Auch wenn schon sehr viel über die Amrumer Mühlen berichtet worden ist, so auch im Rahmen der diesjährigen Serie „Amrumer Kontraste“, wird es nicht langweilig, nochmals das eine oder andere von der Nebeler Windmühle zu erzählen:
Die Mühle ist nicht von allen Seiten her gut sichtbar. Sie sticht einem sofort ins Auge, wenn man am Ortsausgang von Süddorf auf dem Waasterstigh, der „Inselstraße“ nach Nebel zufährt. Kommt man hingegen von Nebel aus, erblickt man sie linker Hand am Ortsausgang zumeist erst ab der Höhe des Gemeindeparkplatzes. Den eindrucksvollsten Anblick hat man sicherlich von der Einfahrt zum Sportplatz aus. Von hier aus kann der gesamte Komplex, Mühle mit Heimatmuseum, am besten bewundert werden. Obwohl sie auf einem der höchsten Punkte Amrums steht, sieht man die Mühle von Norden oder Westen her kaum, da sie sich hier hinter Reetdachhäusern oder Bäumen versteckt.
Geht man allerdings entlang der Befriedung des Mühlenhügels auf dem „Waalangsteedwai“ in östliche Richtung, kommt man nach kurzer Zeit an den östlichen Zugang des Geländes, von dem aus ein weiterer und auch besonderer Blick auf die Mühle möglich ist. Die Straße „Waalangsteedwai“ (oder „Wallingsteg-Weg“) kennt man auf der Insel übrigens zumeist nur als „Straße ohne Namen“, denn es fehlen hier jegliche Straßenschilder.
Der Blick auf die Mühle von hier aus und in nordwestlicher Richtung bietet dem Betrachter und Fotografen eine gute Möglichkeit, sich hier den Standort zu merken, um bei den verschiedenen Wetterlagen, Windrichtungen, Jahres- und Tageszeiten oder bei besonderen Anlässen unterschiedliche Eindrücke von der Mühle zu bekommen.
Die Postanschrift der Mühle lautet übrigens „Maalenstegalk 12“. Das ist die ungeteerte Straße vom Uasterstigh hinauf zum „Malenberag“, dem Mühlenhügel, wo sie endet.
Ursprünglich war es ein klassischer, reetgedeckter sog. „Erdholländer“, den der Seefahrer Erk Knudten 1770 in Holland kaufte, ihn abbauen ließ, nach Amrum verfrachtete und ihn 1771 hier wieder errichten ließ. Im Laufe der Geschichte ist die Mühle umgestaltet worden und wurde so durch die Unterkellerung der Lagerräume, die heute als Museum genutzt werden, offiziell zu einem „Kellerholländer“. Die Amrumer bezeichnen die Mühle aufgrund ihrer Geschichte und auch der Optik jedoch weiterhin liebevoll als „Erdholländer“.
Im Rahmen von Instandsetzungsarbeiten nach den Sturmschäden im August 2011 wurden dendrochronologische Untersuchungen der Holzkonstruktion der Mühlenkuppel durchgeführt. Hierbei ergab sich, dass das Kiefernholz bereits um das Jahr 1670 in Mittelschweden geschlagen wurde. Daraus kann man schließen, dass die Mühle viel älter als ursprünglich gedacht sein muss und weit über 350 Jahre alt ist. Somit gilt sie als älteste Windmühle in Schleswig-Holstein, wenn nicht sogar in ganz Deutschland.
Dendrochronologische Untersuchungen ermöglichen eine jahresgenaue Altersbestimmung von Holz. Hierbei lässt sich im Vergleich der Muster der Jahresringe eines Baumteils mit regionalen Standard-Chronologien das genaue Fälljahr des Baumes, welcher zur Herstellung beispielsweise eines Dachbalkens gedient hat, ermitteln.
Die Nebeler Mühle ist immer einen Besuch wert. Regelmäßig werden Führungen angeboten, das Museum kann besichtigt werden, und in den Innenräumen werden wechselnde Kunstausstellungen präsentiert. Und wenn das Wetter passt, lässt der „Verein zur Erhaltung der Amrumer Windmühle e. V.“ auch die Flügel im Wind drehen. Das ist beeindruckend.
In der Saison ist die Mühle von April bis Oktober geöffnet. Die Besuchs- und Führungszeiten können dem Internet entnommen werden.
AmrumNews Online-Zeitung der Insel Amrum








