Tourismus-Modellregion Kreis Nordfriesland


Test-Infrastruktur auf Föhr und Amrum: Vorbereitungen laufen auf Hochtouren

Bei den Vorbereitungen für das voraussichtlich am 1. Mai startende Projekt „Tourismus-Modellregion Kreis Nordfriesland“ stellen sich derzeit auch auf Föhr und Amrum noch viele Fragen. Eine der dringlichsten betrifft die zu schaffende Infrastruktur der Teststationen. Eine Rechnung mit vielen Unbekannten, denn die Menge der benötigten Tests ist abhängig von der Anzahl der teilnehmenden Vermieter, die sich zuvor beim Kreis Nordfriesland anmelden müssen (www.nordfriesland.de/Modellregion/). Hier aber gibt es bisher keine belastbaren Zahlen.

Dennoch laufen die Vorbereitungen beim Amt Föhr-Amrum, das für die Koordinierung der Testzentren auf beiden Inseln zuständig ist, und den Verantwortlichen der Föhr Tourismus GmbH und der Amrum-Touristik auf Hochtouren. Gleiches gilt für den Kreis Nordfriesland, bei dem sich Betreiber anmelden und die Teststationen genehmigen lassen müssen. Zu erfüllen sind Mindestanforderungen, die Regelungen zu Räumlichkeiten und Infrastruktur, personeller Ausstattung, Umfang der Schulungen, Testdurchführung, persönlicher Schutzausrüstung, Hygienemaßnahmen und Angebotszeiten enthalten.

Einige Teststationen hat der Kreis bisher auf beiden Inseln beauftragt, zu denen auch Apotheken und Ärzteschaft gehören. Auf Amrum sind derzeit außerdem dabei: AmrumSpa Gesundheitszentrum, Dünencamping, die Hotels Ekke Nekkepenn und Seeblick sowie die Psychotherapie-Praxis Markus Bäuerlein. Auf Föhr das Krankenhaus Föhr-Amrum sowie die externen Firmen „Schnelltest Hamburg“ und „Best Corona Solutions“.

Neben zertifizierten Testzentren dürfen auch geschulte Vermieter und Gastronomen im Rahmen des Modellprojektes Testungen durchführen. Verwendet werden können alle vom Bundesamt für Medizinprodukte zugelassenen Tests (www.bfarm.de/antigentests). Dies können auch beaufsichtigte Selbsttests wie Spuck- oder Tests mit einem vorderen Nasenabstrich wie in der Schule sein. Zuvor muss sich der Betreiber schulen und vom Kreis zertifizieren lassen. Dann dürfen Zertifikate ausgestellt werden, mit denen Gäste zum Beispiel auch eine Gaststätte besuchen dürfen.

Unter den externen Anbietern bietet das Kölner Unternehmen „Best Corona Solutions“ die größte Kapazität. Da das Unternehmen ärztlich geleitet wird, kann bei einem eventuellen positiven Ergebnis direkt im Anschluss an den Schnelltest ein PCR-Test veranlasst werden. Die Probe wird auf Föhr oder in einem Labor auf dem Festland analysiert, im Anschluss erhält der Getestete seinen Befund. 5000 Testungen täglich verspricht Geschäftsführer Lennart Steffen, in der Hochsaison wären auch bis zu 7000 Tests möglich. „Wenn wir die Anzahl der Buchungen auf der Insel kennen und wissen, wie viele Gäste erwartet werden, können wir mit ein bisschen Vorlauf beliebig skalieren.“

Ermöglichen soll dies eine Kooperation mit dem Berliner Unternehmen „DasLab“, das deutschlandweit mit Corona-Testzentren vernetzt ist und von der Registrierung über die Terminvergabe bis zum Testergebnis ein komplett digitales Verfahren anbietet. „Ich glaube, in der Kombination können wir Insulanern und Gästen ein tolles Netzwerk bieten“, ist „DasLab“-Geschäftsführer Dr. Daniel Fallscheer überzeugt.

Vorteil der Software: Der Gast kann bereits vor der Anreise am Heimatort seine Daten eingeben und auch bereits die Termine buchen, an denen er getestet werden möchte. Das spart Zeit, da die personenbezogenen Daten, die erhoben werden müssen, bei Anreise bereits vorliegen. So wird das Prozedere planbarer und Wartezeiten werden minimiert.

Dafür muss sich der Kunde einmal registrieren und gemäß dem Infektionsschutzgesetz einige Rahmendaten eingeben. Damit ist ein Profil erstellt, über das Anmeldung und Buchung von Terminen bei den verschiedenen Stationen erfolgen. Da es sich um eine Web-App handelt, die mit Computer, Tablet oder Handy über den Browser aufgerufen werden kann, muss keine weitere App installiert werden.

Das jeweilige Testergebnis könnte digital an den Vermieter verschickt werden, hier werden derzeit noch datenschutzrechtliche Fragen geklärt. In jedem Fall erfährt der Getestete per SMS oder E-Mail, wenn sein Ergebnis vorliegt. Dieses kann er dann von dem Server, auf dem die Daten verschlüsselt liegen, abrufen. Auch ein Download als Datei ist möglich, der als Nachweis für den Vermieter dienen kann. Denn nach der aktuell geltenden Allgemeinverfügung des Kreises muss der Gast bei der Anreise einen negativen Corona-Test vorweisen, der nicht älter als 48 Stunden sein darf. Im 48-Stunden-Rhythmus müssen für die gesamte Dauer des Aufenthaltes weitere Tests folgen. Alle Bescheinigungen sind dem Beherbergungsbetrieb vorzulegen, der diese dokumentieren und für vier Wochen zusammen mit den Kontaktdaten des Gastes aufbewahren muss.

Zugriff auf die Daten hat auch die wissenschaftliche Begleitung des Projektes, um ein mögliches Ausbruchsgeschehen nachverfolgen zu können. Trotz fester Start- und Abbruchkriterien handelt es sich jedoch um keine wissenschaftliche Studie: Das vom Kreis Nordfriesland organisierte Projekt von Staat und Wirtschaft verfolgt lediglich die Absicht, Öffnungsoptionen zu untersuchen. Die wissenschaftliche Begleitung wird durch das Wirtschaftsministerium Schleswig-Holstein in Auftrag gegeben und durchgeführt von Dr. Benno Kreuels (Oberarzt für Innere Medizin und Epidemiologie am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin des UKE) und Dr. Anne Wichels-Schnieber. Sie führt mit ihrer Firma KDD Digital Healthcare (Knowledge Discovery in Databases) Projekte zur Digitalisierung des Gesundheitswesens durch und wird die Evaluation im Thema Datenerfassung und ‑strukturierung aus digitaler Sicht begleiten.

Teststationen soll es nach aktuellem Stand in Wyk im AOK-Kinderkurheim, in der Badestraße 111 und auf dem Parkplatz am Aquaföhr geben. Geplant ist zudem eine mobile Teststation. In Nieblum soll eine Teststation im Dörpshus eingerichtet werden, in Utersum im Taarepshüs. Getestet werden soll nach jetzigem Stand täglich von 8 bis 18 Uhr. Pro Test soll ein Euro Pacht an die jeweilige Gemeinde fließen. Der Betrieb der Teststationen soll je nach Nachfrage variabel gestaltet werden. Hier ist die Software von „DasLab“ hilfreich, die durch die Terminvergabe die nötigen Informationen liefert.

Geplant wird auch mit Personal von Föhr, das entsprechend geschult würde. Für Tester, die vom Festland kommen, werden derweil Wohnmöglichkeiten gesucht.

 

 

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