Ein Partyzelt an der Inseltankstelle – da darf man schon mal neugierig werden. Doch statt Tanz und Freibier gibt es dort derzeit Pakete, Päckchen und jede Menge gelbe Lieferwagen. Amrum hat seinem Raummangel damit eine ganz neue, ziemlich postwendende Lösung verpasst.

So manch einer, der an der Amrumer Inseltankstelle vorbeifährt, mag sich verwundert die Augen reiben, steht dort doch auf dem Parkplatz seit letzter Woche ein Partyzelt. Rasch wurden Vermutungen darüber angestellt, was diese Zeltanlage denn für einen Sinn machen könnte. Waren es die ersten Vorbereitungen für die in diesem Jahr anstehende Jubiläumsfeier anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Amrumer Versorgungsbetriebe oder verzögert sich die Fertigstellung des Umbaus der Öömrang Skuul doch noch weiter und die Schule braucht weitere Unterrichtsräume?

Alles weit gefehlt. Die Auflösung des Rätsels gelingt, wenn man werktags zwischen 9:00 Uhr und 11:00 Uhr das Treiben um und im Zelt beobachtet. Da stehen dann viele gelbe Lieferwagen auf dem Parkplatz und Amrums Postboten sind emsig dabei, diese zu beladen, um dann wie gewohnt die Briefe, Päckchen und Pakete zu den Kunden zu bringen. Es ist das aktuelle DHL-Sortierzentrum, das hier vorübergehend sein Asyl bezogen hat. Wie es dazu gekommen ist, werden die meisten Amrumer bereits wissen: Fast 20 Jahre lang wurden die Briefe und Pakete, die per Lkw und Fähre nach Amrum geliefert wurden, mitten in Wittdün an der Inselstraße sortiert und in die Zustellfahrzeuge umgeladen. Vor über zwei Jahren kündigte der Vermieter der dortigen Räumlichkeiten den Pachtvertrag mit der Post, und diese fand lange Zeit auf der Insel keinen anderen geeigneten Ort für ihren Logistik-Standort.

Zwischenzeitlich wurde als Lösung des Problems angedacht, die Sortierstation auf Amrum ganz zu schließen und die ganze Logistik nach Föhr zu verlagern. Das hätte sicherlich zu Verzögerungen bei der Postzustellung auf Amrum und zu einer deutlichen Kostensteigerung geführt, hätten doch die Zustellfahrzeuge jeden Abend mit der letzten Fähre nach Wyk gebracht werden müssen. Dort wären sie vormittags von den Föhrer Kollegen beladen worden, um mit der Vormittagsfähre wieder zurück nach Amrum zu gelangen. Nach dem Ausliefern der Postsendungen durch die Amrumer Postler hätten die gelben VW-Bullis dann abends wieder eine Fähre nach Föhr genommen, u. s. w.

Nun hat sich der glückliche (?) Umstand ergeben, dass ein Amrumer Handwerker seinen Betrieb eingestellt, seine Räumlichkeiten im Gewerbegebiet an einen anderen Unternehmer auf der Insel verkauft hat und dieser die ehemalige Werkstatthalle an die Post verpachten wird.
Über 35 Jahre hinweg hat die Tischlerei Dell-Missier mit ihrer zuverlässigen handwerklichen Arbeit und auch mit sozialem und politischem Engagement das Bild der Insel geprägt und sorgt nun auch nach der Betriebsschließung noch mit ihren ehemaligen Werksräumlichkeiten für ein Fortbestehen von Amrumer Insellösungen.
Bis Ende Oktober sollen die Umbaumaßnahmen der ehemaligen Werkhalle abgeschlossen sein. Für Anfang November ist der Einzug des DHL-Sortierzentrums Amrum geplant. Dann wird auch die Partymeile an der Inseltankstelle Geschichte geworden sein.
Amrum hat ja schon vieles hinsichtlich der Bekämpfung von Raummangelsituationen erlebt. Kellerwohnungen, Wohncontainer am Kindergarten und an der Schule waren und sind ein längst gewohntes Bild auf der Insel. Aber ein Partyzelt für die Post, das ist neu! (Und ich entschuldige mich hier gleich für den Ausdruck „Post“. Ich weiß, dass es jetzt eigentlich „DHL Group“ heißt.)
AmrumNews Online-Zeitung der Insel Amrum

