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DRK Nordfriesland schließt Amrumer Pflegeheim …


Wie lange hängt dieses Schild noch …,

Damit hatte niemand gerechnet. Letzte Woche entschied der Vorstand des DRK Nordfriesland, das Pflegeheim des DRK auf Amrum aus wirtschaftlichen Gründen zum 31.7.2019 zu schließen.  Für die zurzeit 9 Bewohner werden vom DRK Nordfriesland freie Kapazitäten in Struckum angeboten.

Die Amrumer Bevölkerung und die Heimbewohner und deren Angehörige sind insbesondere über den kurzen Zeitraum bis zur Schließung geschockt. Das ein gemeinnütziger Träger, der sich unter anderen auch Menschlichkeit und Linderung menschlichen Leidensauf die Fahnen geschrieben hat, so handelt, hat man nicht erwartet, auch wenn die finanziellen Schwierigkeiten schon seit längerem bekannt waren. Hier wäre eine Frist bis zum Jahresende sicherlich hilfreich gewesen

Wie berichtet, sind laut Auskunft des DRK Nordfriesland in den vergangenen Jahren immer wieder Verluste beim Betrieb des Pflegeheimes aufgetreten. „Die auftretenden Verluste belasten den Etat des Kreisverbandes und wir können einen weiteren Betrieb des Pflegeheimes auf Amrum aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr verantworten“ so der Geschäftsführer des DRK Nordfriesland, Torben Walluks.

Allen Beteiligten ist klar, dass ein wirtschaftlicher Betrieb eines Pflegeheimes mit 10 Bewohnern sicherlich schwierig ist, erfahrungsgemäß werden Pflegeheime erst ab einen Bettenstand von über 40 rentabel.  Dieses muss dem DRK schon bei der Eröffnung bewusst gewesen sein.  Neben den Räumen für die Stationäre Pflege für 10 Bewohner (6 Einzelzimmer und 2 Doppelzimmer) entstanden beim Neubau 1996 auch Wohnungen für Pflegepersonal und eventuell angedachtes betreutes Wohnen, womit jährlich etwa Mieteinahmen von etwa 35.000 € erzielt werden. Rechnet man diese Mieteinahmen zum Jahresergebnis dazu, betragen die Verluste für das Jahr 2016 gerade einmal 10.000 €, für die Jahre 2015 und 2014 etwa 11.000 € bzw 12.000 €.

Für die Jahre 2017 und 2018 mussten jedoch aufgrund von Personalproblemen externe Pflegekräfte über Dienstleister angeworben werden, was zu einer erheblichen Kostensteigerung geführt und die Verluste erhöht hat.

Vor dem Hintergrund der jetzigen Situation ist es völlig unverständlich, dass die von den Amrumer Gemeinden in Aussicht gestellten Unterstützungsgelder seitens des DRK Nordfriesland nie abgerufen wurden.

Auf Amrum mehren sich die Stimmen, die vermuten, dass ein gewisser Plan hinter der Ausweisung von Verlusten steht, nämlich das kleine Amrumer Pflegeheim zu schließen und das Struckumer Pflegeheim auszulasten.

Der Geschäftsführer Torben Walluks weist diesen Vorwurf zurück:“ Wir haben die Plätze in Struckum extra für eventuelle Anfragen von Amrum im Zusammenhang mit der geplanten Schließung freigehalten, normalerweise könnten wir sie aus Nachfragen im Kreis sofort belegen.“

Die Amrumer sind sich einig, dass das Pflegeheim weiterbestehen muss. Der Besuch eines Pflegebedürftigen in Struckum würde jedes Mal eine Tagesreise bedeuten, was sicherlich dazu führt, dass deutlich weniger Besuche stattfinden und die Bewohner mehr und mehr vereinsamen.

„Wir versuchen zurzeit intensiv einen anderen Träger zu finden, sowohl für eine kurzfristige Übergangslösung als auch für eine Dauerlösung“ so der Amrumer Zweckverbandsvorsitzende  Cornelius Bendixen. „Bisher wissen wir auch noch nicht genau, was das DRK mit den Gebäuden beabsichtigt, wünschenswert wäre natürlich, dass wir diese mit einem neuen Träger weiterbenutzen können.“

Auf Nachfrage bestätigte T.Walluks, dass die Gebäude auch weiterhin für die Betreibung eines Pflegeheimes zur Verfügung stehen.

