahre lang als Redakteurin für Funk und Fernsehen. 2022 nahm sie sich eine berufliche Auszeit und absolvierte einen Freiwilligendienst im Naturschutz auf Amrum. Doch die Insel ließ sie nicht mehr los - und so brach sie alle Zelte in der Hauptstadt ab. Heute arbeitet Nina als Leiterin der Schutzstation Wattenmeer in Wittdün.

schon gelesen?

Einladung zur Mitgliederversammlung “Förderverein Altenpflege” am Dienstag, den 25. August 2026.

Die Einladung zur Mitgliederversammlung finden Sie unter diesem Link: Einladung

Schreibe einen Kommentar

WP2Social Auto Publish Powered By : XYZScripts.com