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Glücksmomente auf Amrum…

„Glücksmomente“ – lassen die sich überhaupt im Bild festhalten und wenn ja, wie?

Wer könnte das besser beantworten als die Gewinnerinnen und Gewinner des Amrum-Fotowettbewerbs 2015, die mit einem Amrum-Wochenende im Romantik Hotel Hüttmann und einem kleinen Amrum-Programm prämiert wurden.

Die Gewinner des Fotowettbewerbs beim Strandspaziergang . auch ein Glücksmoment...

Die Gewinner des Fotowettbewerbs beim Strandspaziergang . auch ein Glücksmoment…

Am letzten Aprilwochenende traf man sich bei stürmischem, aber sonnigen Frühlingswetter zunächst am Norddorfer Strand, wo Mitglieder der AmrumNews Redaktion die Gäste herzlich begrüßten und Kinka zum Gruppenfoto bat. Cara Leisner (eine der vier „Bundesfreiwilligen“ im ökologischen Dienst des Öömrang ferian) erklärte den Gästen bei einer Strand- und Dünenführung, was sie da am Flutsaum so alles gefunden hatten – während die sich auf dem Kniepsand zunehmend vermummten, um den beißenden Sandböen souverän zu trotzen.
Den Wind im Rücken, durch Vor-, Weiß-, Grau- und Braundünen ging es auf dem Bohlenweg im Gänsemarsch (!) zurück, in’s Wäldchen, vorbei an der Frischwassermulde (Hüttmanns ehemaligem Dünenlager für Kühlgut), zum Hotel. Das Dinner lockte, vorgestellt vom Hausherrn persönlich. Aber vorher gab es noch eine Kostprobe des spannenden, neuen Vortrags von Kai Quedens „Inseln der Seefahrer“, wirklich informativ und voller Humor.

Leider gehöre ich zu den Leuten, die im entscheidenden Moment ihre Kamera immer gerade nicht dabei haben! Und so ließ mich im Laufe des geselligen Abends, an dem viel über die Insel gesprochen und auch ein bisschen gefachsimpelt wurde, die Frage nicht los, wie die anwesenden Gewinnerinnen und Gewinner des Fotowettbewerbs vorgegangen sind, um „Glücksmomente“ so zu fotografieren, dass sie als Beste unter den 100 Favoriten aller Einsendungen ausgewählt wurden. Welche Geschichten stecken hinter diesen schönen Bildern, die im „Kleinen Amrumer 2016“ Seite 47-51 veröffentlicht sind?

Susanne Dippel, die mit ihrem Foto vom Gänsemarsch auf dem Kniepsand den ersten Platz belegte, hatte die weiteste Anreise, aus Goldach in der Schweiz. Sie stammt ursprünglich aus Hessen und kommt schon seit 15 Jahren auf die Insel, liebt das Nordseeklima und die Ruhe auf Amrum („nicht so viel Trubel wie auf Sylt“). Am Fotowettbewerb hat sie schon ein paar Mal teilgenommen, war auch schon einmal unter den ersten  Hundert, doch dass ihr „Gänsemarsch“ gewinnt, kam ganz unerwartet. Sie hatte eigentlich auf ihr anderes Wettbewerbsfoto gesetzt, ein Surf-Bild, das ihr selbst noch besser gefiel. Die Gänse entdeckte sie ganz zufällig, im Frühsommer letzten Jahres bei einem ihrer Spaziergänge rund um Wittdün und schoss mit dem Teleobjektiv gleich mehrere Fotos. Glücklicherweise. Denn der „Gänsemarsch“ sorgte bei der Jury in der Vorauswahl zunächst für Furore: Darf das Bild überhaupt teilnehmen, ist es eine Fotomontage, Kanadagänse auf Amrum???
Die Teilnahmebedingungen wurden gecheckt (und inzwischen verändert), Naturkundler und -fotografen eingeschaltet, der Öömrang ferian, weitere Fotos von Susanne Dippel angefordert, ja sogar Berechnungen der Bildperspektiven angestellt – am Ende war „bewiesen“: Das Foto ist „echt“ und es gibt tatsächlich Kanadagänse auf Amrum!

Claudia Stöver aus Langen hat sich 1978 in ihren Mann und die Insel verliebt und kommt seit 40 Jahren mit ihrer Familie nach Amrum. Auch sie nahm schon mehrfach am Fotowettbewerb teil und schaffte es bereits unter die ersten 16. Im Urlaub geht Claudia Stöver jeden Abend mit ihrer Kamera von Wittdün nach Süddorf, dennoch bezeichnet sie ihr (mit dem 2. Platz ausgezeichnetes) Foto von den Wolken am sonnigen Abendhimmel bei Niedrigwasser als Zufallsfoto, als einen Glücksmoment. Und das sahen sehr viele Leserinnen und Leser von AmrumNews genauso!
Aber haben Sie auch den Lenkdrachen vor dem Horizont bemerkt? Den ließen in diesem Moment nämlich Stövers erwachsene Kinder steigen, die mit neun Monaten das erste Mal auf Amrum waren und seither jedes Jahr.

Michael Haul wohnt mit seiner Familie in der Nähe von Hamburg und hat zum 2. Mal am Wettbewerb teilgenommen. „Wir kommen seit 15 Jahren nach Amrum, früher meist im Herbst, aber seit die Kinder da sind, in den Sommerferien.“ Welcher Glücksmoment mag hinter dem ausgezeichneten, technisch anspruchsvollen Foto vom Bohlenweg in den abendlichen Dünen, stecken?
Der letzte Urlaubsabend. August. Es ist warm, die Familie glücklich vom Strand zurückgekehrt. Michael Haul hat „frei bekommen“ zum Fotografieren, das für ihn mehr als ein Hobby ist. Er weiß genau, wann und wo an diesem Tag in Norddorf die Sonne untergeht, ist zur rechten Zeit mit seiner Kameraausrüstung an Ort und Stelle, wo der kurze Bohlenweg in die Dünen führt und die Sonne in seiner direkten Verlängerung stehen wird. Und dann „sind da zufällig zwei Leute auf dem Weg vorbeigekommen“…

Wer es genauer wissen will: 17 mm Weitwinkel Tilt & Shift Objektiv mit Grau- & Polfilter.

