Gelbe Blüten gehören zum Sommer auf Amrum. Doch auf dem Campingplatz wurde eine Pflanze entdeckt, die genauer unter die Lupe genommen werden sollte: das Schmalblättrige Greiskraut. Bei einer gemeinsamen Pflegeaktion lernten 14 Campinggäste, die invasive Pflanze sicher zu erkennen – und halfen dabei, ihre weitere Ausbreitung in die Dünen einzudämmen.

Nicht jede gelbe Blüte ist harmlos
Wer im Sommer auf Amrum unterwegs ist, begegnet ihnen überall: gelbe Blüten in den Dünen, am Wegesrand und auf offenen Flächen. Doch zwischen den vielen heimischen gelb blühenden Pflanzen kann auch eine Art auftauchen, die für empfindliche Lebensräume problematisch werden kann – das Schmalblättrige Greiskraut (Senecio inaequidens).

Diese Greiskraut-Art stammt ursprünglich aus dem Süden Afrikas. In Europa gilt sie als invasive gebietsfremde Art. Die Pflanze ist ausgesprochen anpassungsfähig und breitet sich vor allem auf trockenen und offenen Böden sehr schnell aus.

Warum ist das Schmalblättrige Greiskraut problematisch?
Das Schmalblättrige Greiskraut hat einige Eigenschaften, die ihm bei der Ausbreitung zugutekommen. Die Art produziert von Juni bis in den Dezember hinein große Mengen an Samen, die vor allem durch den Wind verbreitet werden. Die Pflanze kommt mit trockenen Bedingungen gut zurecht und besiedelt in dichten Beständen bevorzugt offene Bodenstellen. Genau diese Flächen sind in den Dünen besonders wertvoll, denn hier finden zahlreiche spezialisierte Pflanzen- und Tierarten ihren Lebensraum. Die dichten Bestände des Schmalblättrigen Greiskrauts können dazu führen, dass diese Lebensräume für zum Beispiel zahlreiche Insektenarten verloren gehen.

Ein blinder Passagier aus Südafrika
Wie kommt eine Pflanze aus dem südlichen Afrika nach Europa?
Die Samen des Schmalblättrigen Greiskrauts gelangten einst mit Importen von Schafswolle nach Europa. Erste Vorkommen wurden in Deutschland bereits Ende des 19. Jahrhunderts in Häfen und in der Nähe von wollverarbeitenden Betrieben gefunden.
Seine eigentliche Erfolgsgeschichte begann jedoch erst Jahrzehnte später. Seit Anfang der 1970er-Jahre breitet sich die Pflanze europaweit mit hoher Geschwindigkeit aus. Dies geschieht vor allem entlang von Autobahnen und Eisenbahnlinien. Die Samen werden durch Luftverwirbelungen von Fahrzeugen sowie in Reifenprofilen weitertransportiert.
Nun ist das Schmalblättrige Greiskraut auch auf Amrum angekommen. Entdeckt wurde es an den Parkplatzrändern des Campingplatzes. Von dort aus hatten erste Exemplare bereits begonnen, einen Dünenhang zu erobern. Bei einer gemeinsamen Begehung mit dem Betreiber Dominic Cloudt war schnell klar: Hier sollte möglichst früh gehandelt werden.
Die Idee: eine gemeinsame Pflegeaktion mit den Campinggästen unter fachlicher Leitung des Öömrang Ferian. Und auch für die Motivation nach getaner Arbeit war gesorgt: Der Campingplatz versprach Kaffee und Kuchen.

Gemeinsam gegen die Ausbreitung
Kurz darauf startete die gemeinsame Aktion. Zunächst musste eine wichtige Frage geklärt werden: Wie erkennt man das zu den Korbblütlern zählende Schmalblättrige Greiskraut sicher?
Die Antwort ist gar nicht so einfach. Auf dem Gelände wachsen viele heimische Korbblütler mit gelben Blütenköpfen. Kleinköpfiger Pippau, Ferkelkraut, Herbst-Löwenzahn oder Doldiges Habichtskraut können auf den ersten Blick sehr ähnlich aussehen.
Nach einer Einführung in die Bestimmungsmerkmale durch die Leiterin des Naturzentrums ging es schließlich an die Arbeit. Eineinhalb Stunden lang wurde genau hingeschaut, gesammelt und kontrolliert. Dann war es geschafft.
Beim anschließenden gemeinsamen Kaffeetrinken ließ man die Aktion noch einmal Revue passieren. Das Fazit: Es hat Spaß gemacht, man hat etwas gelernt und dabei ganz konkret etwas für den Schutz der Amrumer Dünen getan.
Und eines ist nach diesem Nachmittag sicher: Beim nächsten Spaziergang durch Amrums Dünen werden 14 Campinggäste wahrscheinlich etwas genauer hinschauen, wenn ihnen gelbe Blüten begegnen.
AmrumNews Online-Zeitung der Insel Amrum

