Der Amrum-News Adventskalender – 18. Türchen


Rückkehr zur Feuerzangenbowle?

Lange haben wir überlegt, wie wir in diesem Jahr Weihnachten feiern werden, und das Gedankenspiel, sich im kleinen Kreis auf die eine oder andere aufgegebene Familientradition zu besinnen, eint dieser Tage wohl viele zwischen Alpen und Nordsee.
Ende der 1960er Jahre hielten in meiner Familie Fondue und Feuerzangenbowle Einzug, wahlweise an Weihnachten oder Sylvester. Eine gesellige Angelegenheit für alle – außer für mich, denn ich war noch ein Kind und saß nicht gern still am Tisch. Die „Feuer Zacken Bohle“ war mir besonders unheimlich. Der Name klang ja schon so gefährlich!
Den schäbigen alten Fondue-Topf (übrigens das Werbegeschenk eines Buchclubs) erbte ich später von meiner Mutter, und wir verwenden ihn noch heute, die Feuerzangenbowle jedoch geriet vollkommen in Vergessenheit. Vermutlich war das minderwertige Angebot an vielen Weihnachtsbuden daran nicht ganz unschuldig. Jedenfalls verschwand der teure Feuerzangenbowle-Kessel aus Kupfer samt passendem Rechaud auf Nimmerwiedersehen. Bloß eine Feuerzange schlummerte noch in irgendeiner Küchenschublade, und ganz hinten im Vorratsschrank wartet seit ewigen Zeiten ein alter Zuckerhut auf seine Bestimmung. Die ist jetzt gekommen. Ich konnte meine Lieben überreden: Zu Weihnachten gibt es Feuerzangenbowle, auch wenn kein Topf im Schrank zum Stövchen passt. Es zählt, was drin ist. Hier ist unser Rezept:

Alle Zutaten sind da!

Zutaten
1 unbehandelte Orange
2 unbehandelte Zitronen
2  Zimtstangen
1 Rosette Sternanis mit 4 Kapseln
3 Gewürznelken
1,5 l = 2 Flaschen kräftigen, trockenen Rotwein
min. 250 ml / max. 375 ml Rum (mindestens 54%)
1 Zuckerhut (250 g)

Vorgehen
Aus einer Flasche mit hochprozentigem Rum mindestens 250 ml, höchstens 375 ml abfüllen und abgedeckt bereitstellen, so dass der Alkohol nicht flüchtig wird. Den Zuckerhut schon mal auf die Feuerzange legen.

Die Zitronen und die Apfelsine waschen und in Scheiben schneiden. Die Hälfte der Zitronenscheiben beiseite stellen.

Den Rotwein, die Gewürze, die Orangenscheiben und die Hälfte der Zitronenscheiben zusammen in einen Topf geben und auf dem Herd auf ca. 80°C erhitzen (nicht kochen lassen!). Anschließend in den vorgewärmten, feuerfesten Bowle-Topf umfüllen und auf einem Stövchen warm halten.

Die Feuerzange mit dem Zuckerhut quer über den Bowle-Topf legen, einige Esslöffel Rum darauf verteilen und anzünden. Bevor die Flamme verlöscht, mit dem Löffel oder einer kleinen Schöpfkelle nach und nach immer wieder Rum nachgießen (niemals direkt aus der Flasche!), bis die maximal 375 ml verbraucht sind und sich der Zuckerhut aufgelöst hat.

Mit einem Esslöffel ganz vorsichtig abschmecken. Wenn Ihnen die Bowle nicht süß genug ist, spülen Sie mit Hilfe der Schöpfkelle den verbliebenen Zucker aus der Zange in den Topf. Ist Ihnen die Bowle zu süß, korrigieren Sie den Geschmack mit frisch ausgepresstem Zitronensaft.

Vor dem Servieren die heiße Feuerzange entfernen und mit einer Schaumkelle die Früchte und Gewürze aus dem Topf nehmen, damit das Getränk nicht bitter wird. Die Feuerzangenbowle mit der Schöpfkelle direkt aus dem heißen Bowle-Topf am Tisch servieren – in feuerfeste Gläser oder Teebecher, garniert mit einer frischen Zitronenscheibe. Sünjhaid!

Nostalgie pur: eine Feuerzangenbowle im Advent, zu Weihnachten oder Sylvester (Foto: Waldemar Witt auf Pixabay)

Von Kopfschmerztabletten am Folgetag ist abzuraten.
Damit Sie eine Grundlage für den wirkmächtigen Alkohol haben, sollten Sie vorher etwas Kräftiges mit ausreichend Fett essen, aber löschen Sie Ihren Durst nicht mit der Bowle, sondern am besten mit Wasser. Ach ja, und die Rumflasche lassen Sie lieber draußen in der Küche, um – abweichend vom Rezept und anders als mein Vater damals – nicht in Versuchung zu geraten, den Rest vom Zuckerhut mit 54%igem wegzuspülen. Dann kann die „Feuer Zacken Bohle“ nämlich wirklich gefährlich werden o;)

 

 

 

 

 

 

 

 

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Über Astrid Thomas-Niemann

Astrid Thomas-Niemann ist gelernte Schifffahrtskauffrau sowie studierte Sprach- und Erziehungswissenschaftlerin. Sie hat viele Jahre als Schifffahrtsanalystin gearbeitet und lebt seit 2015 in Wittdün. Als junge Frau kam Astrid 1981 das erste Mal auf die Insel und besuchte auf Zeltplatz II die Niemanns aus Hamburg, die Amrum seit 1962 urlaubsmäßig die Treue halten, inzwischen bereits in der 4. Generation.

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