Auch Frank Burmester aus Hilden zieht es seit 35 Jahren immer wieder nach Amrum, am liebsten im Herbst. In den letzten fünf Jahren war er wohl 22 Mal auf der Insel, und sein Foto vom Norddorfer Quermarkenfeuer bei Vollmond erzielte den 5. Platz. Frank Burmester ist ein „alter Hase“ im Amrumer Fotowettbewerb. Er hat sogar schon einmal den 1. Platz gemacht, aber da waren die Zeiten noch analog. Nun ist er auch digital unter den Gewinnern, mit seinem „Lieblingsleuchtturm“ in der Dämmerung vor einem goldgelben Mond und rosa Schönwetterwolken am pastellfarben taubenblauen Abendhimmel. „So ein Foto gelingt nur im Herbst“, schwärmt Frank Burmester.

Martha Pohl aus Hamburg war mit fünf das erste Mal auf der Insel. Sie kommt seit 55 Jahren und ihr Vater hat schon Ende der 1950er Jahre viel auf Amrum fotografiert. Ihr lustiges Seehundfoto entstand 2015, mit Zoom aufgenommen aus ungefähr 700 Metern Entfernung: „Ich gehe auf Amrum immer viel zu Fuß. Es war Zufall, dass der kleine Seehund dort am Kniep lag. Alle Leute hielten Abstand, um das Tier nicht zu stören.“ Frau Pohl machte mehrere Fotos von dem kleinen Meeressäuger, doch besonders auf diesem mit den geschlossenen Augen scheint es uns Menschen, als ob er glücklich wäre und lachte.

Ralf Urbschat aus Neustadt in Holstein begleitete seine Freundin letztes Jahr bei einem Kurzurlaub nach Amrum und nahm erstmalig am Fotowettbewerb teil. Er konnte nicht ahnen, dass seine stimmungsvolle Aufnahme von „Panchos Burg“ im Abendlicht zusätzlich „historische“ Bedeutung erlangen würde, denn die Burg des Künstlers in den Vordünen zwischen Norddorf und Nebel wurde bald danach durch eine Sturmflut schwer beschädigt und es ist nicht klar, ob Otfried Schwarz, genannt Pancho, sie auch dieses Mal wieder aufbauen kann.

Gerd Dehl aus Ober-Ramstadt hat schon sieben Mal am Wettbewerb teilgenommen und war sechs Mal unter den ersten Zehn! Da er am letzten Aprilwochenende „erst“ zum sechsten Mal auf der Insel ist, weiß jeder rechnende Fotofuchs: Der Mann hat ein Archiv mit super Bildern! Aber woher die „Glücksmomente“, auch aus dem Archiv? Nein, das Bild von der Bank in der silbergrauen Nordsee fotografierte Gerd Dehl im Frühjahr 2015, ausgerechnet beim Amrum-Wochenende der Gewinner von 2014, als die Salzwiesen auf der Wattseite an der Norddorfer Odde überschwemmt waren und sogar der Bohlenweg im Wasser stand. Dort, wo Gerd Dehls Frau wetterfest eingepackt auf dieser Bank sitzt und auf’s Meer schaut. Das sei ihr Beitrag zum Wettbewerb, sagt sie. „Seele baumeln lassen“ hat er das Bild genannt.

Leider konnten Simon Remmers, Silke Koch und Angelika Putzek an diesem Wochenende nicht nach Amrum kommen. Schade. Zwei der Bilder gehören zu meinen Favoriten, eins davon auch mein ganz persönlicher „Glücksmoment“. Ich würde sehr gern ihre Geschichten hören. (Vielleicht habe ich ja Glück und sie schicken uns einen kleinen Kommentar.)

Amrum bietet unglaublich viele schöne Fotomotive, so der Tenor des Abends im Hotel Hüttmann. Doch was ist nun das Erfolgsgeheimnis der Gewinnerinnen und Gewinner des Amrum-Fotowettbewerbs 2015?
Sie mögen Amrum sehr und kommen immer wieder. Sie fotografieren viel. Sie streifen zu Fuß über die Insel. Sie haben ihre Kamera immer dabei und sind vorbereitet auf den  e i n e n  Moment. Sie schicken ihre Bilder an AmrumNews und sind bereit, ihre „Glücksmomente“ mit uns zu teilen. Aber ist Ihnen aufgefallen, dass in allen Geschichten auch der „Zufall“ eine Rolle spielt? Die Redaktion von AmrumNews wünscht viel Glück beim Fotowettbewerb 2016 zum Thema Amrumer Wahrzeichen!

 

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Über Astrid Thomas-Niemann

Astrid Thomas-Niemann ist gelernte Schifffahrtskauffrau sowie studierte Sprach- und Erziehungswissenschaftlerin. Sie hat viele Jahre als Schifffahrtsanalystin gearbeitet und lebt seit 2015 in Wittdün. Als junge Frau kam Astrid 1981 das erste Mal auf die Insel und besuchte auf Zeltplatz II die Niemanns aus Hamburg, die Amrum seit 1962 urlaubsmäßig die Treue halten, inzwischen bereits in der 4. Generation.
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