Den Beteiligten ist bewusst, dass jetzt schnellstens eine Lösung gefunden werden muss. Die Gespräche mit dem Amt, dem Kreis und potenziellen Trägern werden diese Woche fortgesetzt.

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About Ralf Hoffmann

Ralf Hoffmann wurde 1955 in Schleswig geboren und zog mit seinen Eltern und Geschwistern 1962 nach Amrum. Nach dem Abitur in Niebüll studierte Ralf Luft und Raumfahrttechnik in Berlin. Die ersten 6 Berufsjahre verbrachte er als Entwicklungsingenieur bei VW und danach wechselte er als Aerodynamischer Entwicklungsingenieur zu Ford nach Köln. Als Leiter der Aerodynamischen Entwicklung für Ford Europa und die letzten 15 Jahre als Manager Aerodynamik und Motor- und Komponentenkühlung war er weltweit verantwortlich und viel unterwegs, um die jeweiligen Prototypen unter Hitze und Kälte zu testen. Nach all den Jahren auf dem Festland sind Ralf und seine Frau Karin nun wieder nach Amrum zurückgekehrt.

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3 comments

  1. Ich bin FASSUNGSLOS das man auf der Insel trotz Touristenboom in jedem Jahr nicht in der Lage ist seine alten Bürger auf Amrum zu versorgen. Müssen die wirklich auf das Festland entsorgt werden? Man bedenke die Abschiebung von der Heimat und dann das kaum Besuch kommt weil der Weg nicht wie auf dem Festland mal auf die Schnelle zu erreichen ist. Wir konnten meine Schwiegermutter nicht in den Haushalt aufnehmen aber mein Mann hat seine Mutter jeden Tag,außer wenn wir in Urlaub waren, im Heim besucht. Wenn das Rote Kreuz es nicht mehr machen will sollte doch auf der Insel von ALLEN Bürgern eine Lösung zu finden sein. Ich schäme mich für meine sehr geliebte Urlaubsinsel.
    Petra Millers

  2. Wir müssen was unternehmen! Um die Dringlichkeit vorerst deutlich zu machen, wurde eine Petition gestartet:
    https://www.openpetition.de/petition/online/die-pflegeeinrichtung-auf-amrum-muss-bleiben
    Helft uns, auf dieses Thema aufmerksam zu machen und eine Lösung zu finden!

  3. Es muss hier einmal betont werden, dass es wohl auf Amrum KEINEN gibt, der nicht für den Erhalt und die Fortführung der Pflegeeinrichtung eintritt. Es ist aber bei einigen der Eindruck entstanden, dass von Seiten der Amrumer Gemeindevertreter nicht genügend für diesen Erhalt getan wird. Dies ist falsch. Die Bürgermeister und der Zweckverband arbeiten emsig an einer Lösung des Problems. Die Übernahme der Einrichtung durch einen anderen Träger bzw. die Entwicklung eines neuen Konzeptes mit anderen Finanzierungsmöglichkeiten, wie z.B. eine Einrichtung des betreuten Wohnens mit angegliederter Pflegemöglichkeit, lässt sich aber wohl kaum bis zum 31.7.2019 bewerkstelligen. Zu diesem Zeitpunkt sind vom DRK Kreisverband die Heimverträge der aktuellen Bewohner gekündigt worden. Es wird kurzfristig eine Übergangslösung gefunden werden müssen, z.B. Mitbetreuung durch die Sozialstation des DRK Ortsverband Nebel. Alle Bewohner unserer Pflegestation haben oder werden Widerspruch gegen die Kündigung einlegen und bis zu einer „Zwangsräumung“ wird viel Zeit vergehen. Das Vorgehen des DRK Kreisverbandes hat mit Wohltätigkeit nichts mehr zu tun und offenbart, dass das „Rote Kreuz“ ein wirtschaftlich orientiertes Unternehmen ist. Und als reinen Hohn habe ich es empfunden, dass das Kündigungsschreiben auf DRK Geschäftspapier geschrieben ist, auf dem „Die sieben Grundsätze der Rotkreuzbewegung“ aufgeführt sind. Punkt 1 ist „Menschlichkeit“. Die Handlungsweise des DRK Kreisverbandes ist als unmenschlich zu bezeichnen und hat unter den Heimbewohnern, deren Angehörigen und den Betreuern zu großem Misstrauen und Angst geführt. Der Imageschaden für das „Rote Kreuz“ ist immens.
    Dr. Peter Totzauer

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